Eine Bahn für das Überleben im Dorf

Vorarlberg / 09.04.2021 • 15:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vor exakt 50 Jahren wurde die Einhornbahn I in Bürserberg erbaut.<span class="copyright">VN/JS</span>
Vor exakt 50 Jahren wurde die Einhornbahn I in Bürserberg erbaut.VN/JS

In Bürserberg werden Pläne für neue Einhornbahn gewälzt. Bergbahnchef Domig tritt aber auf die Euphoriebremse.

Bürserberg Wird die Einhornbahn in Bürserberg erneuert oder nicht? In ihrem 50. Bestandsjahr mehren sich die Spekulationen um eine Erneuerung der im Jahr 1971 erbauten Bahn. Aktuell ist in Seilbahnerkreisen von einer neuen Verordnung betreffend die Generalrevision von öffentlichen Seilbahnen ab einer gewissen Betriebsdauer die Rede. Dem Vernehmen nach soll diese Novelle noch heuer in Kraft treten und Bahnen über 40 Jahren tangieren. Unmittelbar davon betroffen wäre somit auch die Einhornbahn I. Wie es mit der Bahn, die von Bürserberg hinauf auf die Tschengla führt, weitergeht, wird in der Gemeinde bereits seit Jahren heftig diskutiert.

„Über die Finanzierung haben wir uns noch keine Gedanken gemacht.“

David Domig, GF Bergbahnen Brandnertal

Varianten werden geprüft

„Nach der hinter uns liegenden Wintersaison kämpfen wir momentan darum, liquid in den nächsten Winter zu kommen“, will der Geschäftsführer der Bergbahnen Brandnertal, David Domig, derzeit nichts von Neubauplänen wissen. „Natürlich wäre es schön, wenn in ein paar Jahren ein umsetzungsfähiges Projekt auf dem Tisch liegen würde“, so Domig. Derzeit sei man damit beschäftigt zu analysieren, welche Varianten denkbar sind. „Eine finale Richtung gibt es aber nicht“, stellt Domig unmissverständlich klar. Fakt sei aber auch, dass gerade im Sommerbetrieb in Bürserberg ein deutliches Plus zu verzeichnen sei. „Der Bedarf ist groß. Wir stoßen hier an die Grenzen“, sagt der Bergbahnchef.

Diskussionen laufen

Die Talstation wirkt komplett verwaist.
Die Talstation wirkt komplett verwaist.

Die Gemeinde Bürserberg hätte jedenfalls großes Interesse am Neubau der Bahn, da diese „wichtig für das Überleben im Dorf ist“, wie der Bürserberger Bürgermeister Fridolin Plaickner gegenüber den VN angibt. Der Gemeindechef bestätigt, dass ein solches Projekt in der Gemeinde derzeit diskutiert wird. „Das Projekt steht aber noch ganz am Anfang“, beteuert der Gemeindechef.

„Die gesamte Infrastruktur im Ort hängt von den Bergbahnen ab.“

Fridolin Plaickner, Bürgermeister

Aufgrund eines Investitionsförderprogramms des Bundes, das Projekten mit einer Auftragssumme von über 20 Millionen Euro eine Förderung von sieben Prozent zusichert, gab es jüngst Überlegungen, ein Ansuchen für die Coronaförderung zu stellen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass eine Umsetzung bereits bis Ende 2023 hätte erfolgen müssen. „Das war uns schließlich aber zu kurzfristig, daher wurde diese Idee wieder verworfen“, so Plaickner. Auch beim Land wurde das Gemeindeoberhaupt bezüglich des Bahnprojekts bereits vorstellig. Eine mögliche Mitfinanzierung sei jedoch nur gemeinsam mit zusätzlichen 500 Gästebetten vorstellbar, teilte der Gemeindechef im Rahmen der Gemeindevertretersitzung mit. Diese wären laut Plaickner auf der Tschengla vorgesehen.

Die Sessel sind nicht mehr zeitgemäß.
Die Sessel sind nicht mehr zeitgemäß.

Finanzierung unklar

Bis zur Realisierung des Millionen-Projekts gibt es somit noch einiges abzuklären. Dazu zählt neben der Bahn, Hotelprojekten und einem möglichem Parkhaus bei der Talstation nicht zuletzt auch die Finanzierung. „Fest steht, dass die Bergbahnen alleine ein Projekt in dieser Größenordnung nicht stemmen können. Hier sind wir sicherlich von Investoren abhängig“, sagt Plaickner, während Domig klarstellt: „Über die Finanzierung haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. So weit sind wir schlicht und ergreifend noch nicht.“ Der Wunsch der Gemeinde wäre jedenfalls eine durchgängige Bahn von der Gemeinde hinauf zum Loischkopf, um für die künftigen Herausforderungen gerüstet zu sein. VN-JS