Viele ungenutzte Impfcodes

Vorarlberg / 07.04.2021 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Priorisierung für 24-Stunden-Betreuerinnen: Weniger als ein Fünftel der Codes eingelöst.

Schwarzach Das Angebot von Coronaimpfungen übersteigt die Nachfrage. Was auf den ersten Blick wie ein Formulierungsfehler scheint, ist bei den 24-Stunden-Betreuerinnen Realität. Das Land Vorarlberg stellte ihnen 500 Codes zur Verfügung, mit denen sie innerhalb weniger Tag einen Impftermin erhalten können. Nicht einmal 100 davon wurden bisher eingelöst. Ein Grund könnte sein, dass einige Betreuerinnen bereits zu Hause geimpft worden sind, erklärt Waltraud Bilgeri vom Betreuungspool. Bestimmt hätten aber auch die kritischen Meldungen rund um den Impfstoff von AstraZeneca eine Rolle gespielt.

Lösungssuche

Das Land hat lange nach einer Lösung für die Betreuerinnen gesucht. Ihre Turnusse wechseln im Drei-Wochen-Takt. Bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna wäre der Zeitraum zwischen Erst- und Zweitimpfung also entweder zu knapp oder zu groß. Das Mittel von AstraZeneca bietet mit einem möglichen Abstand von zwölf Wochen deutlich größeren Spielraum. Sollte der zweite Impftermin aufgrund des Wechsels nicht halten, ist es möglich, über die Hotline 1450 einen neuen Termin zu vereinbaren.

Die 500 Priorisierungscodes, die sich die Betreuerinnen über ihre Agenturen abholen können, gibt es seit rund einem Monat. „Wir haben ein Schreiben an alle gerichtet und sie informiert, wie die Vormerkung und Priorisierung funktioniert“, erklärt die Geschäftsführerin des Betreuungspools, Waltraud Bilgeri. „Die Betreuerinnen können sich bei uns melden, wenn sie einen Code wollen. Ihn gibt es nur personenbezogen, damit er nicht in falsche Hände gerät.“ 

Zu Beginn sei die Nachfrage groß gewesen. „Sie ging dann aber auf Grund der Impfdebatte zurück“, berichtet Bilgeri von Unsicherheiten. Sie habe 200 bis 250 Codes rausgegeben. „Wie viele tatsächlich geimpft sind weiß ich nicht.“

Das erfahren die VN auf Anfrage bei Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne). Sie erklärt, dass bislang 88 Betreuerinnen einen Code eingelöst haben: „Wir wissen auch, dass sich viele in ihrem Heimatland impfen lassen, zum Beispiel mit Sputnik in Serbien.“ Bilgeri bestätigt das. Ihr ist es wichtig, zu betonen, dass auf die Betreuerinnen kein Druck ausgeübt wird. Es liege in ihrer Eigenverantwortung, ob sie sich impfen lassen oder nicht. Über den Betreuungspool sind aktuell rund 1300 Betreuerinnen in etwa 800 Vorarlberger Haushalten im Einsatz.

Gratis-PCR-Test

Die turnusmäßigen Wechsel funktionieren mittlerweile wieder wie in Zeiten vor der Pandemie, erklärt Bilgeri. „Das hat sich gut eingependelt.“ Die Betreuerinnen gelten als Pendlerinnen, sind von Quarantänepflichten ausgenommen, müssen aber ein aktuelles, negatives Test­ergebnis bei der Einreise vorweisen können. Das Land bietet ihnen außerdem an, vor ihrem Einsatz einen PCR-Test zu machen und in ein Ersatzquartier zu ziehen, bis das Ergebnis da ist. „Die Möglichkeit besteht nach wie vor“, sagt Wiesflecker: „Aufgrund der mittlerweile sehr gut ausgebauten Testinfrastruktur hat die Inanspruchnahme aber nachgelassen.“ Pro Monat nutzten derzeit 20 bis 30 Betreuerinnen das Angebot. Eine regelmäßige Testpflicht gibt es nicht. Die Teststraßen und -stationen stehen aber allen zur Verfügung. „Sie werden von den 24-Stunden-Betreuerinnen und ihren Einsatzfamilien sehr gut genutzt.“ VN-ebi

„Von den 500 Impfcodes für die Betreuerinnen und Betreuer wurden bisher 88 eingelöst.“

24-Stunden-Kräfte

4009 Personen sind als Personenbetreuer bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg angemeldet, 3161 von ihnen haben einen aktiven Gewerbeschein. Die meisten sind aus Rumänien (2250), der Slowakei (900), Ungarn (345) und Serbien (307), gefolgt von Polen (90), Österreich (36), Kroatien (25), Tschechien (25), Deutschland (12), Bulgarien (7), Litauen (6) und der Ukraine (6).