Immer mehr Single-Haushalte

Vorarlberg / 25.04.2021 • 19:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Stärkste Zunahme bei 45- bis 59-Jährigen: Expertin sieht Trend zu Individualisierung.

SCHWARZACH Immer mehr Menschen in Vorarlberg leben offiziell allein. Seit 2005 ist die Zahl der Ein-Personen-Haushalte um fast die Hälfte gestiegen, von 41.400 auf 58.400 im vergangenen Jahr. Die Zahl der übrigen Haushalte hat nur um ein Achtel zugenommen, von 100.300 auf 112.400. Statistik Austria ermittelt die Daten im Rahmen von Mikrozensus-Erhebungen und weist sie ausschließlich gerundet aus.

Höhere Lebenserwartung

Der Trend zum Ein-Personen-Haushalt ist nicht neu. Besonders betroffen davon sind ältere Frauen. Naheliegende Erklärung: Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer, sie bleiben daher eher allein im einst gemeinsam aufgebauten Haushalt zurück. Laut Statistik Austria bilden hierzulande 9100 ab 75-Jährige Frauen und nur 3600 gleichaltrige Männer einen Ein-Personen-Haushalt. In Summe sind das 12.700.

Dieses Beispiel verdeutlicht auch, dass man beim Alleinwohnen zwischen einer ungewollten und einer selbst gewählten Lebensform unterscheiden muss, wie die Kulturwissenschaftlerin Kriemhild Büchel-Kapeller betont. Immer wieder selbst gewählt dürfte die Lebensform bei der Altersgruppe sein, bei der es gegenüber 2005 den größten Zuwachs gegeben hat: Bei 45- bis 59-Jährigen hat sich die Zahl der Ein-Personen-Haushalte von 8400 auf 15.200 beinahe verdoppelt. Für Büchel-Kapeller kommt hier der „Megatrend Individualisierung“ zum Ausdruck. Regeln, die für alle gelten, würden sich auflösen. Im Industriezeitalter habe es eine gängige „Normbiographie“ gegeben. Auf Kindheit und Jugend folgten demnach eine Erwerbs- und Familienphase und schließlich die Pension. Das verliere zunehmend an Gültigkeit, so die Mitarbeiterin des Büros für Freiwilliges Engagement und Beteiligung der Vorarlberger Landesregierung: „Heute können viele ihr Leben viel stärker nach eigenen Vorstellungen leben. Und genau auf diese Unabhängigkeit, sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten, wollen viele Singles nicht verzichten.“

Die Statistik bringt nicht zum Ausdruck, ob Männer und Frauen, die einen Ein-Personen-Haushalt bilden, zumindest eine Beziehung pflegen oder wie es ihnen geht. Das sind jedoch wesentliche Punkte, wie Büchel-Kapeller ausführt: Ältere Paare zum Beispiel, bei denen beide schon eine Scheidung hinter sich haben, würden sich immer wieder bewusst dazu entscheiden, getrennte Haushalte zu behalten. Andererseits gebe es Alleinlebende, die kaum jemanden oder im schlimmsten Fall überhaupt niemanden haben. Das könne zu Einsamkeit führen, die krankt macht: „Laut einer Studie kann das so schädlich sein wie 15 Zigaretten man Tag.“ JOH