Ein Ort der Erholung

Vorarlberg / 26.04.2021 • 17:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tanja Moser steht im neu gebauten, lichtdurchfluteten Seminarraum, der Platz für 18 Personen bietet. Die Seminarteilnehmer können auch auf dem Hummelhof übernachten. <span class="copyright">VN/JUn</span>
Tanja Moser steht im neu gebauten, lichtdurchfluteten Seminarraum, der Platz für 18 Personen bietet. Die Seminarteilnehmer können auch auf dem Hummelhof übernachten. VN/JUn

Biobäuerin Tanja Moser bietet bald Seminare auf ihrem Hummelhof an.

Bürserberg Hier wachsen die Kälber noch in muttergebundener Haltung bei ihren Müttern auf. Neun von 17 Hektar bewirtschafteter Flächen sind einmähdige Magerwiesen, sodass Wildkräuter- und auch viele seltene Blumen aus der Erde sprießen können. Im Garten wachsen Kartoffeln, Kohl, Karotten und Kürbisse. Der Hummelhof von Tanja Moser liegt sehr idyllisch oberhalb von Bludenz in Außerberg, einem Ortsteil von Bürserberg. Die Biobäuerin ist hier aufgewachsen. Seit vier Jahren schon ist sie dabei, ihr Zuhause zu sanieren. 2017 hat sie den Stall für ihre elf originalbraunen Kühe und Kälber und ihre 40 Mohairziegen neu gebaut. Das alte Wirtschaftsgebäude mit Stall, Fahrsilo und Heulager wurde daraufhin komplett umgebaut.

Jetzt ist daraus ein modernes Wohnhaus entstanden, bei dem das Naturmaterial Holz weiterhin dominiert. Das Herzstück dieses Umbaus ist der neue, lichtdurchflutete Seminarraum mit hohen Decken, der Platz für 18 Personen bietet. Oben gibt es eine Galerie, die durch eine verzierte Holzbrüstung besticht. Weil man bei einem Seminar auch zur Ruhe kommen will, bietet Tanja Moser ihren Gästen an, auf dem Hof zu übernachten.

„Green Care“ im Vordergrund

„Die Seminare starten baldmöglichst“, sagt die Biobäuerin, und werden sich vordergründig mit dem Projekt „Green Care“ beschäftigen. Bei diesem Projekt geht es um alle psychischen, physischen, pädagogischen und sozialen Maßnahmen, die sich inhaltlich der Natur sowie der Tier- und Pflanzenwelt widmen. Beim Konzept „Green Care“ wird das Leben auf dem Bauernhof als heilsam empfunden, gekoppelt mit Wissensvermittlung und einem intensiven Austausch Gleichgesinnter. Auf einem „Green Care Auszeithof“ geht es laut Webseite (www.greencare-oe.at) vor allem um Erholung und Neuorientierung. Dabei sollen die Elemente eines Bauernhofs wie zum Beispiel das Arbeiten mit den Tieren und die Naturverbundenheit mit gemeinsamen Aktivitäten, Informationen und Reflexion verbunden werden. Auch der Hummelhof soll in Zukunft so ein Auszeithof werden.

Seit 2017 saniert Tanja Hofer ihren Biobauernhof in Außerberg.
Seit 2017 saniert Tanja Hofer ihren Biobauernhof in Außerberg.

Eine weitere Besonderheit ist die Verpflegung der Seminarteilnehmer. „Möglichst viele Lebensmittel sind vom eigenen Hof, alle regional und saisonal“, sagt Moser. Kooperationen mit mehreren Bauern aus der näheren Umgebung sind die Basis dafür. Vom Alp- und Ziegenkäse über Eier bis zum Huhn und Fisch wäre alles im Dorf erhältlich. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf Gemüse, denn Fleisch gibt es, wenn überhaupt, nur von den eigenen Tieren. Denn Tanja Moser findet Kälbertransporte eine „Unsäglichkeit“. Die Tiere sollen lieber alle im eigenen Umfeld vermarktet werden. „Die Tiere, die hier geboren und aufgewachsen sind, sollten auch hier geschlachtet und gegessen werden“, ist Moser der Ansicht.

Die Biobäuerin hat 40 Mohairziegen, die das Haupt­produkt des Hofs, die Wolle, produzieren.
Die Biobäuerin hat 40 Mohairziegen, die das Haupt­produkt des Hofs, die Wolle, produzieren.

Vor zwei Jahren hat sie daher angefangen, Mehlwürmer zu züchten. Auch sie stehen auf dem Speiseplan. Mit den Mehlwürmern, die im Übrigen einen guten CO2-Abdruck haben und sehr eiweißhaltig sind, will Moser mögliche Alternativen zum Fleisch aufzeigen.

Kräuterreiche Magerwiesen

Um dem Hummelhof herum erstrecken sich weitläufige Magerwiesen, die nicht gedüngt und nur einmal im Jahr gemäht werden. Daher summt und brummt es im Sommer, wenn die Wiese blüht. „Die kräuterreiche Wiese ist so unglaublich artenreich“, schwärmt die Bäuerin. Das Original Montafoner Braunvieh bekommt so gesundes Heu zu fressen. Generell haben die Kühe hier ein gutes Leben, dürfen doch die Kälber in muttergebundener Haltung aufwachsen. „Das entspricht einem hohen Tierwohlstandard“, so Moser. Nicht die Kühe mit ihrer Milch, sondern die 40 Mohairziegen erzeugen das Hauptprodukt des Hofs, die Wolle. „Ich vermarkte meine Produkte zu 100 Prozent selbst“, sagt Moser. Zweimal im Jahr werden die Ziegen geschoren. Aus ihrer Wolle strickt Moser Oberbekleidung und Schals.

Die Erhaltung der hohen Biodiversität auf den Magerwiesen und damit einhergehend die Erhaltung der einzigartigen Kulturlandschaft sind das Ziel des ENP (Ergebnis­orientierter Naturschutzplan), den Moser seit 2015 umsetzt. „Das sind die höchsten Naturschutzmaßnahmen, die man in Österreich ausführen kann“, sagt Moser. Künftig können sich die Seminarteilnehmer selbst ein Bild von der Biodiversität auf den Magerwiesen und der Tierhaltung machen. VN-JUN