Rückzieher von der Anklage häuslicher Gewalt

Vorarlberg / 20.04.2021 • 23:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dem Angeklagten wurde keine Schuld nachgewiesen. ECKERT
Dem Angeklagten wurde keine Schuld nachgewiesen. ECKERT

Freispruch für 35-Jährigen, der seine Frau geschlagen und eingesperrt haben soll.

Feldkirch Bereits am Gang des Landesgerichts Feldkirch ist klar, wie der für 9.30 Uhr anberaumte Prozess, in dem es um häusliche Gewalt geht, ablaufen wird. Ein türkisches Ehepaar, er 35, sie 25 Jahre alt, sitzt auf einer Bank, unterhalten sich entspannt, lachen gemeinsam und warten auf den Aufruf der Sache. Der 35-jährige Angeklagte scheint gut informiert, er macht vor Gericht außer zu den Personalien keine Angaben. Bei der Polizei hat er abgestritten, seine Frau im Februar mehrere Stunden in der gemeinsamen Wohnung im zweiten Stock in Höchst eingesperrt zu haben. Auch geschlagen habe er sie nicht, so seine damaligen Angaben. Im Prozess macht er von seinem Recht zu schweigen Gebrauch. Somit steht und fällt alles mit der Aussage der Zeugin, seiner Ehefrau. Mit ihr hat der Mann zwei kleine Kinder.

Ehemann angezeigt

Die 25-jährige Ehefrau hatte sich zunächst zu einer Anzeige durchgerungen. Ihr Mann habe sie mehrere Stunden eingesperrt, sodass sie die Wohnung nicht verlassen konnte.

Außerdem habe er ihr mehrfach ins Gesicht geschlagen, auch gegen den Oberkörper und gegen den Fuß gab es Schläge. Da die beiden noch verheiratet sind und weiterhin mit den gemeinsamen Kindern im selben Haushalt leben, hat auch die Zeugin ein Aussagebefreiungsrecht. Davon macht sie Gebrauch. Ihre Entscheidung verbietet dem Richter auch, die vor der Polizei getätigten Angaben zu verwerten. Es gibt zwar zahlreiche Lichtbilder, auf denen etliche blaue Flecken dokumentiert sind. Doch die können theoretisch auch ganz andere Ursachen haben.

„Ich kann mich in diesem Fall kurzfassen. Es gibt keine belastenden Beweise. Auch die Fotos im Akt können nicht weiterhelfen, weil die Ursache der Hämatome nicht mit Sicherheit feststeht“, begründet Staatsanwältin Julia Müller, dass kein Weg an einem Freispruch vorbeiführt. Die Kosten für die polizeilichen Ermittlungen, die Arbeit des Gerichts und des Dolmetschers trägt der Bund. „Auch falls Sie das nicht gemacht haben, möchte ich Ihnen auf den Weg geben, dass es für derartiges Fehlverhalten hohe Haftstrafen gibt“, gibt Richter Richard Gschwenter dem Freigesprochenen mit auf den Weg. EC