Tanzend für Kinderrechte beten

Vorarlberg / 01.04.2021 • 20:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tanzend für Kinderrechte beten

Mit einem öffentlichen Tanzgebet beendet Claudia Grava zwei Wochen dance.pray.care.

dornbirn Knapp 50 Personen haben sich auf dem Marktplatz versammelt, jeder mit FFP2-Maske. Auf dem Boden unter ihren Füßen sind mit Kreisen die Positionen markiert, so dass zwei Meter Abstand zwischen den Tänzern gewährleistet sind. Eine Jugendbotschafterin für UN-Kinderrechte & Globale Ziele verteilt weiße Stoffbänder. Die Teilnehmer können mit einem Benzinstift ihre persönliche Botschaft darauf hinterlassen. Eine rote Kinderhand ziert das Ende jedes Stoffbanners.

Ein Sandkorn im Getriebe

Es ist der finale Höhepunkt des zweiwöchigen Hungerstreiks der Tänzerin und Choreographin Claudia Grava. Zwei Wochen lang war sie im Hungerstreik für die Kinder in den Flüchtlingslagern am Rande Europas, lud täglich zum gemeinsamen Tanzgebet über die sozialen Netzwerke ein – und fordert per Petition die Aufnahme von Kindern aus dem Lager Kara Tepe. „Diese Kinder sind unschuldig“, klagt die 51-Jährige darin an. „Ich kann Unrecht nicht leiden, aber Unrecht gegen unschuldige Kinder ist für mich unerträglich.“ Ganz ohne Widerhall blieb es nicht: Bislang unterstützten über 1100 Menschen ihre Forderung. Mehrere Gemeinden sprachen sich ebenfalls für die Aufnahme von Flüchtlingskindern aus, seien es eher ÖVP-nahe Gemeinden wie Rankweil oder auch das blaue Hohenems unter Dieter Egger.

„Ich weiß, dass ich nur ein Sandkorn im Getriebe bin und allein mit Beten und Tanzen nicht viel verändere“, zeigt sich Grava bescheiden. „Mein Ziel ist es, die Herzen der Menschen zu erreichen.“ Je mehr Menschen sich entsprechend engagieren, desto eher werde sich was ändern, hofft die Tänzerin. Auch dieses Tanzgebet mitten im Herzen Dornbirns wird im Internet übertragen. Vor dem Beginn wendet sich Grava an ihr Publikum und spricht von ihrer Hoffnung auf einen Wind der Solidarität und Veränderung in Europa. Eine Viertelstunde später ist das gemeinsame Tanzgebet beendet. Als Abschlussgeste strecken die Teilnehmer ihre Stoffbanner gen Himmel. Manche hängen diese dann an die Säulen von St. Martin, andere nehmen sie mit. Für Grava ist mit dem Ende des Hungerstreiks kein Schlussstrich gesetzt. Die Petition läuft unter http://bit.ly/dance-pray-care-petition weiter. VN-rau

„Österreich könnte einen Schritt hin zu einer solidarischeren Gesellschaft setzen.“

Ein gemeinsames Zeichen setzte Claudia Grava mit rund 50 Unterstützern am Gründonnerstag. VN/Paulitsch, Rauch
Ein gemeinsames Zeichen setzte Claudia Grava mit rund 50 Unterstützern am Gründonnerstag. VN/Paulitsch, Rauch