Bregenz rechnet ab

Vorarlberg / 19.04.2021 • 19:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Rathausfassade soll noch heuer saniert werden. vol.at
Die Rathausfassade soll noch heuer saniert werden. vol.at

Stadt präsentiert Rechnungsabschluss. Baurecht für Hotel soll bald für Einnahmen sorgen.

Bregenz Der Bregenzer Rechnungsabschluss für 2020 ist nicht nur wegen Corona anders, es ist auch das erste Mal, dass er nach der im Jahr 2015 beschlossenen Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung dargestellt wurde. Heißt: Das Zahlenwerk besteht nun aus dem Ergebnis-, dem Finanzierungs- und dem Vermögenshaushalt. Dafür musste das gesamte Vermögen der Stadt bewertet werden. Jede Straße, jedes Gebäude, jedes Grundstück, jedes Kunstwerk. „Wir kommen auf eine Bilanzsumme von 465 Millionen Euro“, fasst Stadtkämmerer Manuel Felizeter die Bestandsaufnahme zusammen. Das langfristige Vermögen wie Grundstücke oder Gebäude macht 424 Millionen Euro aus, das kurzfristige Vermögen wie Girokonten oder Wertpapiere 41 Millionen.  

Aufgrund der Umstellung lasse sich der Rechnungsabschluss mit den alten Rechnungsabschlüssen nur sehr schwer vergleichen, sagt Felizeter. Um dennoch eine Vergleichbarkeit herzustellen zu können, habe man versucht, Kennzahlen wie früher zu errechnen. Dazu zählt die Manövriermasse, die in den letzten Jahren rund 3,5 Millionen Euro im Plus war und nun mit rund 3,7 Millionen Euro im Minus ist. Das liegt unter anderem daran, dass sich durch Corona die von der Stadt eingehobenen Abgaben um rund zehn Prozent reduziert haben. Auf der anderen Seite wurde um fast 57 Prozent weniger investiert als veranschlagt. Unterm Strich ist das Netto-Ergebnis, nicht zuletzt wegen der Covid-Soforthilfe des Landes (850.000) und des Investitionspakets des Bundes (3,5 Mill. Euro), mit rund 1,1 Millionen Euro im Plus. Auch wenn die Corona-Krise längst nicht überstanden ist, stehen in der Landeshauptstadt in den nächsten Jahren etliche Großprojekte an. Bürgermeister Michael Ritsch (52) verweist auf das Familien- und Bildungshaus Rieden (3,5 Mill. Euro), den Pipelineausbau, die Quartiersentwicklung Leutbühel (6 Mill. Euro), die Sanierung und den Umbau des Rat­hauses (810.000), die Sanierung und Erweiterung des Festspielhauses, das neue Hallenbad oder die Vision „Bregenz Mitte“, für die bereits 15 Millionen Euro budgetiert sind. Lieber früher als später soll aber auch zusätzliches Geld in die Stadtkassa fließen. Geplant ist, dass noch vor dem Sommer das Baurecht für ein Hotel beim Festspielhaus ausgeschrieben wird. „Entweder auf dem Parkplatz oder auf dem Trainingsplatz beim Casino Stadion“, erläutert Ritsch. „Das ist ein langer Wunsch der Festspiele. Die Kongresskultur bekommt nicht die besten Kongresse, weil die Hotelkapazitäten rund ums Festspielhaus sehr bescheiden sind.“ Der Stadtkämmerer rechnet mit Einnahmen von rund 150.000 Euro pro Jahr. „Entscheidend ist aber die Umwegrentabilität“, ergänzt er. Geht es nach dem Bürgermeister, dann sollen bis 2025 das Festspielhaus, das Hallenbad und das Hotel realisiert sein. vn-ger

„Die Hotelkapazitäten rund ums Festspielhaus sind sehr bescheiden.“

Die Quartiersentwickung Leutbühel geht in die dritte Runde.
Die Quartiersentwickung Leutbühel geht in die dritte Runde.

Rechnungsabschluss 2020

Gesamtschuldenstand 65,8 Millionen Euro (inkl. außerbudgetärer Fremdfinanzierungen) 

Pro-Kopf-Verschuldung 2223 Euro

Manövriermasse minus 3,7 Millionen Euro

Vermögen 465 Millionen Euro