Neue Struktur für die Historische Schifffahrt

Vorarlberg / 08.04.2021 • 17:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rückkehr der Hohentwiel nach Hard – Seite an Seite mit dem Schleppschiff Oesterreich – ist symbolisch für die neue Struktur.<span class="copyright">DIETH</span>
Rückkehr der Hohentwiel nach Hard – Seite an Seite mit dem Schleppschiff Oesterreich – ist symbolisch für die neue Struktur.DIETH

Alle Beteiligten jetzt in „Reederei“ für Hohentwiel und MS Oesterreich zusammengefasst.

Hard Termingerecht wurde die alle zehn Jahre verbindlich vorgeschriebene Sicherheitsüberprüfung und die damit verbundene Generalüberholung des Bodenseedampfers Hohentwiel in der Romanshorner Werft abgeschlossen. Die Einwasserung und Überstellung des Schiffes nach Hard nahm der Verein zum Anlass, über die Arbeiten am Schiff und die Neuerungen in der Struktur des Fahrbetriebs zu informieren.

Mehr als 150.000 Euro

Dass die Generalüberholung weit über die jährlichen Arbeiten hinausging, wird schon bei der Investition von mehr als 150.000 Euro deutlich. Vor allem der Unterwasserbereich erforderte beträchtliche Aufwendungen – so mussten zunächst rund drei Tonnen Muscheln, die sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre angesetzt hatten, entfernt werden, ehe die Revisionsarbeiten vorgenommen werden konnten. Schiffsrumpf, Schornstein und Schaufelräder wurden abgeschliffen und neu lackiert. Die Wappen samt Schriftzügen wurden abgenommen und optisch aufbereitet. Dann wurden sie wieder auf dem frisch lackierten purpurroten Hintergrund, einer Farbe, die früher exklusiv dem Königshaus vorbehalten war, montiert. Schließlich wurden alle Decks überarbeitet.

Klare Strukturen für Betrieb

Schwieriger als die Sicherheitsüberprüfung und Auffrischung der Hohentwiel gestaltete sich die Neukonzeption der Unternehmensstruktur für den Betrieb der beiden Schiffe Hohentwiel und Oesterreich. Dabei handelt es sich inzwischen um einen Betrieb mit rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kernteam, in der Hochsaison kommen weitere Aushilfskräfte hinzu.

Wie berichtet, war in diesem Team schon in der Winterpause für den zurückgetretenen Adi Konstatzky mit Benno Gmür interimistisch ein neuer Geschäftsführer bestellt worden, der jetzt offiziell diese Funktion übernimmt und die neustrukturierte „Reederei“ leitet. Historische Schifffahrt Bodensee war bisher nur eine Dachmarke, jetzt ist es eine Gesellschaft, die Synergien optimal nutzt: gemeinsamer Auftritt, gemeinsame Nautik und Gastronomie, gemeinsame Buchhaltung, Verwaltung (Lohnverrechnung) sowie gemeinsames Marketing & Vertrieb.

Nägel mit Köpfen gemacht

Nach mehr als 35 Jahren werden somit Nägel mit Köpfen gemacht.

» Es begann 1984 mit der Gründung des Hohentwielvereins, der sich die originalgetreue Restaurierung des Dampfers zum Ziel setzte.

» Reinhard Kloser organisierte diese Herkules-Aufgabe praktisch in Eigenregie und 1990 war es so weit: Der Dampfer war für die zweite Jungfernfahrt bereit.

» Um den rechtlichen Bestimmungen zu entsprechen, musste eine Schifffahrtsgesellschaft gegründet und ein Heimathafen festgelegt werden. Hohentwielverein und Marktgemeinde Hard gründeten diese Gesellschaft.

» Gleichzeitig wurde vom Verein – zunächst mit der Greber-Gastronomie, seit mehr als zehn Jahren mit Heino Huber – die Bordgastronomie eingerichtet.

» Mit der Indienststellung der Oesterreich wurden ab 2019 bereits gemeinsam Synergien genutzt. Die Oesterreich-Gesellschaft beteiligte sich an der Gastro-Gesellschaft, Büro, Verwaltung und Personal der beiden Schifffahrts-Gesellschaften wurden gemeinsam genutzt.

» Das führte immer wieder zu Doppelgleisigkeiten.

Historische Schiffahrt

Nun werden alle Beteiligten (Gemeinde Hard, Hohentwiel, Oesterreich und SBS) in der Historischen Schifffahrt Bodensee (HSB) zusammengefasst:

» die Museumsschiff Oesterreich GmbH bestehend aus dem Förderverein und diversen Gesellschaftern als Eigentümer der MS Oesterreich.

» das Internationale Bodensee Schifffahrtsmuseum als Eigentümer des Dampfschiffs Hohentwiel

» die Marktgemeinde Hard

» die Schweizerische Bodensee Schifffahrt. Diese wird in die Gesellschaft einbezogen, um über deren Vertriebsstellen auf dem Schweizer Markt aktiver tätig sein zu können.

Als Geschäftsführer fungiert Benno Gmür, dem vier Fachbereiche unterstellt sind: Gastronomie (Leitung Heino Huber), Marketing & Verkauf (Leitung Julia Bösch), Nautik (Leitung Robert Kössler) und Verwaltung (Leitung Christine Konstatzky). STP