Heiratsantrag am Krankenbett

Vorarlberg / 02.04.2021 • 18:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Manuel Wucher machte seiner Lebensgefährtin Christina im Spital einen Heiratsantrag. KHBG
Manuel Wucher machte seiner Lebensgefährtin Christina im Spital einen Heiratsantrag. KHBG

Manuel Wucher überlebte Forstunfall nur knapp. Jetzt fasst er neuen Lebensmut.

Feldkirch Jeder neue Morgen ist ein Geschenk. Für Manuel Wucher (35) ist das keine hohle Phrase. Denn er ist ein Überlebender. Am 13. Jänner dieses Jahres verunglückte er in seinem Heimatort Möggers schwer.

Das Unglück passierte bei Holzarbeiten. Eine gefällte Tanne fiel mit unbändiger Wucht auf Manuel und zerschmetterte sein linkes Bein. Stundenlang kämpften die Ärzte im Landeskrankenhaus Feldkirch um das Leben des jungen Landwirts.

„Ich wäre beinahe verblutet. Glücklicherweise gelang es den Ärzten, die Blutung zu stoppen. Mir wurden in einer Nacht 35 Blutkonserven verabreicht.“ Manuel kam nach der Not-OP und mehrtägigem künstlichen Koma wieder zu Kräften. „Die Ärzte sprachen von einem Wunder. Sie sagten, dass ich nur überlebt hätte, weil ich gesund und jung bin.“ Der Kampf ums Überleben war vorerst gewonnen, aber der um das Bein begann erst.

Schockerlebnis

Nach einigen Operationen sah es so aus, als ob man es retten könnte. Aber dann platzte in seinem linken Bein ein Gefäß. Und wieder ging es um Leben und Tod. „Ich verlor so viel Blut, dass ich fast bewusstlos wurde. Ich wurde schleunigst in den Operationssaal gebracht.“ Die Ärzte verpflanzten ein Gefäß und retteten ihm neuerlich das Leben. Aber später kam es abermals zu einer Blutung in seinem Bein. „Eine Infektion hatte das verpflanzte Gefäß beschädigt.“

Bei der Notfalloperation am 13. März gelang es den Ärzten nicht das Gefäß und damit das Bein zu retten. Als Manuel aus der Narkose aufwachte, erfuhr er von den Ärzten, dass man sein Bein oberhalb des Knies habe amputieren müssen. Ein Schockerlebnis. „Ich weinte sehr und war tieftraurig, weil ein Teil von mir gestorben war“, erzählt Manuel, der in diesen schweren Stunden aber nicht allein war. Seine Eltern und seine Lebensgefährtin Christina trösteten ihn und gaben ihm Halt.

Im Licht seiner Dankbarkeit hatte die Traurigkeit nicht lange Bestand. „Ich bin meinen Lebensrettern unendlich dankbar. Was im Spital in Feldkirch geleistet wird, ist enorm.“ Dass das Schicksal ihm gnädig war und er bei dem Unfall nicht starb, interpretiert er so: „Es hat einen Grund, dass ich überlebt habe. Mein drei Monate alter Sohn Julius soll einen Papa haben.“ Die Geburt war das bisher Schönste, was Manuel im Leben erlebt hat.

Tiefe Liebe zu Christina

Durch das gemeinsame Kind vertiefte sich seine Liebe zu seiner Freundin, mit der er seit 15 Jahren zusammen ist. „Christina ist eine so starke Frau. Sie ist mein ein und alles und eine ganz tolle Mutter.“ Was sie ihm bedeutet, zeigte er ihr vor vier Wochen an ihrem Geburtstag am 7. März. „Ich habe ihr einen Ring an den Finger gesteckt und sie gefragt, ob sie mich heiraten will.“ Seine Lebensgefährtin nahm den Heiratsantrag an. „Sie sagte zu mir: Endlich fragst du mal.“ Vor lauter Rührung und Freude vergoss das Paar am Krankenbett Tränen. Künftig will der Milchbauer, der 50 Kühe hält, seiner kleinen Familie mehr Zeit widmen. Denn: „Wirklich wichtig im Leben ist die Familie.“

Sein Arbeitspensum – Manuel arbeitete vor dem schweren Unfall bis zu 80 Stunden in der Woche – will er herunterschrauben. Der Landwirtschaftsmeister geht davon aus, dass er seinen Beruf weiter ausüben kann. „Ich werde den Betrieb umbauen und meinen Bedürfnissen anpassen.“ Arbeiten, die er aufgrund seines Handicaps selbst nicht mehr machen kann, will er auslagern.

„Christina ist eine so starke Frau. Sie ist mein ein und alles und eine ganz tolle Mutter.“