Hörbranzer Traditionsbäckerei Fink schließt ihre Türen

Vorarlberg / 20.04.2021 • 16:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elisabeth und Anton Fink im April 2021.
Elisabeth und Anton Fink im April 2021.

Am 30. Mai 2021 werden das letzte Tortenstück und die letzte Semmel in der Bäckerei Fink in Hörbranz über die Ladentheke gehen.

Hörbranz Bereits 1957 hatte Pius Fink, Vater von Anton Fink, die Bäckerei Fink in der Fronhoferstraße gegründet. Am 9. 12. 1988 eröffneten Elisabeth und Anton Fink in der Ziegelbachstraße ihre Bäckerei/Konditorei mit kleinem Café. Mit drei Mitarbeitern wurde der Meisterbetrieb damals gestartet. Über die Jahre wurde das Café vergrößert und ausgebaut, das Angebot wurde laufend erweitert und im Jahr 2021 waren bei Elisabeth und Anton rund 30 Mitarbeiter beschäftigt. Täglich gab es Brot, Gebäck, Torten und Kuchen in der eigenen Bäckerei mit hochwertigen Rohstoffen in traditioneller Handwerkskunst. Neben dem Thekenverkauf wurden auch rund 70 gewerbliche Kunden wie Lebensmittelhändler, Hotels und Gasthäuser beliefert.

Eine Tonne Mehl pro Nacht

Das weit über die Grenzen bekannte und geschätzte „Fink-Brot“ war im Leiblachtal in fast allen Lebensmittelgeschäften erhältlich. Jede Nacht wurde rund eine Tonne Mehl und pro Woche circa 4500 Eier verarbeitet. Während andere ihre verdiente Nachtruhe genossen, fing für Anton Fink jeden Tag schon die Arbeit an. Kurz vor Mitternacht schlüpfte Anton in seine Bäckerkleidung und war meist bis mittags in der Backstube beschäftigt. Frühmorgens öffnete Elisabeth dann die Bäckerei.

Berühmte Fink-Torten

Was klein begonnen hatte, entwickelte sich zu einer der größten privaten Bäckerei/Konditoreien im Land. Wo kurz nach der Eröffnung 1988 noch 50 Torten- und Kuchenstücke gebraucht wurden, waren jetzt ca. 1000 Stück Normalität. Bei Hochzeiten wurden die „Fink-Torten“, die nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich etwas Besonderes waren, immer gefragter. Für bis zu drei Eheschließungen pro Wochenende wurden in den starken Hochzeitsmonaten Mai, Juni, Juli kunstvolle Torten gebacken, verziert und pünktlich ausgeliefert. Für Taufen, Geburtstage, Jubiläen und Feste wurden individuelle Torten und Kuchen gestaltet.

Über 200.000 Laugenbretzel

Als 1991 Rauch Pepe bei Anton Fink um eine große Brezel mit Füllung bat, war der im ganzen Land bekannte „belegte Fink-Laugenbrezel“ geboren und erfreute sich steigenden Zuspruchs. In den vergangenen arbeitsreichen Jahren wurden einmal für einen Silvesterabend 318 Brezel gefüllt. In den rund 30 Jahren Fink-Brezel wurden über 200.000 frische Laugenbrezel, immer den Kundenwünschen angepasst, belegt. Neben selbstgemachten Osterhasen, Nikoläusen und Lebkuchen in verschiedensten Formen waren die Weihnachtsbäckereien ein begehrtes Fink-Erzeugnis, zuletzt wurden bis zu sieben Tonnen der leckeren Weihnachtskekse hergestellt.

Erlebnis für Kinder

Um das Bäckerhandwerk am Leben zu erhalten, beteiligte sich das Bäckerehepaar Fink am Leiblachtaler Ferienprogramm. Jeweils bis zu 70 interessierte Jugendliche und Kinder konnten dabei gemeinsam mit Bäcker- und Konditormeister Anton Fink backen, das Handwerk mit allen Sinnen kennenlernen und die selbstgemachten Brotkunstwerke dann natürlich mit nach Hause nehmen.

Ein weiteres Highlight war das Frühstück im Fink-Café. An den Wochenenden meist ausgebucht, konnte man sich hier mit frischem Gebäck, Kuchen, Säften, Kaffee und Müsli verwöhnen lassen. Bekannt war die Backstube von Anton Fink aber auch bei den Nachtschwärmern, wenn nach den Bällen im Leiblachtalsaal aus- und aufgeräumt war, führte der Weg oftmals bei „Finks Tone“ vorbei. Durch den Backstubeneingang bekam man dort auch zu früher Stunde ein Frühstück und viele der Frühstücksgäste verweilten bis zum Mittag. Gerüchten zufolge soll dabei einmal einer der Ballgänger im WC eingeschlafen und erst am Nachmittag durch eine Café-Mitarbeiterin geweckt worden sein. Noch viele solcher und ähnlicher Geschichten könnten beide erzählen.

Auch bei Vereinen und Schulveranstaltungen war die Bäckerei über alle Jahre ein verlässlicher sowie großzügiger Partner und Lieferant.Oft mit vergünstigten Preisen oder kostenlosen Zugaben für Veranstaltungen.

Für Elisabeth und Anton war es immer wichtig, die sozialen Kontakte im Ort zu fördern und die Gemeinschaft zu unterstützen. Für viele Hörbranzer war ein „Kaffee im Fink“ ein Fixpunkt im Wochenprogramm, ein Platz, wo man mit Freunden und Bekannten gemeinsame Stunden verbringen konnte. Die herzliche und humorvolle Art der beiden wird im Leiblachtaler Wirtschafts- und Vereinsleben fehlen. chf

Elisabeth und Anton Fink im April 2021.
Elisabeth und Anton Fink im April 2021.
Elisabeth und Anton Fink bei der Eröffnung im Dezember 1988.
Elisabeth und Anton Fink bei der Eröffnung im Dezember 1988.