Yvonne Gapp, mobile Friseurin und Seelentrösterin

Vorarlberg / 08.04.2021 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Yvonne Gapp mit Kundin Krimhilde. Die beiden verstehen sich bestens. In Zeiten wie diesen wird die Beziehung noch fester. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Yvonne Gapp mit Kundin Krimhilde. Die beiden verstehen sich bestens. In Zeiten wie diesen wird die Beziehung noch fester. VN/Steurer

Die Röthnerin ist in Coronazeiten so gefragt wie noch nie. Sie muss viele Anfragen ablehnen.

Schnifis Krimhild (82) hat allen Grund für gute Laune. Zum einen kriegt die rüstige Schnifnerin bald eine schneidige neue Frisur, zum anderen hat sie viel zu erzählen. Die beiden Gründe für beste Stimmung vereinigen sich in einer überaus sympathischen Person: Yvonne Gapp (48) aus Röthis, mobile Friseurin mit viel Kompetenz für die Kreation schöner Haartrachten und darüber hinaus eine gute Zuhörerin. „Krimhild hat immer so viel Interessantes zu erzählen“, sagt Yvonne. „Sie ist eine hervorragende Friseurin und ein wunderbarer Mensch“, kommt ein dickes Kompliment zurück.

Drei Tests die Woche

Dienstleisterin und Kundin tragen Maske. Darüber hinaus ist Yvonne Gapp frisch getestet. Corona hat auch der nun schon 15 Jahre dauernden Beziehung der beiden Damen ihren Stempel aufgedrückt. „Meine Kunden haben’s besser als ich. Ich muss mich drei Mal die Woche testen lassen, sie überhaupt nicht“, schmunzelt die Friseurin.

Das Testen ist nicht die einzige Erfahrung, die Yvonne wie viele andere Menschen in den vergangenen Monaten gemacht hat. Etwas anderes noch hätte sie fast überrumpelt. „Ich bekam so viele Anfragen wie noch nie zuvor. Ich könnte jetzt doppelt so vielen Personen die Haare machen als zuvor. Aber ich lehnte ab. Ich bin ausgebucht mit meinen Stammkunden. Die meisten von ihnen habe ich schon viele Jahre“, erzählt die Röthnerin.

Zum Loslassen gezwungen

Auch unmoralische Angebote flatterten bei Gapp herein. „In der Zeit des Lockdowns, als körpernahe Dienstleistungen allesamt verboten waren, wurde sie wiederholt angefragt. Es fiel ihr nicht schwer, Nein zu sagen. „So etwas hätte ich mir nie leisten können. Wenn ich da erwischt werde, habe ich mein Gewerbe los. So ein Risiko wäre ich nie eingegangen. Obwohl ich Friseurin mit Leib und Seele bin.“

“Ich bekam im Lockdown viele Anfragen. Aber ich wäre dieses Risiko niemals eingegangen.”

Yvonne Gapp, mobile Friseurin

Genau deswegen seien die langen Wochen der beruflichen Auszeit für sie sehr schlimm gewesen. „Ich bin eine, die ständig etwas tun muss. Deswegen passt mir die mobile Friseurtätigkeit ja auch. Ich bin immer unterwegs. Auf einmal zur Untätigkeit verurteilt zu sein, war für mich eine Strafe.“

Yvonne Gapp liebt ihren Job. Der Lockdown traf sie vor allem deshalb so hart, weil sie zur Untätigkeit verdammt war. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Yvonne Gapp liebt ihren Job. Der Lockdown traf sie vor allem deshalb so hart, weil sie zur Untätigkeit verdammt war. VN/Steurer

Der Lockdown zwang sie, die Unruhige, etwas loszulassen. „Im Nachhinein betrachtet, hat mir das trotzdem nicht schlechtgetan. Ich habe viel Sport betrieben und mich gesund ernährt.”

Freude aufs Wiedersehen

Yvonne Gapp nimmt das Coronaproblem sehr ernst. Viele, die jetzt gerne ihre Dienste in Anspruch nehmen würden, sind Personen, die sich nicht testen lassen. Aber natürlich sind auch solche darunter, welche aus irgendwelchen Umständen keine aktuellen Tests organisieren konnten und dennoch unbedingt einen Haarschnitt wollten. Wie auch immer: Yvonne bleibt sich, ihrer Linie und vor allem ihren langjährigen Kunden treu. Krimhild freut sich jedenfalls jetzt schon, wenn die gesellige Röthnerin wieder zu ihr kommt. Zur Haarpflege und zum Plaudern über Gott und die Welt.