Bangen um Laternser Sozialprojekt

Vorarlberg / 15.04.2021 • 19:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Karlheinz Frick wünscht sich auch von anderen ein soziales Herz.
Karlheinz Frick wünscht sich auch von anderen ein soziales Herz.

Alp-Neuverpachtung bringt Initiative für psychisch Kranke in Bedrängnis.

Rankweil Vor bald 30 Jahren gründete Karlheinz Frick (74) in Rankweil den Verein für seelische Gesundheit. Er bietet Menschen mit psychischen Erkrankungen nach ihrer Entlassung aus dem Landeskrankenhaus Rankweil eine Unterkunft und therapeutische Betreuung durch angestelltes Pflegepersonal bzw. Sozialarbeiter und Ärzte. Frick liegt aber auch die Freizeitgestaltung dieser Menschen am Herzen. Deshalb gründete er ein Sozialprojekt und bekam dafür von der Agrargemeinschaft Rankweil-Meiningen die Benützung eines Teiles der Alpe „Oberer Bäckenwald“ in Laterns zugestanden. Das war 2017. Nun droht der Initiative das Ende.

Die Alpe wurde neu verpachtet, er habe dies aus dritter Hand erfahren müssen, klagt Karlheinz Frick. Zudem sieht er den Vorgang der Neuverpachtung als nicht rechtens durchgeführt. Die Mitgliedervertretung sei in die Vergabe nicht involviert gewesen, nur eine Alpgruppe, und die hat seiner Ansicht nach keinen Entscheidungsstatus. Der in der Agrargemeinschaft zuständige Vertreter war trotz mehrfacher Versuche für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht erreichbar.

Karlheinz Frick ist aufgewühlt. „Unsere Leute sind sehr traurig darüber, dass es Aufenthalte auf der Alpe nicht mehr geben soll“, erzählt er. Die Ausflüge hätten den Alltag immer bereichert, Freude und psychische Stabilisierung gebracht. „Gerade in einer Zeit eingeschränkter Sozialkontakte wären solche Aktivitäten besonders wichtig“, sagt Frick und merkt noch an: „Mit ein bisschen gutem Willen hätte dem Vorpächter der Vertrag verlängert werden können. Es wäre eine humane Lösung gewesen.“ Stattdessen sei das Bestbieterprinzip zum Tragen gekommen. „Gemeinnutz sollte eigentlich vor Eigennutz stehen“, verweist Frick sichtlich verärgert auf das „annähernde Millionenbudget“ der Agrargemeinschaft.

Zwei Benutzerverträge

Die Nutzung der Alphütte „Oberer Bäckenwald“ ist in einer Vereinbarung geregelt. Als Gegenleistung hat Frick pro Übernachtung für sich, seine Familie oder eine Gruppe drei Fronstunden zu leisten, die im Zusammenhang mit dem Erhalt des Gebäudes oder der Weidepflege stehen müssen. Frick: „Wir haben das verlotterte Wohngebäude innen und außen auf Vordermann gebracht, und jetzt soll alles aus sein?“, fragt er mit Wehmut. Jetzt bestehen jedenfalls immer noch zwei Benutzungsverträge, und Karlheinz Frick weiß nicht, wie es weitergeht. Auf seinen Vorschlag, die neue Pächterfamilie solle die Alphütte „Unterer Bäckenwald“ beziehen, sodass die obere weiter sozialen Zwecken zur Verfügung steht, gab es noch keine Antwort. VN-MM

Um die Verpachtung der Oberen Bäckenwaldalpe ist ein Zwist ausgebrochen. frick
Um die Verpachtung der Oberen Bäckenwaldalpe ist ein Zwist ausgebrochen. frick