Stillleben nach tristem Tourismuswinter

Vorarlberg / 22.04.2021 • 16:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stillleben statt Feierstimmung zum Abschluss der Skisaison – mangels Gästen bestand kein Grund, den Schnee wegzuräumen. <span class="copyright">STP/3</span>
Stillleben statt Feierstimmung zum Abschluss der Skisaison – mangels Gästen bestand kein Grund, den Schnee wegzuräumen. STP/3

Ein Lokalaugenschein vor den Ausreisetests im Bregenzerwald.

Warth Seit Jahrzehnten wirbt der Hochtannberg als Schneegarant am Arlberg und deshalb war alljährlich die Zeit zwischen Ostern und 1. Mai für Skigenießer so etwas wie ein Pflichttermin für den Abschluss der Skisaison.

Noch einmal Spuren in den glitzernden Firnschnee ziehen, bevor man sich bei einem kleinen Umtrunk auf einer der vielen Sonnenterrassen in den Frühling verabschiedet. Dabei teilten sich die letzten Wintersportler den Platz auf diesen Terrassen mit Gästen in Lederkluft – Motorradfahrer, die auf ihrer ersten Saisonausfahrt eine Rast einlegten.

Nur wehmütige Erinnerung

Von einem solch genussvollen Saisonabschluss bleibt schon zum zweiten Mal nur die wehmütige Erinnerung, wie ein Lokalaugenschein der VN-Heimat kurz vor den massiven Einschränkungen für die Ausreise aus dem Bregenzerwald ergab. 2020 wurde die Saison am Arlberg und Hochtannberg bereits Mitte März von einem Tag auf den anderen durch eine 14-tägige Quarantäne beendet. Selbst von Skitouren wurde damals im Saisonfinale dringend abgeraten – keineswegs Skiunfälle riskieren lautete die Devise, man wollte Kapazitäten in den Spitälern für Coronapatienten freihalten. Was blieb, war die Hoffnung auf Normalität in der Skisaison 2020/21, doch nach einem verheißungsvollen Sommer und Herbst brach die zweite Welle los und die verspätet gestartete Skisaison wurde in Schröcken-Warth am Ostermontag erneut frühzeitig beendet.

Schade um Traumverhältnisse

Seither sind die Tourismuszentren am Hochtannberg wie leergefegt. Die Hotels mussten ohnehin während der gesamten Saison geschlossen bleiben und mit der Einstellung des Liftbetriebs blieben ab Ostern von einem Tag auf den anderen auch die Tagesgäste aus. Auch Einheimische waren nur vereinzelt im Dorf unterwegs und der Linienbus „ans Land“ fuhr ab, ohne dass Fahrgäste zugestiegen wären. Dabei wären die Schneeverhältnisse heuer in hochalpinen Regionen gerade in den letzten Wochen der Saison noch immer so gut wie selten gewesen.

Wie hochwinterlich die Verhältnisse am Hochtannberg nach dem frühen Saisonschluss waren, zeigt sich beispielsweise an den tiefverschneiten Tischen und Bänken vor dem beliebten Imbiss: Mangels Gästen bestand keine Notwendigkeit, den Schnee wegzuräumen. Oder das kleine Bildstöckchen an der Passstraße – gerade noch das Dach ragte aus den Schneebergen heraus. In manchen Jahren ist es in der zweiten Aprilhälfte schon weitgehend ausgeapert.

Das Beste daraus machen

Aus wirtschaftlichen Erwägungen, so Günter Oberhauser, Geschäftsführer der Warther Skilifte, hätte man den Liftbetrieb gar nicht aufnehmen müssen. Das Fehlen stationärer Gäste führte zu massiven Umsatzeinbußen und die Einnahmen lagen deshalb weit unter dem Aufwand. Unter dem Strich werden auch die in Aussicht gestellten Entschädigungen das Minus im Betriebsergebnis nicht ausgleichen können, sieht es Oberhauser realistisch. „Wir haben einfach versucht, aus der Situation das Beste zu machen.“

Feedback macht Mut

Es waren jedoch nicht allein die wirtschaftlichen Aspekte, man wollte den heimischen Wintersportlern auch unter den schwierigen Bedingungen die Möglichkeit zu sportlicher Betätigung bieten. Und das wurde auch in hohem Maße honoriert. „Wir haben dafür viel Lob und Anerkennung bekommen“, freuen sich Oberhauser und sein Team über ein Feedback, das für die Zukunft Mut macht. STP

„Positives Feedback der Gäste macht uns Mut für die Zukunft.“

Stillleben statt Feierstimmung zum Abschluss der Skisaison – mangels Gästen bestand kein Grund, den Schnee wegzuräumen. <span class="copyright">STP/3</span>
Stillleben statt Feierstimmung zum Abschluss der Skisaison – mangels Gästen bestand kein Grund, den Schnee wegzuräumen. STP/3
Hochwinterliche Verhältnisse – trotzdem Saisonschluss am Hochtannberg.
Hochwinterliche Verhältnisse – trotzdem Saisonschluss am Hochtannberg.