Die Familie stand im Mittelpunkt

Vorarlberg / 09.04.2021 • 16:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ernst Kögl war als „Bürgermeister“ von Rickenbach bekannt.
Ernst Kögl war als „Bürgermeister“ von Rickenbach bekannt.

Ernst Kögl (87), Ehrenringträger der Gemeinde Wolfurt, ist verstorben.

WOLFURT Nach einem erfüllten, schaffensreichen Leben ist Ernst Johann Kögl (Jahrgang 1933) friedlich eingeschlafen. Der Verstorbene setzte sich durch viele Jahre in verschiedensten Funktionen trotz seiner schweren Behinderung vorbildhaft für die Gemeinde Wolfurt ein. Für seine großen Verdienste wurde er mit dem Ehrenring der Marktgemeinde Wolfurt ausgezeichnet. Der Mittelpunkt seines Lebens waren für ihn seine Frau und seine Töchter, die bei allen seinen Unternehmungen mit dabei waren.

Anlässlich seines Todes führte der Wolfurter Bürgermeister Christian Natter aus: „Mit Ernst Kögl, von vielen liebevoll als ,Rickenbacher Bürgermeister‘ bezeichnet, verliert die Marktgemeinde eine besondere Persönlichkeit, der wir zu großem Dank verpflichtet sind, den ich namens der ganzen Ortsbevölkerung zum Ausdruck bringen darf. Wir werden den Verstorbenen als vorbildlichen Menschen in ehrender Erinnerung behalten.“ Ernst Kögl wurde am 20. Juli 1933 in Bregenz geboren. Er besuchte die Volksschulen in Wolfurt und durch eine TBC-Erkrankung bedingt im Kinderspital Scheidegg/Allgäu. Anschließend begann er eine Lehre als Zimmermann, musste diese jedoch wegen einer neuerlichen TBC-Erkrankung abbrechen. Nach seiner Genesung arbeitete er in einer Klöpplerei, setzte jedoch 1952 seine Zimmermannslehre fort. Am 24. Februar 1954 erlitt er einen schrecklichen Arbeitsunfall, bei dem er in eine Transmissionsachse geriet. Durch die Vielzahl seiner schweren Verletzungen wurde an seinem Überleben stark gezweifelt. Seine Rettung verdankte er Primarius Dr. Böckle vom Unfallkrankenhaus in Bregenz. Während des Krankenhausaufenthaltes eignete er sich sein kaufmännisches Wissen an und 1956 erhielt er wegen seiner 90-prozentigen Invalidität vom österreichischen Tabakmonopol die Tabakverschleißlizenz und führte von da an bis zu seiner Pensionierung 1988 den Kiosk in Wolfurt. Im Jahre 1958 heiratete er die Buchhalterin Hedwig Grabher, die bis 2018 an seiner Seite stand. Der Ehe entsprangen sechs Töchter und in der Folge 13 Enkel und fünf Urenkel.

Von 1970 bis 1985 gestaltete Ernst Kögl als Gemeindemandatar und dann bis 1996 als Ersatzmitglied die Gemeinde Wolfurt mit. Ihm war vor allem die Dorfgemeinschaft ein großes Anliegen. Als Obmann und erster Geschäftsführer des Verkehrsvereins Wolfurt war er Gründungsmitglied und mehr als 30 Jahre hauptverantwortlich für die erfolgreichste Zeit dieses Vereins. In den sechziger und siebziger Jahren vermittelte er, auch mit Unterstützung seiner Frau, Hunderte von Privatzimmern an Touristen. Sein Kiosk war zu dieser Zeit auch Tourismusbüro. Der Verein organisierte u. a. den ersten Höhenweg, beschilderte den längsten Radweg und errichtete Spielplätze in Rickenbach und an der Ach. Dafür erhielt Ernst Kögl das Silberne Ehrenzeichen des Vorarlberger Landesverbands für Tourismus.

Daneben übernahm Ernst Kögl 1972 die Verwaltung der Kapelle Rickenbach und setzte wichtige Aktivitäten. Die Kapelle wurde damals komplett saniert. Im Jahre 1975 wurde bei der Kapelle ein neuer Spielplatz eröffnet. Zahlreiche Familienfeste wurden organisiert, der Erlös wurde jeweils zur Erhaltung der Kapelle verwendet. Seit 1965 war Ernst Kögl auch Mitglied der Rickenbacher Funkenzunft. Ab 1976 war er Funkenkanzler und später auch Obmann. Seine Reden am Funkensonntag sind legendär und er hat damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des Brauchtums und der Tradition des Funkenabbrennens beigetragen.

Sein Talent, andere zu begeistern, stärkte die Vereine und veranlasste viele, aktiv mitzugestalten und anzupacken. Zudem war er ein leidenschaftlicher und begabter Maler, Schnitzer und Dichter.

Ernst Kögl war als „Bürgermeister“ von Rickenbach bekannt.
Ernst Kögl war als „Bürgermeister“ von Rickenbach bekannt.

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