Sebastian Berloffa starb auf der Straße

Vorarlberg / 12.04.2021 • 18:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Melitta Berloffa musste den Tod ihres jüngsten Sohnes verkraften. Sebi wurde nur 21 Jahre alt.  kuster
Melitta Berloffa musste den Tod ihres jüngsten Sohnes verkraften. Sebi wurde nur 21 Jahre alt. kuster

Sebi waren nicht viele Lebensjahre beschieden. Dennoch hinterließ er Spuren und zahlreiche Menschen, die ihn von Herzen mochten.

Feldkirch Kurz vor seinem Tod aß Sebastian Berloffa mit seinen Eltern Melitta und Gerhard noch zu Abend. Seine Mutter erinnert sich noch genau an das letzte Gespräch mit ihrem jüngsten Sohn, der sich an diesem Abend verabredet hatte. „Sebi sagte zu mir: ,Mama, ich mag eigentlich gar nicht gehen. Aber mein Freund wartet schon draußen vor der Tür. Tschüs, ich komme nicht spät heim.‘“ Eine Stunde später war ihr 21-jähriger Sohn tot. Der Wagen war in Übersaxen in einer Kurve ausgeschert und in einen Baum geprallt. Sebastian war auf der Stelle tot: Genickbruch.

„Sebi kam, sah und siegte“

Als der Pfarrer und die Polizisten spätabends die schreckliche Nachricht überbrachten, war es Melitta, als ob ein Schwert auf sie herabfiele. „Man will es nicht wahrhaben und denkt: ,Es kann einfach nicht sein.‘“ Sebastian war glücklich, als er aus dem Haus und aus dem Leben ging. Das tröstet seine 63-jährige Mutter. Der Frohsinn ihres Sohnes hat Melitta immer zutiefst beeindruckt. „Wenn er zur Tür hereinkam, ging die Sonne auf. Egal, wo er hinkam, er konnte es mit allen. Sebi kam, sah und siegte.“ Nicht nur am Tag seiner Beerdigung, auch als sein Tod sich heuer am 24. März jährte, war sein Grab ein einziges Lichter- und Blumenmeer. Sebastian, Sebi, bleibt unvergessen. Obwohl ihm nicht viele Lebensjahre beschieden waren, hinterließ er Spuren und zahlreiche Menschen, die ihn von Herzen gern hatten. Der Gleisbautechniker stand mit vielen Menschen in Beziehung, weil er in seiner Freizeit Fußball (beim TSV Altenstadt) und Eishockey (bei den Rhynos) spielte und außerdem leidenschaftlicher Kinder-Fußballtrainer war. „Sebi war gerne für andere da und hat vielen geholfen.“ Selbst nach seinem Tod half er. Am Tag der Beerdigung erschien er seiner tieftrauernden Mutter. „Sebi stand an der Terrassentür. Er sagte zu mir: ,Mama, es geht mir gut. Mach‘ dir keine Gedanken.‘“ Melitta musste lernen loszulassen, loszulassen von einem Menschen, der ihr alles war. Ein Jahr lang war sie unfähig, etwas zu tun. „Ich hatte keine Kraft, lag auf der Couch, fühlte mich leer und weinte.“ Aber die Zeit ist eine Heilerin. „Man lernt mit dem Unbegreiflichen umzugehen und es mit der Zeit zu akzeptieren.“ Über die Wunde, die sein Tod in ihre Seele geschlagen hat, ist noch keine Narbe gewachsen, aber eine dünne Hautschicht bedeckt sie mittlerweile. „Die reißt noch leicht.“ Jedes Mal, wenn das passiert, fühlt sie schmerzhaft, „dass ein Teil von mir fehlt“. In diesen Augenblicken ist sie mit Gott auf Kriegsfuß. „Ich verstehe nicht, dass er einen so guten Jungen sterben ließ und andererseits alte Menschen nicht sterben lässt, die gehen wollen.“

„Das Leben ist schön“

Zuletzt haben sich aber in Melittas Leben die unbeschwerten Momente gehäuft. „Das Leben ist schön, aber anders“, sagt sie und greift zu einem Foto, das ihren Sohn im Fußballtrikot zeigt. Ihr Kind wurde abberufen. Aber sie glaubt, dass sie es wiedersehen wird. „Sebi wird bei meinem Tod da sein und mich ins Licht holen.“ VN-kum

„Wenn Sebi zur Tür hereinkam, ging die Sonne auf. Egal, wo er hinkam, er konnte es mit allen.“