Deutschkurs am Handy: Coronakrise schränkt Integrationsarbeit ein

Vorarlberg / 21.04.2021 • 16:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Deutschkurs am Handy: Coronakrise schränkt Integrationsarbeit ein
“Je länger die Pandemie dauert, desto mehr merken wir, dass wir bei den Integrationsbemühungen hinterherhinken”, sagt Bernd Klisch, Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe in Vorarlberg. VN

Das Virus stellt die Flüchtlingshilfe vor zahlreiche Herausforderungen.

Schwarzach Das Coronavirus hinterlässt überall seine Spuren, auch in der Flüchtlingsarbeit. Die Deutschkurse von Asylwerbern werden derzeit digital durchgeführt. Die Integrationstätigkeiten sind nur eingeschränkt möglich, da sie lediglich im Freien stattfinden dürfen. Auch von Infektionsfällen bleiben die Flüchtlingsheime nicht verschont, wie Bernd Klisch, Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe in Vorarlberg erklärt. Die Infektionsrate sei aber nie höher als jene der Gesamtbevölkerung.

Coronafälle in vier Quartieren

Die Caritas betreut derzeit 90 Quartiere mit rund 1000 Flüchtlingen in Vorarlberg. „In vier Quartieren haben wir derzeit ein Infektionsgeschehen.“ In einem Heim musste ein ganzes Stockwerk abgeriegelt werden. In einer weiteren Unterkunft sei derzeit eine ganze Wohneinheit in Quarantäne. In den anderen beiden Heimen handle es sich nur um Einzelfälle. „Wenn es zu einer Infektion kommt, ist das ein großer Aufwand“, erzählt der Leiter der Flüchtlingshilfe. Schließlich müsse man konsequenter Vorgehen als in üblichen Haushalten, weil es sich um Gemeinschaftsunterkünfte handle, wo oft Küche, Bad und WC geteilt werden.

Kein Präsenzunterricht

Viel schwerer wiegen die Coronafolgen aber für die Integration. „Die Klienten haben nicht nur untereinander weniger Kontakt und weniger Besuchsmöglichkeiten“, sagt Klisch. Auch fänden die Kurse derzeit nur online statt. Alleine bei den Alphabetisierungskursen sei Präsenzunterricht unter strengen Auflagen möglich. Deutsch würden die Asylwerber derzeit via Messengerdienst lernen. „Es haben nur sehr wenig eine gute IT-Ausstattung. Da ist es am besten, die Kurse via Handy zu organisieren“, sagt Klisch. Sie fänden regelmäßig in kleinen Gruppen mit maximal sechs Personen statt. Der Lernerfolg sei aber mit jenem im Präsenzunterricht nicht vergleichbar.

Auch die Integrationstätigkeiten sind nur eingeschränkt möglich. Asylwerber haben keinen Zugang zum Arbeitsmarkt und dürfen nur bestimmte Tätigkeiten ausüben, zum Beispiel gemeinnützige für Land und Gemeinde. Das reicht vom Neophytenzupfen bis zur Mithilfe bei Veranstaltungen. Im zweiten Lockdown seien diese Tätigkeiten generell eingestellt worden: „Derzeit sind sie nur im Freien möglich“, sagt Klisch.

„Wir hinken hinterher“

Die Zahl der Asylwerber im Land habe sich in den vergangenen Monaten kaum geändert: „Im Durchschnitt sind es immer rund 1000 Personen.“ Die meisten Neuankömmlinge – rund 60 Prozent – seien aus Syrien. „Sie bekommen relativ schnell Asyl“, erklärt der Leiter der Flüchtlingshilfe. Aufgrund der Coronakrise könnten sie allerdings die Zeit in der Grundversorgung nicht optimal nutzen, um sich für das Leben mit Bleiberecht vorzubereiten. „Je länger die Pandemie andauert, desto mehr merken wir, dass wir bei den Integrationsbemühungen hinterherhinken.“

Asylwerber in Vorarlberg

Anfang des Monats lebten 980 Personen in der Grundversorgung in Vorarlberg, 787 davon als Asylwerber, 94 Asylberechtigte und 99 Asylwerber mit negativem Bescheid. Die meisten von ihnen kommen aus Afghanistan (303), Syrien (202) und dem Irak (175). Rund 60 Prozent der Asylwerber, die in den vergangen Monaten neu nach Vorarlberg überstellt wurden, sind aus Syrien.