VN-Gartenserie: Totes Holz birgt neues Leben im Garten

Vorarlberg / 19.04.2021 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Gartenserie: Totes Holz birgt neues Leben im Garten
Der Totholzstreifen im Garten von Caroline Büsel und Tochter Anna-Sophia bietet Vögeln, Insekten und Co. Unterschlupf.  VN/PAULITSCH

In jedem Garten fällt immer wieder Holz an. Damit lässt sich etwas Sinnvolles machen.

Götzis Durch Obstbaumschnitt oder andere Aufräumarbeiten fällt im Garten einiges an Holz an. Stärkere Durchmesser finden als Heizstoff Verwendung, feinere Äste sind allerdings oft lästig. Häckseln wäre eine Option, sie zur Grünmüllsammelstelle zu karren, eine andere. Doch das sogenannte Totholz, also abgestorbenes Holz von Sträuchern und Bäumen, lässt sich noch anderweitig als belebendes Element nutzen. Naturgärtner schaffen mit Totholz einen neuen Lebensraum. „Ein Totholzhaufen sollte in keinem Garten fehlen“, weiß Caroline Büsel (42). Geschichtete Äste und Zweige unterschiedlicher Stärke, die lose übereinandergelegt werden, fungieren als Tummelplatz für zahlreiche Tiere, erklärt die „Natur im Garten“-Beraterin vom Verband für Obst- und Gartenkultur (OGV): „Wer in seinem Garten zum Erhalt verschiedener Arten und zur Biodiversität beitragen möchte, ist mit einem Totholzhaufen genau richtig. Besonders Wildbienen, Käfer, Spinnen, Ameisen, Zitronenfalter oder Asseln fühlen sich hier wohl.“

Markhaltige Sonnenblumenstiele in der Benjeshecke dienen Bienen zum Nisten.
Markhaltige Sonnenblumenstiele in der Benjeshecke dienen Bienen zum Nisten.
Über das Sandarium in Caroline Büsels Garten freuen sich Wildbienen. 75 Prozent aller heimischen Arten brüten im Sand.
Über das Sandarium in Caroline Büsels Garten freuen sich Wildbienen. 75 Prozent aller heimischen Arten brüten im Sand.

Auch größere Nützlinge wie Igel, Erdkröten, Blindschleichen, Eidechsen und Singvögel nutzen diesen Lebensraum, je nach Lebensweise als Winterquartier, Versteck, Nistplatz oder Brutstätte. In geräumigen Gärten finden sich nicht selten abgeschiedene, gerne auch schattig gelegene Bereiche, die einem Asthaufen Platz bieten. Dort schichtet man Äste und Zweige mit unterschiedlicher Stärke einfach lose übereinander. Dabei gilt: Je dicker das Holz, umso besser ist es als Lebensraum geeignet und umso mehr Nahrung ist für die Tiere zu finden. Selbst Baumstrünke, zum Beispiel von Obstbäumen, lassen sich mit einbauen. Auch wenn manche Tiere, die sich im Totholzhaufen ansiedeln, nicht bedroht sind, trage man trotzdem dazu bei, dass sich Insekten vermehren, erklärt Caroline Büsel.

Mit Ästen und Zweigen, die beim Heckenschnitt anfallen, lässt sich eine sogenannte Benjeshecke gestalten.
Mit Ästen und Zweigen, die beim Heckenschnitt anfallen, lässt sich eine sogenannte Benjeshecke gestalten.

Benjeshecke

Die Vorteile eines Totholzhaufens lassen sich in kleineren Gärten auch durch eine sogenannte Benjeshecke erreichen. Caroline Büsel hat sich in ihrem eigenen Garten in Götzis eine solche eingerichtet. Dafür werden mehrere Holzpfeiler in zwei Reihen in den Boden gesetzt und dazwischen Totholz, Reisig und andere Gartenreste vertikal in Form einer Hecke aufgeschichtet. Im Laufe der Zeit sackt sie ab und Vögel setzen Samen ein. Dadurch blüht die Benjeshecke. Im Frühjahr und Herbst kann neues Schnittgut nachgelegt werden. So schafft man einen artenreichen Lebensraum im Garten und spart sich Arbeit. Die Hecke kann an Grundstücksgrenzen auch als Abgrenzung dienen. „Durch die bewusste Gestaltung der Benjeshecke wird die Akzeptanz der Nachbarschaft erhöht“, wirbt die gelernte Landschaftsgärtnerin und Lehrerin für einen kreativen Umgang mit der Hecke.