Doris Knecht

Kommentar

Doris Knecht

Ein eher ungewöhnliches Bärlauch-Rezept

Vorarlberg / 05.04.2021 • 18:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Am Ostersonntag spazierten wir mit dem Hund zum Bärlauchfeld, es gibt da eine Stelle im Wald, ein paar Kehren oberhalb von dem Spitz, an dem der Bach in den Fluss mündet, an der er jeden Frühling freudig sprießt. Die Stelle kennen nur die Einheimischen, aber man trifft dort eigentlich nie jemanden, wahrscheinlich ist es zu weit weg von der Straße, und man muss den kleinen Bach durchqueren, über den heuer aber zum Glück der Biber eine kleine, wackelige Brücke gebaut hat. Außerdem pfeifen vermutlich die meisten im Ort auf Bärlauch. Ich auch, ehrlich gesagt. Nicht, dass ich ihn fundamentalistisch ablehnte oder seine Ausrottung forderte, wozu sich Bärlauchhasser mitunter hinreißen lassen. Aber zwei, drei Mal im Frühling Pasta mit Bärlauchbutter oder Pesto, zu Ostern ein Stück von der Torta Pascalina von der Nachbarin, danach kann von mir aus gern sofort die Spargel-Saison beginnen. Ich habe längst aufgehört, alte Marmeladegläser mit selbstgemixtem Bärlauch-Pesto zu füllen, weil von denen immer noch mehrere Jahrgänge, angefangen 2009, in meinem Keller stehen. Der Bärlauch, den ich jeden Frühling pflichtbewusst mit Freundinnen pflücke, landet entweder in den Marmeladegläsern meiner Gäste, oder er würzt meinen Kompost. Am Sonntag habe ich ungefähr ein Kilo in einen Stoffsack hineingepflückt, den ich dann dazu verwendete, damit zwischen zwei an und für sich eng befreundete Hunde zu gehen, die aufeinander losgingen, weil ich irrtümlich meinen Leckerli-Beutel ausschüttete; eine eher ungewöhnliche Verwendung für Bärlauch, ich weiß. Wir grillten dann stattdessen Käsekrainer am Lagerfeuer. Kalt wars, aber sehr schön.

Apropos schön: Vielen Dank für die Leserinnenmails zur letzten Kolumne, in der ich aus der Wiener Ferne ein klein wenig neidvoll ins Ländle hineinschaute. Die meisten Mails waren freundlich, nur ein Herr hat meine Zeilen als scheele Missgunst missverstanden, und das möchte ich unbedingt ausräumen. Denn so wie ich für und über jede Geimpfte und jeden Geimpften richtig froh bin, so freue ich mich euphorisch über jedes Foto eines frisch gezapften Biers aus dem Ländle oder einer sich wellenden, knusprigen Panier auf einem Wiener Schnitzel auf einem Gastgartentisch im Ländle – auch wenn beides für mich selber noch in weiter, sehnsüchtiger Ferne steht. Lasst es euch schmecken, Vorarlbergerinnen und Vorarlberger! Zum Wohle!

Und passt weiter so gut auf euch und auf einander auf. Bald sind wir alle geimpft; ich pflück mir inzwischen noch ein bisschen frischen Bärlauch, einmal Nudeln geht noch.

„Wir grillten dann stattdessen Käsekrainer am Lagerfeuer. Kalt wars, aber sehr schön.“

Doris Knecht

doris.knecht@vn.at

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.