Sandra und ihre Erfahrungen mit Corona

Vorarlberg / 15.04.2021 • 18:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sandra Kirchberger setzte die Pandemie arg zu. Sie ging aber gestärkt aus der Krise hervor.

Wolfurt Corona hat Sandra Kirchberger (44) kalt erwischt. Wegen des Virus brach ihr gut organisiertes Leben zusammen. Ein paar Wochen nach Ausbruch der Pandemie trat die Mutter von drei schulpflichtigen Kindern einen neuen Job an. Aber die gelernte Bürokauffrau konnte sich nicht auf die Arbeit konzentrieren. „Ich war mit dem Kopf daheim und fragte mich, was dort abgeht.“

„Alle waren schlecht drauf“

Weil Homeschooling angesagt war, waren ihre drei Kinder zuhause. „Sie wollten ständig was von mir und riefen mich wegen jeder Kleinigkeit im Büro an.“ Wenn die berufstätige Mutter abends heimkam, traf sie fast der Schlag. „Es sah aus, als ob im Haus eine Bombe eingeschlagen hätte. Überall lagen Lebensmittel, Schulsachen und Kleider herum.“ Dieser Anblick war für die Wolfurterin kaum zu ertragen. Denn: „Ich bin ein Ordnungsfreak. Normalerweise ist es bei mir daheim ordentlich. Nichts liegt herum.“

Es stresste sie auch, „dass alle daheim schlecht drauf waren“ und es vermehrt zu Konflikten kam. Gründe dafür gab es mehr als genug: „Wir hatten nicht so viele Computer, wie wir brauchten, das Internet reichte nicht für alle und funktionierte zeitweilig nicht, der Computer stürzte ab, die Kinder konnten ihre Freunde nicht treffen.“ Die Situation zuhause war für Sandra so unerträglich, „dass ich oft gern den Koffer gepackt hätte“.

Das Leben bescherte ihr eine Auszeit, aber eine andere, als sie gedacht hatte. Sandra fing sich das Corona-Virus ein und erkrankte im Oktober. „Ich weinte, als ich erfuhr, dass ich Covid 19 habe.“ Wegen der Ansteckungsgefahr musste sie von daheim ausziehen und in die Ferienwohnung übersiedeln. „Mein Mann hat mich versorgt und mir das Essen vor die Tür gestellt.“ Die dreifache Mutter litt an Husten, Fieber, Schweißausbrüchen und Rückenschmerzen. „Ich habe 20 Stunden am Tag geschlafen und war gute vier Wochen im Krankenstand.“

Corona brachte Sandra, die sich in ihrer Freizeit für den Rollhockey Club Wolfurt engagiert, zum Nachdenken: „Ich fragte mich: ,Was ist mir wichtig im Leben? Was mache ich gerne? Wer ist tatsächlich mein Freund?“ Sie war ehrlich zu sich und kam unter anderem zu folgenden Einsichten. „Ich werde mir einen Job suchen, der mir Spaß macht. Ich werde nicht mehr so viel für andere tun und mehr auf mich schauen und mir mehr Zeit für mich nehmen. Ich werde nicht mehr die Putzfrau für alle sein und meinen Kindern im Haushalt Aufgaben übertragen.“

Nach ihrer Genesung schritt sie zur Tat und ordnete ihr Leben neu beziehungsweise im Sinne ihrer neu gewonnenen Erkenntnisse. „Durch Corona habe ich viel gelernt“, sagt die 44-Jährige, die seit einigen Wochen mit Freude in einer Drogerie in Hard arbeitet. Sandra sieht das Leben heute etwas lockerer und ist ihren Aufgaben und Alltagspflichten nicht mehr so verhaftet wie früher. „Ich lebe heute mehr.“ Sie ist auch gelassener geworden. Unordnung stresst sie nicht mehr. „Jetzt ist es mir egal, wenn zuhause mal eine Sauerei ist.“ Corona lehrte sie aber noch etwas: „Ich lernte, Nein zu sagen.“ VN-kum

„Corona brachte mich zum Nachdenken. Ich fragte mich: ,Was ist mir wichtig?`“