Grün statt grau im Garten und am Dach

Vorarlberg / 25.04.2021 • 20:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verschiedene Sedum-Arten fühlen sich auf dem Dach besonders wohl.
Verschiedene Sedum-Arten fühlen sich auf dem Dach besonders wohl.

Welche Pflanzen sich als Alternative zur Versiegelung eignen. Martin Bereuter gibt Tipps.

Buch Jeder, der im Sommer schon einmal barfuß über von der Sonne erhitzten Asphalt gelaufen ist, weiß, dass es nur eine Rettung gibt: den Schritt ins angrenzende Gras. Dieses simple Beispiel zeigt, welchen Vorteil Pflanzen im Unterschied zu Stein und Asphalt haben. Der unversiegelte Boden filtert und speichert Wasser und hat eine klimatische Ausgleichsfunktion. Versiegelte Flächen hingegen können bei Starkregen kein Wasser zurückhalten. Übervolle Kanäle, Überschwemmungen und viel Geld, das in den Hochwasserschutz investiert werden muss, sind Folgen.

Dass sich das Prinzip Pflanzen statt Stein und Beton im eigenen Garten vielfach umsetzen lässt, zeigt Martin Bereuter. Der gelernte Landschaftsgärtner hat sich in Buch ein Refugium geschaffen, in dem er seine Vorstellungen von umweltfreundlichem Wirtschaften im kleinen Rahmen umsetzen kann.

Kräuter vom Dach

Martin Bereuter betreibt neben einem kleinen Feldgemüsebau eine extensive, also eine naturnahe Dachbegrünung mit geringem Pflegebedarf: „Auf meinen Dächern darf wachsen, was will. Natürlich wird am Anfang mit Sedum, Hauswurz und speziell an diese Extremverhältnisse angepassten Saatgutmischungen nachgeholfen“, nennt der 42-jährige, der seit sieben Jahren Mitglied beim Obst- und Gartenbauverein ist, Beispiele für geeignete Pflanzenarten auf dem Dach. „Danach verhindern Trockenphasen, dass sich unerwünschte Pflanzen wie Bäume oder Klee zu stark ausbreiten oder etablieren.“

Die Dachhaut wird für die Begrünung statt mit Kies mit einem Dachsubstrat aus Erde, Blähton oder Bimsstein abgedeckt. Schon mit einer Substratstärke von fünf Zentimetern wurzeln Sedum-Arten oder Kräuterpflanzen wie Thymian oder Schnittlauch. Die bepflanzten Dächer speichern Niederschläge und geben Wasser zeitverzögert ab, wodurch das öffentliche Kanalsystem entlastet wird. „Wenn die Möglichkeit besteht, kann man mit einer höheren Dachsubstrat-Schüttung das Pflanzspektrum enorm erweitern. Selbst Gemüse und Beerensträucher gedeihen mit richtiger Pflege auf den Dächern dieser Welt“, erklärt Martin Bereuter das Prinzip Rooftop Farming, das in vielen Großstädten bereits Standard ist. Der Grundsatz Pflanzen statt Stein lässt sich im Garten aber auch anderweitig umsetzen.

„Für die Fugen zwischen Steinplatten eignet sich das gleiche Pflanzmaterial“, weiß Bereuter, der den Großteil seiner Freizeit im Garten und auf dem Acker verbringt. Ein stabiles Kiesbett für die Steinplatten als Unterbau genügt. Die Zwischenräume werden mit Erde gefüllt und eingesät. Auch Parkflächen, Holzlagerplätze oder Gartenwege müssen nicht versiegelt werden. Auf stabilen Untergrund kann ein Gemenge aus Schotter, Erde und Rasensamen aufgetragen werden, um eine begrünte Fläche zu erhalten, die sich kaum von Rasen unterscheidet, aber belastbar ist. Nährstoffe ergänzt man im Frühjahr und Frühsommer einfach mit etwas Komposterde.

„Selbst Gemüse und Beerensträucher gedeihen mit richtiger Pflege auf Dächern.“

Die Fugen zwischen Steinplatten können ebenfalls bepflanzt werden.

Die Fugen zwischen Steinplatten können ebenfalls bepflanzt werden.

Jeder unversiegelte Quadratmeter zählt: Martin Bereuter hat sein Dach begrünt.

Jeder unversiegelte Quadratmeter zählt: Martin Bereuter hat sein Dach begrünt.

Martin Bereuter in seinem Gartenparadies in Buch. Eine nachhaltige Gartengestaltung kann die Auswirkungen des Klimawandels abmildern.VN/Steurer
Martin Bereuter in seinem Gartenparadies in Buch. Eine nachhaltige Gartengestaltung kann die Auswirkungen des Klimawandels abmildern.VN/Steurer

Weitere Informationen finden sich auf der Webiste des Verbands für Obst- und Gartenkultur Vorarlberg: www.ogv.at.