Freiraum für kulturelle Vielfalt

Vorarlberg / 14.04.2021 • 15:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alexandra Wucher ist um das Kulturgut Ruine Blumenegg bemüht.<span class="copyright">BI</span>
Alexandra Wucher ist um das Kulturgut Ruine Blumenegg bemüht.BI

Alexandra Wucher setzt sich für Erhalt der Burgruine Blumenegg ein.

LUDESCH „Es ist eine feine, kleine Kulturoase, die Alexandra Wucher mit viel Gespür in der Burgruine Blumenegg geschaffen hat“, zeigt sich Dietmar Nigsch, Leiter des renommierten Kulturfestivals Walserherbst, begeistert. Der Verein Burgfreunde Blumenegg wurde vor 14 Jahren gegründet. Alexandra Wucher war damals die Initiatorin: „Mein Vater war Baumeister und sehr geschichtsinteressiert. Er hatte die Burgruine 1977 gekauft. Es war lange Zeit unklar, was mit den historischen Gebäuderesten geschehen solle, unter anderem hatte er ein Handwerksmuseum geplant. Durch seinen frühen Tod wurde leider keines seiner Projekte verwirklicht.“ In weiterer Folge erwarb der frühere Besitzer, der Schlossbauer Christian Konzett, die Burgruine wieder zurück, längere Zeit geschah nichts mit der Ruine.

Bauhistorisches Kulturgut erhalten

„Ich hatte immer schon großes Interesse an historischen Gegebenheiten, die Faszination für Geschichte wurde durch meinen Vater geweckt. Wenn man etwas besitzt, dann trägt man auch die Verantwortung dafür. Mir war wichtig, dass mit der Burg­ruine etwas geschieht und diese sinnvoll genützt wird“, erinnert sich die idealistische Ludescherin. Mit der Vereinsgründung wurde ein ambitioniertes Ziel verfolgt: Das bauhistorische Kulturgut sollte erhalten und nutzbar gemacht werden. Hierfür wurden sechs Sanierungsetappen geplant, die erste wurde vor elf Jahren durchgeführt. Es ist ein kosten- und arbeitsintensives Verfahren, damit der Erhalt gewährleistet werden kann: „Es steckt viel Handarbeit dahinter, die Steine müssen jeweils einzeln herausgenommen werden. Wenn man jedoch nichts tut, verfällt die Ruine endgültig.“

Viele Überraschungen

Von der Burgruine sind natürlich keine Pläne vorhanden, bei den Sanierungsarbeiten erfolgten immer wieder Überraschungen: „Wir haben eine Bodenpflasterung entdeckt und 20 Zentimeter unter der Erde die Grundmauern einer Kapelle sowie Teile eines Wehrgangs.“ Durch die neu entdeckten Gebäudeteile musste auch das Sanierungskonzept permanent erweitert werden. Mittels Crowd-Funding wurden die nötigen finanziellen Mittel eingebracht: „Wir haben einige öffentliche Veranstaltungen durchgeführt, die ein tolles Echo fanden“, beschreibt Wucher. In Kooperation mit dem Biosphärenpark konnte zudem ein Leader-Projekt eingereicht werden, das auch bewilligt wurde.

Sozialer Begegnungsort

Vor zwei Jahren wurde schließlich mit dem Kulturraum, der mitten in der Burgruine steht, ein weiteres innovatives Projekt umgesetzt: „Wir wollten mit dem Kubus einen Kulturraum im breitesten Sinn bieten, sozusagen ein erweitertes Wohnzimmer für die ganze Region“, erzählt die Burgfreundin. Der Kulturraum wurde mit den Materialien Holz, Glas und Stahl errichtet, er wirkt sehr spartanisch. Die Gestaltung wurde bewusst gewählt: „Durch den schlichten, sehr einfach gehaltenen Stil entstand ein Freiraum für kulturelle Vielfalt.“ Schon bald wurde der Kubus für unterschiedlichste Zwecke bespielt, etwa für Konzerte, Workshops, Lesungen, Yoga-Einheiten, ein Projekt des netzwerkTanz und auch Veranstaltungen im Rahmen des Walserherbst. „Wir haben von Anfang an eine breite Nutzung angestrebt, der Kulturraum bietet sich von der Ausstattung her auch für private Feiern oder Workshops für Firmen an. Das besondere Ambiente der Ruine bietet einen schönen Rahmen für solche Events“, betont die sachkundige Obfrau.

Weitere Sanierungsetappe steht an

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten in den vergangenen Monaten alle geplanten Veranstaltungen abgesagt werden: „Wir haben den Lockdown genutzt und in Kooperation mit der Villa Falkenhorst eine neue Programmreihe erarbeitet. Außerdem liegen mittlerweile zahlreiche weitere Anfragen vor.“ Und auch die nächste Bauetappe steht an: „Wir planen für nächstes Jahr eine weitere Sanierung, die sich allerdings sehr aufwendig gestaltet, weil hierfür die höchste Ecke eingerüstet werden muss. Dafür suchen wir noch
Sponsoren. Die Sanierung kann nicht aufgeschoben werden, da jeder Winter dem Gemäuer zusetzt und die wertvollen Gebäudereste ohne Sanierung unwiederbringbar verloren gehen.“ BI

Zur Person

Alexandra Wucher

betrachtet Kulturarbeit als Nahrung für die Seele.

Geboren 1967

Familie verheiratet, Sohn Linus (12 Jahre)

Beruflicher Werdegang Studium Klinische Psychologie, Gesundheits- und Arbeitspsychologie, MPH Public Health, seit 2017 Geschäftsleitung Vorarlberger Kinderdorf, zuvor im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung beim AKS tätig

Hobbys Kultur, Lesen, Wandern, Natur, Radfahren