Deutlich weniger Sterbefälle

Vorarlberg / 12.04.2021 • 18:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Im ersten Quartal hat sich der Ausfall der gewöhnlichen Grippe bemerkbar gemacht.

SCHWARZACH In der letzten vollen Märzwoche hat es in Vorarlberg 44 Sterbefälle gegeben. Das waren so wenige wie schon sehr lange nicht mehr. Damit hat sich ein Trend verfestigt: Alles in allem starben in den ersten zwölf Kalenderwochen, die ziemlich genau dem ersten Quartal dieses Jahres entsprechen, 723 Menschen. Das waren um achteinhalb Prozent weniger als im Durchschnitt der Vergleichszeiträume 2015 bis 2019 (790), wie der Statistik Austria-Datenbank zu entnehmen ist. Mitten in der Pandemie mag die erfreuliche Entwicklung überraschen. Mit ihr gehen aber sehr unterschiedliche Effekte einher, wie Experten im Gespräch mit den VN bestätigen.

Zunächst einmal wurden Ende des vergangenen Jahres außerordentlich viele Todesfälle verzeichnet. Allein von Ende Oktober bis Ende Dezember handelte es sich in einem Zeitraum von zehn Wochen um 793. Das waren um 58 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt. Marc Luy, Leiter der Forschungsgruppe für Gesundheit und Langlebigkeit an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, spricht von einer Übersterblichkeit. Zurückzuführen war sie auf Corona: Jeder vierte Sterbefall dieser zehn Wochen wird von der staatlichen Gesundheitsagentur AGES damit in Verbindung gebracht. „Ein beträchtlicher Anteil der Personen hatte Vorerkrankungen“, so Luy. Immer wieder würden auf Zeiten mit sehr vielen Sterbefällen, Phasen mit weniger Sterbefällen folgen. Wobei das im vorliegenden Fall vor allem auch damit zu tun hat, dass die gewöhnliche Grippe heuer de facto ausgefallen ist. Sie kostet bisweilen sehr vielen Menschen das Leben; und zwar meist im Jänner und im Februar. Zuletzt haben jedoch Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona auch gegen die Grippe gewirkt, wie Luy bestätigt: „Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht und Hygieneregeln haben auch der Grippe weniger Raum gegeben, sich auszubreiten.“

Die Zahl der Corona-Sterbefälle im Land ist ebenfalls deutlich zurückgegangen. In der Woche vor dem Palmsonntag wies die AGES für Vorarlberg erstmals seit einem halben Jahr keinen mehr aus. Davor waren es seit Jänner ein, zwei bis sieben pro Woche. Ende November, Anfang Dezember 2020 hatte es sich um bis zu 35 gehandelt.

„Die AGES zählt eine Person als Covid-19-Sterbefall, wenn sie nach einem positiven Corona-Testergebnis verstorben ist, ohne zuvor wieder als genesen zu gelten. Außer es liegt eine eindeutig andere Todesursache vor, wie zum Beispiel ein Unfall“, erläutert Luys Kollege Markus Sauerberg. Deswegen sei es sinnvoll, sich immer auch die Gesamtzahl der Sterbefälle anzuschauen. In Ländern wie Mexiko sei die Übersterblichkeit höher als es die gemeldeten Covid-19-Sterbefälle vermuten lassen würden; das hänge möglicherweise mit einer unzureichenden Teststrategie zusammen. In Österreich und Vorarlberg könne die Übersterblichkeit Ende 2020 hingegen „ziemlich gut“ mit Corona erklärt werden. JOH

„Ein beträchtlicher Anteil der Personen hatte Vorerkrankungen.“