“Ich bin hier, weil ich Leben retten möchte”

Vorarlberg / 11.04.2021 • 18:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lucias Familie zeigte sich von der Solidarität überwältigt.

Lucias Familie zeigte sich von der Solidarität überwältigt.

Viele kamen nach Gaißau, um sich für Lucia typisieren zu lassen.

Gaissau Schon um 10 Uhr morgens herrscht in der Rheinblickhalle in Gaißau reger Andrang. Sie alle sind gekommen, um Lucia zu helfen. Kurz vor ihrem 40. Geburtstag im Dezember 2020 erhielt die junge Mutter die Diagnose Sézary-Syndrom – eine seltene und aggressive Form von Lymphdrüsenkrebs. Da in der Familie niemand als Spender in Frage kommt, ist Lucia auf einen Fremdspender angewiesen. Dasselbe Schicksal teilt auch ein Mann aus Lustenau. Um mögliche Lebensretter zu finden, lud der Verein „Geben für Leben“ am Sonntag zur Typisierungsaktion.

Sarah Kapp aus Bregenz war eine von insgesamt 103 Typisierungswilligen, die in der Rheinblickhalle eine Speichelprobe abgegeben hat. „Ich bin hier, weil ich Leben retten möchte. Für mich gibt es keinen Grund, sich nicht typisieren zu lassen“, betont die 22-Jährige. Die Typisierung selbst ist im Handumdrehen erledigt. Nach der Händedesinfektion und der coronakonformen Selbst-Registrierung am Laptop, geht es mit dem neuen Spenderausweis zum Wangenabstrich. Karin Riem, eine der ehrenamtlichen Helferinnen empfängt die junge Frau und erklärt, wie der Wangenabstrich funktioniert. „Es dauert nur wenige Minuten, schon ist man typisiert“, sagt Riem, während Sarah das Wattestäbchen in ihrem Mund auf und ab bewegt und zurück in einen Umschlag legt.

Auch die Familie von Lucia war gekommen, um dem Verein und den Typisierungswilligen ihre Dankbarkeit auszudrücken. Für Schwägerin Sabine, die im sechsten Monat schwanger ist, ist es ein auf und ab der Gefühle. Auch wenn sie selbst in freudiger Erwartung ist, umtreibt die werdende Mutter die ständige Sorge um Lucia. „Es ist ein sehr emotionaler Tag für uns alle. Wir alle wünschen uns nichts mehr, als zurück zur Normalität zu kehren“, sagt die 35-Jährige, die die Typisierungsaktion mit eingefädelt hat.

Angst und Zuversicht

Mama Christine kämpft mit den Tränen. „Wir haben große Angst, bleiben aber zuversichtlich.“ Als überwältigend beschreibt die besorgte Mutter die große Solidarität, die die Familie in diesen Tagen erfährt. „Ich wünsche mir, dass wir für meine Tochter einen Spender finden. Ich freue mich aber auch, wenn wir durch die Aktion anderen Menschen helfen könnten.“ Auch Lucias Ehemann Luciano ist voller Hoffnung. „Wenn ein passender Spender dabei wäre, würde mein größter Wunsch in Erfüllung gehen.“

Es war die erste Typisierungsaktion in diesem Jahr, die der Verein „Geben für Leben“ durchgeführt hat. Susanne Marosch, Vereins-Obfrau und Russpreisträgerin, spricht von einem „Wettlauf gegen die Zeit“. Die Chance, dass ein Patient einen passenden Spender außerhalb der Familie findet, liegt bei eins zu 500.000. Aber: Jeder 600. Typisierte wird zum Stammzellenspender. „Wir sind also voller Hoffnung“, sagt Marosch.

Wer Stammzellenspender werden möchte, kann sich auch online (www.gebenfuerleben.at) registieren lassen. 2020 verzeichnete der Verein „Geben für Leben“ mit 32.000 Typisierungen einen Rekord. Die Aktionen sollen auch heuer weiter hochgefahren werden, um möglichst viele potenzielle Lebensretter finden zu können – für Lucia und viele andere krebskranke Menschen auf der ganzen Welt. VN-TAS

„Jede einzelne Typisierung zählt. Es war eine tolle Aktion, die uns alle sehr berührt hat.“

Helferin Karin Riem hatte alle Hände voll zu tun.
Helferin Karin Riem hatte alle Hände voll zu tun.
Auch Sarah Kapp aus Bregenz (vorne) wurde zur potenziellen Lebensretterin. VN/Stiplovsek
Auch Sarah Kapp aus Bregenz (vorne) wurde zur potenziellen Lebensretterin. VN/Stiplovsek