Zukunftsmusik

Vorarlberg / 13.04.2021 • 18:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Zukunftsmusik

So ein Rad gibt es wirklich: Wenn es unsachgemäß bewegt wird, schickt es Dir eine Nachricht aufs Smartphone. Und wenn Du einmal zu lange die Gärten betrachtest, durch die Dich der Weg führt, vibriert es am ganzen Rahmen. Zur Sicherheit. So, wie es auch blinken kann und die verbrauchten Kalorien anzeigt und die eingespeicherte Notfallnummer kontaktiert, wenn der Fahrer nach einem Sturz seine Unversehrtheit nicht bestätigt. Dass dieses Fahrrad auch rollt, wenn man es durch Treten fortbewegt, steht nicht auf der Website. Aber wir können davon ausgehen.

Überhaupt erzählt der digitale Werbeprospekt eine Menge anderer Dinge, abseits vom Rad. Er wirft einen Blick auf die Stadt als „das Labor von morgen“, porträtiert Fahrradfahrer der Zukunft und spricht Menschen an, die das Fahrradfahren erst in der Corona-Pandemie für sich entdeckten. Früher hätten die Werber technische Details ins Rampenlicht gerückt, heute erklären sie den Kauf zum gesellschaftspolitischen Statement. Man kauft kein Rad, man tritt einer Gesinnungsgemeinschaft bei.

Und er kann es nur mehr einen Wimpernschlag entfernt sein, der nächste Schritt zum ultimativen Rad der Zukunft, das seinem Fahrer im Dahingleiten Ratschläge erteilt und ihn mit sanfter Stimme und kleinen Stromschlägen ermahnt, sobald er zum Überholen ansetzt. Solch ein Rad würde dem zu Sturz Gekommen die Zeit bis zum Eintreffen der Rettung vermutlich mit Sätzen Voltaires verkürzen, wie zum Beispiel: „Alle Menschen sind klug. Die einen vorher, die anderen nachher.“