Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Kreisläufe

Vorarlberg / 06.04.2021 • 21:36 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Schon wie ein guter alter Bekannter hebt der Paketzusteller die linke Hand zum Gruß, während er zurück zum Kleinlaster hastet, den er mit laufendem Motor abgestellt hat. Er braucht kaum zwei Minuten, um ein paar Pakete ins Nachbarhaus zu tragen. Routiniert wiederholt er den Vorgang noch dreimal, ehe er die kleine Straße wieder verlässt, die früher nur die Postbotin abgeklappert hat. Heute ergießen sich die Segnungen der Zulieferindustrie von der Tiefkühlpizza bis zur super heißen Mode weit häufiger in die kleine Nachbarschaft, als dass sich einmal ein Brief dorthin verirrte.

Ganz in der Nähe steht eine Containerinsel. Die Behälter erwarten rund um die Uhr Glas und Metall. Das kann man lesen. Es steht in großen Lettern angeschrieben.

Auch die Öffnungen sind bedienerfreundlich angebracht. Doch scheinen das die einen mehr für eine vage Idee zu halten, so eine Art Vorschlag, indessen andere sich vermutlich aus Prinzip nicht von der Staatsmacht gängeln lassen. Nur so lässt sich erklären, dass die Container jeweils nach wenigen Tagen aus richtigen Müllbergen hervorragen, die rund um sie gewachsen sind. Verpackungen aller Art quellen aus den Zwischenräumen und ufern nicht selten ins angrenzende Waldstück aus.

Der Bauhof darf das dann beseitigen. Die Dame und die Herren in den orangen Overalls holen den Müll so zuverlässig ab, wie er zuvor in die Häuser geliefert worden war und bestätigen damit ein besonders schönes Beispiel, wie das Wort von der Kreislaufwirtschaft gründlich missverstanden wird.

Thomas Matt

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