Senior legte sich mit der Polizei an

Vorarlberg / 11.04.2021 • 22:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 79-jährige Angeklagte ist als Berater tätig. Weil er bei einem Coaching in Füssen ausfällig wurde, musste er sich vor Gericht verantworten.  EC
Der 79-jährige Angeklagte ist als Berater tätig. Weil er bei einem Coaching in Füssen ausfällig wurde, musste er sich vor Gericht verantworten.  EC

Betrunken Rezeptionistin angepöbelt, Amtshandlung behindert: 400 Euro Strafe.

Feldkirch Wie bei jedem Prozess stellt sich der Richter zunächst einmal vor. „Ich freue mich, Sie kennenzulernen“, entgegnet der 79-Jährige und sorgt damit für etwas Verwunderung. Dass die Dame links die Staatsanwältin ist, wisse er, sagt der Senior. Das erkenne man bereits an dem roten Samtbesatz. Außerdem sei sein Vater Rechtsanwalt gewesen, da habe er auch einiges mitbekommen. Danach werden die Einkommensverhältnisse geklärt.

In der Pension macht der eloquente Herr offenbar noch Beratungsgespräche, 1000 Euro verdient er damit eigenen Angaben zufolge monatlich dazu. Als er im Sommer vergangenen Jahres in Füssen (Bayern) in einem Hotel einen ganzen Tag lang ein solches Coaching durchführte, muss auch reichlich Alkohol geflossen sein. Jedenfalls war der Lehrmeister am späten Nachmittag in gereizter Stimmung und pöbelte die Rezeptionistin des Hotels an.

Kaum Erinnerung

„Es muss da eine Beleidigung gegeben haben, irgendeinen Anlass“, vermutet der Mann und räumt ein, dass er ziemlich betrunken war. Die Hotelangestellte sagt aus, dass sie von ihm mit „Du dumme Sau!“ beschimpft wurde. Ein anderer Mann eilte ihr zu Hilfe und auch er wurde unflätig beschimpft, woraufhin die Polizei verständigt wurde. Den Beamten gegenüber zeigte sich der 79-Jährige ebenfalls höchst unwirsch und weigerte sich, der Amtshandlung Folge zu leisten. Das brachte ihm nun einen Strafantrag wegen versuchten Widerstandes gegen die Staatsgewalt ein. „Sie waren 79 Jahre ein unbescholtener, tadelloser Bürger, jetzt so etwas – von jugendlichem Leichtsinn kann man bei Ihnen nicht mehr reden“, hakt Richter Richard Gschwenter nochmals nach. „Ich bedaure dies ja auch sehr“, antwortet der Unterländer. Das Angebot der Staatsanwaltschaft, das Verfahren mit 530 Euro Buße einzustellen, nahm der Rentner nicht an. „Der Betrag muss im Rahmen der Vermögensverhältnisse liegen“, meint er.

400 Euro Buße

Mit 400 Euro ist der Unterländer einverstanden. „Damit bin ich zufrieden“, sagt er. „Es war mir ein Vergnügen“, bedankt er sich abschließend für die höfliche und respektvolle Art, wie mit ihm bei Gericht umgegangen worden sei. Dann verlässt er gemächlich den Saal. Bezahlt er pünktlich die 400 Euro, ist die Sache vom Tisch und er bleibt weiterhin unbescholten. Den Rat, künftig bei Beratungsgesprächen weniger Alkohol zu trinken, erwidert der Senior mit den Worten: „Mit Corona hat sich das ohnedies erledigt, es gibt nur noch Online- und Telefoncoaching.“ EC