Im Einsatz für wilde Findelkinder

Vorarlberg / 11.04.2021 • 18:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch ein verwaistes Marderbaby wird bei der Wildtierhilfe gesundgepflegt.
Auch ein verwaistes Marderbaby wird bei der Wildtierhilfe gesundgepflegt.

Während der Brut- und Setzzeit herrscht bei der Wildtierhilfe Vorarlberg Hochbetrieb.

Göfis Bei Katharina Feurstein (32) aus Göfis klingelt das Telefon fast ununterbrochen. „Viele Menschen suchen bei uns Rat, weil sie verletzte oder verwaiste Jungtiere aufgefunden haben“, erzählt die Wildtierhilfe-Obfrau. Dutzende Tiere – vom Marder bis zur Fledermaus – werden in der Obhut der ausgebildeten Tierpflegerin und den fünf ehrenamtlichen Helfern mit viel Hingabe aufgepäppelt und im besten Fall wieder ausgewildert. Denise Helth (24) arbeitet seit vier Jahren für den Verein und betreut derzeit sechs Eichhörnchen. „Heuer sind bereits zehn Eichhörnchen in meiner Pflegestelle gelandet. Einem konnten wir leider nicht mehr helfen“, berichtet die Tierfreundin. Oftmals stürzen junge Eichhörnchen bei ihren ersten Kletterversuchen ab. Glück im Unglück hatte ein Eichhörnchen, das bei einem Sturz von einem hohen Gebäude eine Gehirnerschütterung erlitten hat. „Es wurde von einem aufmerksamen älteren Ehepaar gefunden. Nach viel Ruhe, Vitamin-B-Zuführung und Infusionen ist es nun auf dem Weg der Besserung und soll bald ausgewildert werden“, erzählt Helth. Für Katharina Feurstein ist es eher untypisch, dass derzeit vor allem Eichhörnchen zu den tierischen Sorgenkindern zählen. „Normalerweise sind es die Feldhasen, die den Start der Saison bilden.“ Warum das heuer anders ist, ist auch den erfahrenen Tierexperten ein Rätsel.

Mehr als die Hälfte aller Pfleglinge, die bei der Wildtierhilfe landen, sind Vögel, darunter Greif- und Singvögel. Auch in Not geratene Fledermäuse finden bei der Wildtierhilfe ein vorübergehendes Zuhause. Gesund gepflegt werden die Säugetiere bei Katharina Feurstein, die eine von zwei Fledermausstellen im Land betreibt. „Die Fledermäuse sind gerade aus dem Winterschlaf ausgewacht. Nach dem Flugtraining, das zu mehr Ausdauer führen soll, sind sie bereit für die Auswilderung.“

Nicht immer ist Hilfe notwendig

Das sechsköpfiges Team steckt jede freie Minute in ihre Schützlinge. Viel Zeit nimmt die telefonische Beratung in Anspruch, denn nicht immer sind vermeintlich verwaiste Jungtiere auf die Hilfe von Menschen angewiesen. Die Wildtierhilfe-Obfrau setzt daher auf Aufklärungsarbeit. „Gerade bei Feldhasen und Rehkitzen ist es ganz normal, dass sie von der Mutter in hohen Wiesen abgelegt werden und nur selten zu den Jungtieren zurückkehrt.“ Bei jedem aufgefunden Tier rät Feurstein vorher telefonisch abzuklären, ob wirklich Hilfe notwendig ist. „Oft werden gesunde Tiere eingesammelt. Durch unseren Telefondienst können wir den Großteil der Aufnahmen abfangen.“ Jeder könne, so Feurstein, seinen eigenen Beitrag für die Wildtiere leisten. „Es hilft schon, wenn man kein Gift im Garten verwendet und auch mal eine wilde Ecke für die Insekten stehen lässt. Wenn wir die Artenvielfalt gewährleisten, haben wir schon viele Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“

„Oft werden gesunde Tiere eingesammelt. Daher rate ich zur telefonischen Abklärung.“

Denise Helth aus Götzis betreut derzeit sechs Eichhörnchen. VN/Paulitsch
Denise Helth aus Götzis betreut derzeit sechs Eichhörnchen. VN/Paulitsch