Wintereinbruch schockt Obstbauern

Vorarlberg / 07.04.2021 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wintereinbruch schockt Obstbauern
Prüfender Blick auf die Apfelknospen. Obstbauer Jens Blum aus Höchst ist einmal mehr mit einer Extremsituation konfrontiert. VN/STEURER

Scharfe Fröste an drei aufeinanderfolgenden Nächten lassen schmerzliche Ernteausfälle befürchten.

Höchst, Fraxern Jens Blum, größter Obstbauer im Land, wirkte am Dienstagvormittag einigermaßen ratlos. “Schnee, Frost und noch dazu Wind. Also das alles zusammen habe ich noch nie erlebt. Es macht die Verwendung der Frostberegnungsanlage kaum möglich.” Blum telefonierte mit einem Kollegen im Burgenland, um sich einen Rat zu holen, wie er mit der Situation am besten umgehen soll.

Aus Fraxern, dem Nabel der Vorarlberger Kirschenwelt, ruft “Kriasi”-Landwirt Bertram Nachbauer (58) kurze Zeit nach dem VN-Gespräch noch einmal an. “Du, ich muss dir mitteilen, dass alles doch schlimmer ist, als ich ursprünglich dachte. Ich wurde soeben darüber informiert, dass im unteren Bereich unserer Anbaufläche mehrere Knospen schon offen waren. Da hat der Frost jetzt einiges angerichtet.”

“In den unteren Bereichen der Anbauflächen waren einige Knospen offen. Da hat der Frost einiges angerichtet.

Bertram Nachbauer, Kirschen-Landwirt

Nicht wie 2017

In Höchst ging die Quecksilbersäule in der Nacht von Montag auf Dienstag auf 5,7 Grad minus zurück. Das kam einem Generalangriff auf all jene Knospen gleich, die schon zu treiben begonnen hatten. “Noch sind ja viele Knospen zu, aber man wird sehen, wie sich diese extreme Kälte letztlich ausgewirkt hat”, möchte sich Ulrich Höfert (58), Obstbaureferent der Vorarlberger Landwirtschaftskammer, noch nicht festlegen. Klar ist aber auch für ihn, dass es nicht ganz ohne Schäden abgehen wird. “Eine Woche später nach einer wärmeren Periode hätte so ein Frost für ein Desaster gesorgt”, ist sich Höfert sicher. Noch sei das Kind nicht in den Brunnen gefallen, meint er kryptisch. “Die Situation ist nicht mit jener von 2017 zu vergleichen.”

Maria aus Dornbirn sieht das Schöne an der Rückkehr des Winters im April. Sie fühlt sich im frisch gefallenen Schnee sichtlich wohl. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Maria aus Dornbirn sieht das Schöne an der Rückkehr des Winters im April. Sie fühlt sich im frisch gefallenen Schnee sichtlich wohl. VN/Steurer

Damals kam die große Kälte nach mehreren Tagen Wärme am 19. April und blieb für mehrere Tage. Die in voller Blüte stehenden Obstbäume und auch die Weinreben hatten keine Chance. Es kam zu einem De-facto-Totalausfall der ganzen Ernte.

Noch nicht vorbei

Noch nicht vorbei ist es mit dem Frost freilich auch jetzt. Einer zweiten Frostnacht vom Dienstag auf Mittwoch wird eine weitere von Mittwoch auf Donnerstag folgen. Und auch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag kann es aus heutiger Sicht noch winterlich bleiben. “Danach steigen die Temperaturen. Aber das, was wir jetzt an Frost zu verzeichnen haben, ist schon außergewöhnlich”, sagt Meteorologin Maria Siller von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Innsbruck.

Pflanzen zurück ins Haus

Kaum Sorgen zu machen brauchen sich indes Gartenbesitzer. “Die Pflanzen, die man vom Haus nach draußen gebracht hat, sollte man halt kurzfristig noch einmal ins Haus stellen”, rät Gärtnermeister Reinhard Brunner (53). Der Schnee würde dem Gras wegen der Feuchtigkeit guttun. Und wer den Rasen bei Frühlingstemperaturen bereits gemäht und gedüngt hat, habe das nicht umsonst getan, meint der Experte. Kein Problem mit der Kälte hätten auch die bereits blühenden Narzissen. “Die können höchstens unter der Last des Schnees verunstaltet werden”, sagt Brunner.