Heldentat in der Feldkircher Innenstadt

Vorarlberg / 23.04.2021 • 22:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sergio Wagner ist nichts nur ein Held, sondern auch professioneller Musiker. VN/BÖCKEN
Sergio Wagner ist nichts nur ein Held, sondern auch professioneller Musiker. VN/BÖCKEN

Schnifner stellt sich Messerangreifer in den Weg.

Feldkirch Sergio Wagner Freitas de Carvalho zögerte nicht lange, als er die um Hilfe schreienden Frauen hörte und den Täter flüchten sah. Er stellte sich dem Täter geistesgegenwärtig in den Weg.

Doch was war passiert? Es war am 6. Februar 2020 um 16.30 Uhr. Die Fußgängerzone in der Feldkircher Innenstadt war zu dem Zeitpunkt stark frequentiert. Auch eine junge Frau war dort gemeinsam mit ihrer Mutter unterwegs, nichts ahnend, was gleich passieren würde. Ein geistig verwirrter 25-jähriger Mann suchte sich wahllos diese junge Frau aus und begann, sie auf „massive Art und Weise zu begrapschen“, wie es in der damaligen Polizeimeldung heißt. Doch damit nicht genug: Denn der Mann hielt ihr noch dazu ein Küchenmesser mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge an die Kehle. Durch lautstarke Hilferufe machte die Mutter des Opfers die Passanten auf sich aufmerksam. Sie wusste sich nicht anders zu helfen und begann, den Täter mit Gegenständen zu bewerfen, um so die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Und es zeigte Wirkung: Durch die Aktion ihrer Mutter gelang es dem Opfer, sich aus der Umklammerung des Angreifers zu befreien. Der Täter ergriff daraufhin die Flucht.

Sergio Wagner Freitas de Carvalho hörte die Hilferufe der beiden Frauen. Der brasilianische Musikschullehrer und Kontrabassist kam gerade von der pädagogischen Hochschule, wo er eine Schülerin besuchte. Als er den Täter flüchten sah, reagierte Freitas de Carvalho sofort und blockierte den Fluchtweg. Durch seine Militärkenntnisse konnte er den Angreifer stoppen und ihn ein wenig beruhigen. Der geistig verwirrte Mann blieb stehen, jedoch hielt er dabei immer noch das Küchenmesser in der Hand. Angst hatte Sergio Wagner Freitas de Carvalho keine gehabt. Er hat Vertrauen zu Gott – und zitiert eine Bibelpassage: „Es ist der Glaube, eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Sein Glaube lässt ihn nie im Stich.

Nach einem Besen gegriffen

Die beiden Freunde Omar Raji Aid und Hasan Karem Moussa Al-Tameemi schritten ebenfalls sofort ein. Als sie sahen, dass der Täter immer noch mit einem Messer bewaffnet war, griffen sie bei einem Blumenstand nach einem Besen bzw. einer Metallstange und unterstützten damit Freitas de Carvalho. Gemeinsam gelang es den dreien, den Angreifer gegen eine Mauer zu drängen und ihn so lange in Schach zu halten, bis die Polizei eintraf. Während dieser Zeit fuchtelte der psychisch stark beeinträchtigte Angreifer ständig mit dem Messer in Richtung der Männer. „Ohne dieses Einschreiten der unbewaffneten Passanten wäre dem Täter die Flucht gelungen“, heißt es abschließend von der Polizei. Sergio Wagner Freitas de Carvalho würde immer wieder so handeln. Der 52-Jährige hilft gerne anderen Menschen, bietet unter anderem Patienten im Krankenhaus eine Musiktherapie an, versorgte in Brasilien arme Menschen mit Essen. Der Brasilianer, der in Schnifis lebt, will aber nicht als Held dargestellt werden. „Ein Held ist anders. Ich bin nur ein einfacher Mann.“

KSÖ-Sicherheitspreis

Das Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ) verleiht wieder den Sicherheitspreis. Damit werden Personen ausgezeichnet, die sich in den Jahren 2019 und 2020 um die Aufklärung von Verbrechen verdient gemacht haben. Es sind Helden des Alltags, die durch ihr couragiertes Verhalten einen besonderen Beitrag bei der Unterstützung der Polizei und damit für die Sicherheit der Bevölkerung geleistet haben. Einige von ihnen stellen wir in dieser Serie vor.

Lesen Sie am Montag, wie Manfred Helbok und Anel Petrunic einen Kassadieb stellten.