Lungenkranke Oma appelliert an Eltern ihres Enkelfreundes

Vorarlberg / 25.04.2021 • 22:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Margarethe Ruff würde ihren Enkel Max gerne wieder öfter sehen.VN/hk
Margarethe Ruff würde ihren Enkel Max gerne wieder öfter sehen.VN/hk

Der Freund ist „Testverweigerer“. Margarethe Ruff hat nun Angst vor Kontakten.

HOHENEMS Margarethe Ruff ist 71 Jahre alt. Prinzipiell ist sie fit, leidet jedoch am Faktor 5-Phänomen. Das heißt: Ihr Blut gerinnt bis zu zehn Mal schneller als das von gesunden Menschen. Dadurch lebt sie in ständiger Angst vor einer Lungenembolie. Sie hatte schon einige und fürchtet sich vor weiteren. Dass sie bereits eine Erstimpfung mit AstraZeneca hinter sich hat, kann sie nicht wirklich beruhigen.

Als Oma hat Margarethe Ruff vor allem mit einem ihrer sechs Enkel ein sehr enges Verhältnis. Die ehemalige Lehrerin hilft ihn bei Hausaufgaben und lernt regelmäßig mit ihm. Doch diese Kontakte finden seit mehreren Wochen kaum noch statt.

Besucher auf dem Schulhof

„Schuld“ daran ist einer der besten Freunde des neunjährigen Max. Dessen Eltern gehören zu den Testverweigerern, schicken den Buben nicht mehr in die Schule. Da die Familie in unmittelbarer Nähe zur Bildungsstätte wohnt, begibt sich der Knabe in den Pausen gerne auf Schulhof. Dort kann er seine Kumpel treffen. Dies tut er auch außerhalb der Schule. „Seit die Situation so ist, und seit ich weiß, dass Max ständig mit diesem Buben in Kontakt steht, bin ich verunsichert. Er kommt jetzt nur noch zu mir, wenn er frisch getestet ohne diesen Kontakt direkt zu mir gelangt. Und das ist sehr selten.“ Sie sei am Beginn der Pandemie nicht so ängstlich gewesen, räumt die ehemalige Pädagogin ein. „Erst als sich wegen der Mutationen die Pandemie nicht unter Kontrolle bringen ließ und ich wieder vermehrt mit Atemproblemen zu kämpfen habe, bekam ich dieses schlechte Gefühl. Ich will nichts riskieren, zumal mein Mann eben erst eine Operation hinter sich hat und wir größtmögliche Sicherheit wollen.“

Margarethe Ruff tut der Freund ihres Enkels leid. „Er kann nichts dafür, und meine Schwiegertochter lässt ihn auch ins Haus, wenn er den Max besucht. Das verstehe ich. Aber für uns ist da dieses ungute Gefühl.“

Unverständnis

Die Schwiegertochter hat die Eltern des Buben ersucht, ihn doch testen zu lassen. Sie bat diese auch im Namen ihrer Schwiegermutter, teilte ihr die Ängste mit. „Aber ich bin da auf Granit gestoßen. Die Mutter lässt sich nicht von ihren Ansichten abbringen“, berichtet die Schwiegertochter.

Margarethe Ruff will ganz gewiss nicht, dass ihr Enkel keinen Kontakt mehr mit seinem Freund hat. Sie würde sich einfach nur ein bisschen mehr Rücksichtnahme auf bestimmte Umstände wünschen. „Mir ist das Ganze um so unverständlicher, als dass die ältere Schwester des Buben sehr wohl die Mittelschule besuchen darf, wo ja auch getestet wird.“

„Der Bub kann nichts dafür. Ich verstehe, dass er den Max weiterhin zu Hause besuchen darf.“