Gericht: Berauschter Revolverschütze rief Cobra auf den Plan

Vorarlberg / 02.04.2021 • 10:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Berauschter Revolverschütze rief Cobra auf den Plan
Der Angeklagte hat sich seit dem Vorfall wieder Schritt für Schritt in ein normales Leben zurückgekämpft. ECKERT

Teilbedingte Geldstrafe für Mann, der mit CO2-Waffe auf Hausfassade schoss.

Feldkirch „Es ist selten, dass jemand die Kurve so gut kratzt wie Sie, das ist wirklich sehr positiv“, zeigt sich Richter Thomas Wallnöfer bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch erfreut über die Entwicklung im Leben des Angeklagten. Der Mann hatte einst in Bregenz eine Sozialwohnung, doch Tabletten und Alkohol waren für ihn eine unüberwindbare Hürde, immer wieder rutschte er in die Sucht ab.

„Ich verlor aus eigenem Verschulden diese Wohnung, lebte auf der Straße und war mit den falschen Leuten unterwegs“, sagt er heute.

Den Entzug auf der Straße schaffte er nicht. In einer seiner dunklen Stunden im August hielt er sich vor seiner ehemaligen Unterkunft in Bregenz auf. „Ich wollte unbedingt etwas kaputtmachen“, erinnert er sich. Er zielte mit seinem CO2-Revolver auf die gegenüberliegende Hausfassade. Dass hinter dem Fenster Leute standen, erkannte er in seinem Zustand nicht.

„Ein freundlicher Mensch“

Der Alkohol- und Tablettenkranke schoss, verletzt wurde niemand und auch Schaden entstand keiner. „Man erkannte, dass er sehr betrunken war, ansonsten war er immer sehr freundlich und ein liebenswerter Mensch. Wir hoffen, dass er mit einem blauen Auge davonkommt.“

Da die Betroffenen damals nicht beurteilen konnten, ob es sich allenfalls um eine echte Waffe handelte, rückte die Polizei mit der Spezialeinheit Cobra an. Der Mann hatte seinen CO2-Revolver inzwischen wieder in seinen Plastiksack gesteckt, ein Alkoholtest ergab zwar „nur“ ein Promille, in Kombination mit den diversen Medikamenten war der Mann jedoch einigermaßen neben der Spur.

Der Weg zurück

Der Suchtkranke war zur Entgiftung sechs Wochen stationär in Rankweil, dann eine Woche bei seiner Mutter und dann nochmals eine längere Zeit in einer Spezialeinrichtung. Doch jetzt ist er trocken, hat die Pillensucht hinter sich, wieder eine Wohnung und auch einen Job in Sicht. Er hat sich Schritt für Schritt ins Leben zurückgekämpft. Weil er insgesamt trotz Waffenverbot zwei Pistolen und ein Messer besaß, wurde er wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen. Bezüglich des Schusses auf die Hausfassade lastete man ihm versuchte Sachbeschädigung an. Selbst die Staatsanwaltschaft zeigt sich versöhnlich und will dem 44-Jährigen keine weiteren Steine in den Weg legen. 450 Euro müssen bezahlt werden, 450 Euro gibt es auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft akzeptiert das Urteil, auch der Verurteilte ist einverstanden.