Mit dem Herrgott durchs Leben

Vorarlberg / 01.04.2021 • 18:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Annelies Kaltenegger vertraut seit Kindertagen auf Gott.
Annelies Kaltenegger vertraut seit Kindertagen auf Gott.

Seit der Erstkommunion ist Annelies Kaltenegger eng mit Gott verbunden.

Klösterle Annelies Kaltenegger (74) war schon als junge Frau davon überzeugt, dass es keinen Tod gibt und alle Menschen überleben, die physisch sterben. Sie war 14, als ihr Vater Karl starb. Nach seinem Tod kam er im Traum zu ihr. „Er saß an meinem Bett. Ich sagte zu ihm: Papa, jetzt, darfst du nicht mehr fortgehen. Er antwortete: Ich kann nicht mehr bei euch bleiben. Dann ging er zur Tür hinaus.“

Seine Tochter schloss daraus, dass es ein Weiterleben nach dem physischen Tod gibt und ihr Vater lediglich in die göttliche Heimat zurückgekehrt war. Seit ihrer Erstkommunion ist Annelies mit Gott eng verbunden. Die damals Achtjährige stand am Altar, als sich plötzlich ein wohliges Gefühl in ihr ausbreitete. „Es war, als ob ich zuhause wäre und Gott bei mir ist.“ Dieses Gefühl hat sie bis heute nicht verlassen.

Das Leben schonte Annelies nicht. Ihre Ehe mit Hans war überschattet von seiner tiefen Traurigkeit. „Er war ein Pflegekind und hatte eine schwierige Kindheit.“ Der Glaube half ihr, die Tiefen des Lebens zu meistern. „Der Herrgott gab mir immer Halt und Trost.“ Das Leben schenkte Annelies auch Freuden. Kinder waren ihr größtes Glück. „Sie waren meine Welt.“

Mit Liebe und Freude zog die Klostertalerin die drei Töchter groß. Annelies nahm auch Kinder von Gastwirten auf. „Sie waren meistens an den Wochenenden bei mir.“ Auch ein Nachbarkind betreute sie mehrere Monate. Die Nähe zu Kindern tat ihr gut. „Wenn man in ihre Augen schaut, sieht man den Himmel. Kinder wissen noch um ihre wahre Heimat, die bei Gott ist. Diese Geborgenheit umgibt sie.“

Wer Kinder hat, sorgt sich um sie, vor allem wenn sie anfangen, ihre eigenen Wege zu gehen. „Ich habe abends immer alles dem Herrgott übergeben und ihn darum gebeten, mir die Mädchen gesund heimzubringen“, sagt Annelies, die immer auf Gott vertraut, in jeder Lebenslage und bei jedem Problem.

Aber auch sie kann die Tatsache nicht wegerklären, dass im Leben schlimme Ereignisse geschehen, etwa dass Kinder von ihren Eltern wegsterben. Sie ortet aber einen Sinn hinter den Tragödien des Lebens: „Gold kommt in den Ofen, damit es schmilzt und rein wird. Auch wir kommen in den Ofen, damit unser Charakter beziehungsweise unsere Seele schöner wird.“

Sie selbst versank nie in ihrem Leid und ihrer Trauer. „Der Himmelvater will, dass wir Freude am Leben haben, auch wenn es nicht immer ein Honiglecken ist.“ Selbst nach dem Tod ihres Mannes im vorigen November war Annelies nicht traurig. „Ich weiß ja, dass er dort, wo er jetzt ist, in Gott geborgen ist.“ Sein schöner Heimgang beruhigte sie: „Hans hob noch einmal kurz den Kopf und lächelte. Dann machte er zwei Atemzüge und war fort.“ Annelies und Hans hatten sich alles gesagt, was zu sagen war. „Ein paar Tage vor seinem Tod küsste er mir in einem klaren Moment die Hände und sagte zu mir: Bin ich froh, dass du da bist.‘“ Annelies verpackte ihre Liebe zu dem Mann, mit dem sie mehr als 50 Jahre das Leben geteilt und den sie drei Jahre zuhause gepflegt hatte, in einen Satz: „Ich habe dich gern“, entgegnete sie ihm schlicht. Sein Tod wurde ihr zwei Wochen vorher angekündigt. „Meine verstorbene Mama kam im Traum zu mir und sagte: Jetzt geht es nicht mehr lange.“ VN-KUM