Keine Konsequenzen nach Drohungen im Schwimmbad

Vorarlberg / 06.04.2021 • 22:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der junge Angeklagte zeigte sich vor Gericht einsichtig und wirkt in der Therapie aktiv mit, deshalb keine Einweisung. ECKERT
Der junge Angeklagte zeigte sich vor Gericht einsichtig und wirkt in der Therapie aktiv mit, deshalb keine Einweisung. ECKERT

22-jähriger psychisch Kranker muss nicht in die Psychiatrie, er bleibt in Freiheit.

feldkirch Im Sommer vergangenen Jahres kam es im Bregenzer Freibad zu einem Vorfall, der einen 22-jährigen Mann nun vor Gericht brachte. Der Arbeitslose war, so wie sein Freund auch, im Schwimmbad und ging zu seinem Bekannten, der gerade Volleyball spielte.

„Haus abfackeln“

Völlig ohne Grund drohte er dem anderen, den er bereits seit vielen Jahren kennt, mit Schlägen, dem Umbringen und damit, dass er dessen Haus abfackeln werde. Der Betroffene war zu dem Zeitpunkt nicht zurechnungsfähig, weshalb er auch nicht angeklagt ist. Er war eindeutig nicht schuldfähig, litt an einer bipolaren affektiven Psychose.

Deshalb geht es bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch um eine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Der Betroffene hat keinerlei Erinnerung an den Vorfall, der im Bad für Aufregung sorgte. Was die Zurechnungsfähigkeit und die Zukunftsprognose betrifft, erläutert Gerichtspsychiater Reinhard Haller die Hintergründe.

Der Betroffene litt als Kind bereits an Hyperaktivität und versuchte später, diese mit Cannabis in den Griff zu bekommen. Jahrelang sprach er dieser Droge zu, nun leidet er zusätzlich an einer bipolaren Störung. Manische Phasen, in denen er von einem Hochgefühl beinahe in den Himmel getragen wird, wechseln sich mit depressiven Phasen ab.

Das Problem ist, dass derartige Patienten in ihrer Hochphase wenig Einsehen haben, ihre Medikamente weiter zu nehmen. „Sie fühlen sich gesünder, gescheiter und stärker als alle anderen“, erklärt Haller. Auch im Sommer setzte der junge Mann seine verschriebenen Arzneien mehrere Tage ab und es kam prompt zu einem Zwischenfall. 

Angsteinflößend

Auch wenn sich die Zeugen damals fürchteten, heute macht der junge Mann einen guten Eindruck, und darauf kommt es rechtlich an.  „Damals war er auf 180, völlig neben sich. Er ging mir nach, schlug mir auf den Arm und verlangte, dass ich mich vor ihm niederknie und mich bei ihm entschuldigen solle“, erzählt das 20-jährige Opfer. Inzwischen hat sich der Betroffene bei seinem Bekannten entschuldigt. Der junge Mann arbeitet in der Therapie aktiv mit und ist krankheitseinsichtig. Der damals bedrohlich wirkende Redeschwall verwirklicht laut Schöffensenat keine gefährliche Drohung. Außerdem ist die Gefährlichkeit heute nicht mehr gegeben, weshalb der Antrag auf Einweisung abgewiesen wird. Allerdings empfiehlt Richter Richard Gschwenter, die Therapie fortzusetzen, auch wenn es dazu keine Weisung gibt. EC