Große Gemeinde, niedrige Inzidenz: Warum es bei uns (nicht) klappt

Vorarlberg / 05.04.2021 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Große Gemeinde, niedrige Inzidenz: Warum es bei uns (nicht) klappt
Dass Nenzing unter Quarantäne stand, ist genau ein Jahr her. VN/STEURER

Es gibt Gemeinden in Vorarlberg, die trotz respektabler Größe eine niedrige Inzidenz vorweisen können.

Schwarzach An sich sind sich diese vier Gemeinden recht ähnlich: Sie haben zwischen 6.000 und 14.000 Einwohner, sind bedeutende Industriestandorte und entsprechend eng mit ihrem Umfeld vernetzt. Ihre Inzidenzen sind jedoch seit Wochen auffallend gering. Bludenz als Bezirkshauptstadt mit knapp 15.000 Einwohner hatte am Ostermontag nur 15 bekannte akut infizierte Personen. Nenzing, am Anfang der Pandemie noch ein Hotspot, lag bei drei Betroffenen. Lauterach im Herzen des Rheintaler Unterlands überrascht seit Wochen mit auffallend niedrigen Inzidenzen. Erst in den letzten Tagen stieg die Inzidenz in der 10.000-Seelen-Gemeinde wieder über den Wert von 50 und ist damit noch auffallend niedrig zu vergleichbaren anderen Gemeinden im Umfeld. Eine davon ist die Nachbargemeinde Hard. Die Bodenseegemeinde kämpft seit Wochen mit stark schwankenden Inzidenzwerten von 7 bis 130 von 100.000. Wir fragten in den Gemeindestuben nach den Ursachen.

Bludenz (26,9): Mut und Vorsicht

<strong>Bürgermeister Simon Tschann:</strong> Ich blicke jeden Morgen mit Demut, aber auch Freude auf die Infektionszahlen in Bludenz. Da gehört natürlich auch viel Glück dazu, vor allem wenn man bedenkt, mit wie viel Mut Bludenz wieder geöffnet hat. Wir begannen die Öffnung schließlich mit einem Rockkonzert in der Remise. Über 70 Prozent der Gastronomen haben die Türen geöffnet. Wirte und Besucher sind mit Ernst dahinter, testen und kontrollieren fleißig. Ich habe hier schon einen Stolz auf die Bludenzer.  <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Bürgermeister Simon Tschann: Ich blicke jeden Morgen mit Demut, aber auch Freude auf die Infektionszahlen in Bludenz. Da gehört natürlich auch viel Glück dazu, vor allem wenn man bedenkt, mit wie viel Mut Bludenz wieder geöffnet hat. Wir begannen die Öffnung schließlich mit einem Rockkonzert in der Remise. Über 70 Prozent der Gastronomen haben die Türen geöffnet. Wirte und Besucher sind mit Ernst dahinter, testen und kontrollieren fleißig. Ich habe hier schon einen Stolz auf die Bludenzer. VN/Lerch

Lauterach (68,1): Glück im Zentrum des Unterlands

<strong>Gemeindesekretär Bernhard Feurstein</strong>: Es dürfte bei uns einfach auch viel mit Glück zu tun haben, aber die Bevölkerung hält sich scheinbar sehr diszipliniert an die Vorgaben. Mit der Teststation im Hofsteigsaal haben die Lauteracher auch einen sehr einfachen Zugang zu Tests. Dass wir Vorarlberger die Modellregion für ganz Österreich sind, kommt wohl nicht von ungefähr. Und Lauterach ist da nun einmal mittendrin. <span class="copyright">Gemeinde Lauterach</span>
Gemeindesekretär Bernhard Feurstein: Es dürfte bei uns einfach auch viel mit Glück zu tun haben, aber die Bevölkerung hält sich scheinbar sehr diszipliniert an die Vorgaben. Mit der Teststation im Hofsteigsaal haben die Lauteracher auch einen sehr einfachen Zugang zu Tests. Dass wir Vorarlberger die Modellregion für ganz Österreich sind, kommt wohl nicht von ungefähr. Und Lauterach ist da nun einmal mittendrin. Gemeinde Lauterach

Nenzing (32,3): Erinnerung an Quarantäne

<strong>Bürgermeister Florian Kasseroler</strong>: Es ist sensationell. Ich glaube, dass sich die Bürger überaus diszipliniert an die Maßnahmen halten, insbesondere die Jugend muss gelobt werden. Aus meiner Sicht halten sich auch die Vereine sehr strikt an die Regeln. Vor genau einem Jahr wurden wir in Quarantäne geschickt, diese Erinnerung schwingt natürlich bei allen mit. Die Menschen sind wohl deswegen besonders vorsichtig. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Bürgermeister Florian Kasseroler: Es ist sensationell. Ich glaube, dass sich die Bürger überaus diszipliniert an die Maßnahmen halten, insbesondere die Jugend muss gelobt werden. Aus meiner Sicht halten sich auch die Vereine sehr strikt an die Regeln. Vor genau einem Jahr wurden wir in Quarantäne geschickt, diese Erinnerung schwingt natürlich bei allen mit. Die Menschen sind wohl deswegen besonders vorsichtig. VN/Lerch

Hard (124,7): Was es uns schwer macht

<p class="infozeile"><strong>Bürgermeister Martin Staudinger: </strong>Ich beobachte, dass große Marktgemeinden wie Hard und auch Lustenau oft hohe Inzidenzen haben. Vielleicht ist das Rheintal aber auch zu stark vernetzt, um Gemeinden isoliert zu betrachten. Ich würde mir daher statistische Aussagen durch das Contact Tracing wünschen, um Infektionsströme sichtbar zu machen. Dann könnte man gezieltere und wirksamere Maßnahmen ergreifen. <span class="copyright">Serra</span></p>

Bürgermeister Martin Staudinger: Ich beobachte, dass große Marktgemeinden wie Hard und auch Lustenau oft hohe Inzidenzen haben. Vielleicht ist das Rheintal aber auch zu stark vernetzt, um Gemeinden isoliert zu betrachten. Ich würde mir daher statistische Aussagen durch das Contact Tracing wünschen, um Infektionsströme sichtbar zu machen. Dann könnte man gezieltere und wirksamere Maßnahmen ergreifen. Serra

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