Gericht: Unbekannten attackiert und niedergestochen

Vorarlberg / 09.04.2021 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gericht: Unbekannten attackiert und niedergestochen
Der stämmige Angeklagte konnte auch vor Gericht kein konkretes Motiv für seine Messerattacke angeben. VN/GS

30-jähriger Gewalttäter muss in eine Anstalt für psychisch kranke Kriminelle.

Feldkirch „Es war eine Tat, die angsteinflößend ist“, sagt Staatsanwalt Manfred Bolter bei der Verhandlung gegen den 30-jährigen Angeklagten am Landesgericht Feldkirch.

Am 15. November des Vorjahres fiel der Oberländer bereits im Zug von Hohenems nach Feldkirch durch sein wirres Geschrei auf. Anschließend wanderte er allein auf einem Fußweg in Richtung Frastanz. Auf demselben Wege befand sich ein weiterer einsamer Passant. Für ihn, einen ahnungslosen 34-Jährigen, sollte der Spaziergang in der Dunkelheit zum Horrortrip werden.

Eine unheilvolle Begegnung

Der Angeklagte selbst schildert beim Prozess die Begegnung: „Ich war aggressiv auf diesen Passanten. Ich stieß ihn, spuckte ihn an, griff zu meinem Taschenmesser und stieß zu. Dabei dachte ich mir nichts Großartiges.“ Später gab der 30-Jährige an, sich von dem Spaziergänger bedroht gefühlt zu haben. Das Opfer, das den Angreifer weder kannte noch ein Motiv für dessen Attacke ergründen kann, erlitt einen Bauchstich mit Austritt des Dünndarms. Dem 34-Jährigen gelang es damals noch, zu flüchten und die Polizei zu verständigen. Er musste operiert werden.

Paranoide Schizophrenie

Vor Gericht blicken die Augen des Beschuldigten ins Leere. Seine Stimme klingt leise und schwermütig. Noch immer ist von ihm kein erklärbares Motiv für die damalige Tat zu hören.

Gerichtspsychiater Reinhard Haller ist am Wort. Für ihn ist der Angeklagte kein Unbekannter. Denn der hatte sich bereits in der Vergangenheit wegen Gewalttätigkeiten in längerer stationärer psychiatrischer Behandlung befunden. Doch nach seiner Entlassung kam der Rattenschwanz. „Er brach mit der Medikamenteneinnahme ab und griff wieder zu Drogen und Alkohol. Dadurch flackerte seine psychische Krankheit wieder auf“, sagt Haller, spricht von einer paranoiden Schizophrenie des Angeklagten und von einer düsteren Zukunftsprognose: „Bei ihm sind alle Voraussetzungen für eine Einweisung gegeben.“

Mit Einweisung meint Haller die Unterbringung des 30-Jährigen in einer Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Gleichzeitig empfiehlt der Experte, die stationäre Behandlung in Vorarlberg durchzuführen. „Das entscheidet allerdings das Justizministerium“, ergänzt der Experte.

Verteidiger und Verfahrenshelfer Rechtsanwalt Johannes Michaeler schlägt in dieselbe Kerbe und plädiert für eine Einweisung im Land, also ins Landeskrankenhaus Rankweil. Doch selbst er muss eingestehen: „Diese Tat ist unheimlich. Es hätte jeden von uns treffen können.“ Richterin Kathrin Brückl spricht das Urteil des Schöffensenats: Einweisung des Angeklagten in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. „Rechtsmittelverzicht“ heißt es daraufhin seitens des Staatsanwalts wie des Verteidigers.