Reinhard Haller

Kommentar

Reinhard Haller

Nichts mehr zu lachen

Vorarlberg / 14.04.2021 • 17:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In Zeiten der Pandemie und der nicht enden wollenden Lockdowns haben wir wahrlich nicht mehr viel zu lachen. Ängste vor Ansteckung und Krankheitsausbruch, Kontaktreduzierungen und Ausgangsbeschränkungen, Reiseverbote und Verlust der Lebensqualität drohen jegliche Form von Freude und Heiterkeit zu ersticken. Trotzdem oder gerade deshalb sollten wir uns das Lachen nicht nehmen lassen, da es bei Belastungen und Krisen ein wichtiger psychischer Schutz- und Hilfefaktor ist. Denn wenn das Lachen auch mehr als hundert Muskeln aktiviert und den ganzen Körper erfassen kann, ist es viel mehr als eine reflexartige Kontraktion der Gesichts- und Bauchmuskulatur, wie die trockene wissenschaftliche Definition lautet.

„Lachen, auch als „inneres Joggen“ bezeichnet, gilt als einer der besten Stresslöser und ist unzweifelhaft ein vorzügliches soziales Schmiermittel.“


Lachen ist gesund, körperlich und geistig, die beste Medizin, wie der Volksmund sagt. Als nur dem menschlichen Wesen vorenthaltene Fähigkeit – Tierfreunde mögen diese Feststellung verzeihen – ist Lachen evolutionsbiologisch älter als das Sprechen. Die mit dem Lachen verbundene Heiterkeit hat einen befreienden und erleichternden Effekt, kann Zwänge lösen, Ängste vertreiben und Depressionen aufhellen, ja sogar zu ekstatischen Zuständen führen. Lachen lockert auf, lenkt von düsteren Gedanken ab, distanziert von den Alltagssorgen und gibt unserem Sein einen Hauch von Leichtigkeit. Inneres Lächeln vermittelt Gefühle von Ausgeglichenheit und Überlegenheit. Lachen, auch als „inneres Joggen“ bezeichnet, gilt als einer der besten Stresslöser und ist unzweifelhaft ein vorzügliches soziales Schmiermittel. Die Erinnerung an eine schöne Kindheit wird nicht zuletzt durch die Tatsache geprägt, dass wir als Kinder durchschnittlich 400 Mal pro Tag gelacht haben, während wir als Erwachsene nur noch 14 Mal täglich etwas zu lachen finden.

Lachende Menschen sind kommunikationsfreudig und können andere mit Heiterkeit anstecken, weshalb sie beliebter sind. Da Lachen laut wissenschaftlichen Untersuchungen die Immunabwehr stärkt und die Stresshormone einbremst, wird es immer häufiger in der Therapie verwendet. So gibt es heute neben Lach-Selbsthilfeklubs bereits Lachseminare, Lachyoga und Lachtherapien, die im Einsatz gegen Stresserkrankungen, Burnout, Zwänge und psychosomatische Leiden hilfreich sein können. Am besten geeignet ist das Lachen aber zur Selbsttherapie.
Die Pandemie ist für uns alle sehr bedrohlich, die Lockdowns sind eine Zumutung und die Einschränkungen wirken zermürbend. Deshalb ist es besonders wichtig, dass uns nicht auch noch das Lachen vergeht.

Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhard Haller ist Psychiater, Psychotherapeut

und früherer Chefarzt des Krankenhauses Maria Ebene.