Bezirksgericht: Mit dem Scheibenwischer eins ausgewischt

Vorarlberg / 07.04.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgericht: Mit dem Scheibenwischer eins ausgewischt
Aus Wut und Frust riss ein 50-Jähriger Autofahrer am Pkw eines Pensionisten einen Scheibenwischer aus. Eine Kamera zeichnete es auf. SYMBOL/VN/STEURER

Nach Zoff im Straßenverkehr: Überwachungskamera überführte Streithammel der Lüge.

Bregenz „Wie kann man mit dem Auto nur so einen Scheiß zusammenfahren?!“ ärgert sich der 50-jährige Angeklagte am Bezirksgericht Bregenz noch heute über den Grund, weshalb er dereinst mit einem 71-jährigen Pkw-Lenker auf den Straßen einer Vorarlberger Gemeinde in eine heftige Auseinandersetzung geraten war.

Doch wie sich dieses Duell der Provokationen zwischen den beiden Autofahrern konkret abspielte, wird vor Gericht nicht näher erläutert. Der Beschuldigte lässt nur erahnen, womit ihm sein älterer Widersacher Geduld und Nerven drangsaliert hatte. „Er hat mir den Vogel gezeigt und die Zunge rausgestreckt“, beteuert der 50-Jährige vor Richter Christian Röthlin. „Und ich sah im Rückspiegel, dass er mich verfolgt.“

„Beherzter Sprung zur Seite“

Es galt, reinen Tisch zu machen. Der Angeklagte habe seinen Pkw angehalten und sei ausgestiegen. Um den Pensionisten zur Rede zu stellen. „Der aber fuhr mit vollem Karacho auf mich los!“, behauptet der Beschuldigte. „Ich musste mich mit einem beherzten Sprung zur Seite retten!“ Dann habe der Pensionist angehalten und ihm nochmals die Zunge entgegengestreckt. „Als er dann weiterfuhr, bin ich ihm aus Frust und Wut nachgerannt. Dabei stolperte ich und drohte zu stürzen. Instinktiv hielt ich mich am Scheibenwischer seines Autos fest, der dabei herausgerissen wurde“, schildert der Angeklagte weiter.

Der Pensionist wird einvernommen. Seine Version klingt anders. „Ich habe überhaupt nicht angehalten, sondern fuhr rechts an seinem stehenden Pkw vorbei.“

Nun spielte sich der geschilderte Vorfall unmittelbar vor einem Tabakgeschäft ab. Einer Trafik, deren Überwachungskamera das Geschehen detailliert aufzeichnete. Das Video überführt den Angeklagten der Lüge. Die Aufzeichnung zeigt nicht nur, dass der 71-Jährige seinen Pkw weder auf den Beschuldigten gelenkt noch angehalten hatte, sondern in zwei Meter Entfernung an ihm vorbeigefahren war. Außerdem ist deutlich zu erkennen, dass der 50-Jährige anschließend in voller Absicht einen Scheibenwischer am Auto des Pensionisten ausgerissen hatte. Wohl in der Absicht, ihm eins auszuwischen.

800 Euro Strafe

Der Angeklagte wird wegen Verleumdung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro in 200 Tagessätzen verurteilt. Erstaunlicherweise akzeptiert er das Urteil anstandslos. Obwohl er vorher noch wörtlich „mit der Hand auf der Bibel“ die Wahrheit gesagt habe. 300 Euro will er sogar sofort berappen.