Das Zittern geht für die Obstbauern weiter

Vorarlberg / 09.04.2021 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Zittern geht für die Obstbauern weiter
So sieht es aus, wenn eine Frostberegnunganlage reibungslos arbeitet. Bei Wind kann man diese jedoch nicht in Betrieb nehmen. VN/STIPLOVSEK

Verhängnisvolle Nacht von Montag auf Dienstag brachte Schäden. Kommende Woche wieder Frost angesagt.

Höchst, Lustenau Für einen Obstbauern empfiehlt sich Stressresistenz. Die Unberechenbarkeit der Natur hält die Landwirte auch heuer auf Trab. Derzeit ist es der Frost, der die Betroffenen in Aufregung versetzt. Am vergangenen Montag machte er sich im Land breit, dazu kamen Wind und Schnee. In Kombination sorgten diese Wetterfaktoren für Schäden im Obstbau. Besonders betroffen: Apfelkulturen, die bereits blühten, und auch Kirschbaumanlagen.

Frostgefahr bleibt

“Die letzten beiden Nächte waren nicht so schlimm”, gibt Ulrich Höfert (58), Obstbaureferent der Vorarlberger Landwirtschaftskammer, vorläufige Entwarnung. Allerdings: Für kommende Woche ist erneut eine Frostnacht angekündigt. Eines der Wettermodelle prognostiziert Mitte Woche sogar minus acht Grad in der Region um Schlins. “Wenn das eintrifft, müssten wir mit beträchtlichen Schäden rechnen”, sagt Höfert. Zumal es ab kommenden Freitag wärmer wird und die darauffolgenden Tage einen Wachstums- und Blütenschub in der Natur auslösen. Danach noch einmal ein Kältehammer ist eine Horrorvorstellung. “Noch ist das, was passiert ist, keine Katastrophe”, beurteilt der Experte die Lage.

“Ein Wettermodell kündigt kommende Woche minus acht Grad an. Das wäre wirklich schlimm.”

Ulrich Höfert, Obstbaureferent

Die Schreckensnacht

Von einer Nacht, wie er sie noch nie erlebt hat, spricht Jens Blum (56), größter Apfelproduzent in Vorarlberg, noch heute, wenn er sich das Geschehen von Montag auf Dienstag vergegenwärtigt. “Schnee, Frost und Wind zusammen – daran kann sich auch mein Vater nicht erinnern.” Nicht einmal die Frostberegnung garantierte bei diesen Verhältnissen wirklich Schutz, während er diese in den beiden darauffolgenden Nächten gar nicht mehr brauchte.

Nach der problematischen Nacht von Montag auf Dienstag leckt auch der Lustenauer Obstbauer Werner Alge (50) noch seine Wunden. “An meinen Kirschbäumen musste ich viele schwarze Blüten entdecken. Wie groß der Schaden wirklich ist, muss sich erst noch weisen. Ich hoffe, es wird doch nicht so schlimm.” Das Problem war laut Alge, dass es zuerst regnete, die Bäume nass wurden und es dann gefror.

Ungewöhnlich kalt

Prinzipiell ist Frost im April in Vorarlberg nichts Ungewöhnliches. “Relativ selten ist hingegen, dass es in einem April gleich an mehreren Tagen deutlich unter null Grad hat, wie wir es derzeit erleben”, weiß Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.