Das Festival für eine gute Zukunft

Vorarlberg / 15.04.2021 • 16:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zum zehnten Mal finden Ende April die „Tage der Utopie“ statt – nach Möglichkeit als Präsenzveranstaltung, auf jeden Fall aber im Live-Stream.<span class="copyright">Henzler</span>
Zum zehnten Mal finden Ende April die „Tage der Utopie“ statt – nach Möglichkeit als Präsenzveranstaltung, auf jeden Fall aber im Live-Stream.Henzler

Tage der Utopie 2021 finden vor Ort und im Live-Stream statt.

Götzis Mutige Entwürfe, starke Impulse, kraftvolle Zukunftsbilder: Bereits zum 10. Mal laden die „Tage der Utopie“ zur tief reichenden Auseinandersetzung mit den brisantesten Fragen der Gegenwart und Herausforderungen der Zukunft. Das kleine Jubiläum des biennal veranstalteten „Festivals für eine gute Zukunft“ wird vom 26. April bis 1. Mai in Ambach und in St. Arbogast gefeiert; die Hauptvorträge können – erstmals – um jeweils 19 Uhr per Live-Stream im Internet verfolgt werden.

Anfangs ein Insidertipp, zählt die Veranstaltungsreihe mit über 1200 Teilnehmenden längst zu den größten Bildungs- und profiliertesten Vernetzungsformaten im Dreiländereck. Charakteristisch ist die Vielfalt der Themen wie auch der Teilnehmenden – von Wirtschaftstreibenden bis zu sozialen Entrepreneurs, von der Kreativbranche bis zum Bildungswesen. Mit der Kulturbühne Ambach bietet sich der passende Rahmen für die abendlichen Vorträge und die anschließenden musikalischen Beiträge. Diese stammen dieses Jahr von Juri de Marco, dem Gründer des STEHGREIF.orchester Berlin. Sein Konzept: Ohne Noten, ohne Stühle, ohne Dirigent reproduzieren die Musiker nicht das Original, sondern erweitern es genreübergreifend mit aller Kunst des Improvisierens sowie Elektronik und Choreografie. Die vertiefende Beschäftigung mit den Vortragsthemen findet im Bildungshaus St. Arbogast am jeweils folgenden Vormittag statt.

5-Stunden-Tag oder Verkehrskonzept

Den Auftakt im Reigen der renommierten Vortragenden macht am Montag, 26. April, der Bielefelder Experte für digitalen Wandel Lasse Rheingans mit dem Vortrag „Der 5-Stunden-Tag. Digitalisierung und Neue Arbeit“. Er wagte mit dem eigenen Unternehmen das Experiment einer 25-Stunden-Arbeitswoche. Das Ergebnis: eine höhere Produktivität in kürzerer Zeit sowie begeisterte und kreativere Mitarbeiter.

Am Dienstag, 27. April, referiert Matthias Glaubrecht über „Das Ende vom Ende der Artenvielfalt. Eine Rückschau auf das Jahr 2062“. Der Evolutionsbiologe und Professor für Biodiversität schildert in seinem utopischen Bericht aus der Zukunft Maßnahmen, wie die Menschheit angesichts des größten Artenschwunds seit dem Aussterben der Dinosaurier die Wende schaffte.

Ariadne von Schirach gibt am Mittwoch, 28. April, Anstöße dazu, „Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden. Die Zukunft ist offen“. Wachsenden Ängsten aufgrund von Klimawandel, Verschwörungstheorien, Populismus oder auch der Konfrontation mit Rassismus, Sexismus und den fatalen Folgen unserer profitorientierten Lebenswiese stellt die Journalistin und freie Autorin die Chance gegenüber, sich all dem mit Anstand und Courage, Humor und Zuversicht zu stellen.

Der in Wien lebende, international erfolgreiche Schriftsteller Ilija Trojanow wird am Donnerstag, 29. April, über „Geschichten, die verwandeln“ reflektieren. Die Kernfrage lautet: Wie erzählt man eine Utopie so,
dass alle sofort in sie auswandern wollen? Die Schwierigkeit ist nicht, sich eine bessere Welt vorzustellen, sondern von dieser begeisternd zu erzählen.

Am Freitag, 30. April, widmet sich der Architekt und Stadtplaner Reiner Nagel der „Vision Baukultur. Von der Auto-Region zur Region für Kinder“. Laut ihm bedarf es eines Stadtumbaus für eine neue Mobilität, bei der das Auto vom Maß der Dinge zum Ding mit Maß wird. Die Bedürfnisse schwächerer Verkehrsteilnehmer, insbesondere Kinder, sollten Maßstab für Lebensqualität bei der Gestaltung öffentlicher Räume sein.

Abgerundet werden die Tage der Utopie am Samstag, 1. Mai, mit Nora Wilhelms Vortrag „Change-Making – Strategien des Wandels. Vom Wissen zum Tun“. Die Changemakerin beschäftigt sich mit dem Wie des Wandels: Haltungen, Strategien und konkrete Werkzeuge, um vom Wissen zum Tun zu kommen.

Konzept garantiert Durchführung

Im Hinblick auf das umsichtige Konzept hofft Kurator Hans-Joachim Gögl, dass die Tage der Utopie 2021 zumindest zum Teil als Präsenzveranstaltung abgehalten werden können – dank Live-Streaming ist die Durchführung des Festivals im Online-Format jedenfalls gesichert; die Vorträge können sogar von einem noch größeren Kreis an Interessierten als bisher mitverfolgt werden. Daneben sind sämtliche Vorträge aus bald 20 Jahren als Video-Podcast auf der Website erhältlich; alle Beiträge und Musikwerke erscheinen in einer eigenen Buch- und CD-Reihe.

Tage der Utopie: 26. April bis 1. Mai, Kulturbühne Ambach, Bildungshaus St. Arbogast; Info/Anmeldung: www.tagederutopie.org