„Ich hatte den Drang, etwas loszulassen“

Vorarlberg / 26.04.2021 • 18:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dietmar Fend begann zu einer Zeit zu malen, als es hieß, die Malerei sei tot, und litt sehr darunter, wie er erzählt.yas (2)
Dietmar Fend begann zu einer Zeit zu malen, als es hieß, die Malerei sei tot, und litt sehr darunter, wie er erzählt.yas (2)

Maler Dietmar Fend über Sensibilität in der Kunst und spektakuläre K.-o.-Schläge.

Hohenems „Die beste Zeit für die Malerei hier im Land waren die 70er-Jahre. Die Sticker hatten viel Geld, die Häuser waren bezahlt, man kaufte Perserteppiche, Schmuck und Bilder. Danach gab es ein paar Sammler und plötzlich waren die Maler im Land nicht mehr gut genug. Die Sammler gingen auf die Kunstmesse Basel um internationaler zu werden“, beschreibt der Künstler den damaligen Kunstbetrieb.

Dietmar Fend wollte nie etwas anderes, als Maler zu werden. Er begann ein Studium an der Akademie für angewandte Kunst Malereiklasse von 1970 bis 1975. „In dieser Zeit hieß es: Die Malerei ist tot! Ich litt sehr darunter, denn ich hatte ein großes Bedürfnis zu malen. Ich habe im ersten halben Jahr auf der Uni nur Farben hergestellt mittels Pigmenten, das hat sonst niemanden interessiert“, erinnert sich der Künstler, der sich bis heute viel mit dem Thema beschäftigt.

Sensibilität in der Kunst

Nach dem Studium kam Dietmar Fend zurück nach Vorarlberg. Sein Vater war Stickereimonteur. Zuhause gingen Sticker ein und aus und sie kauften auch seine Bilder. In Wien wäre das damals für einen jungen Künstler nicht möglich gewesen. „Anfangs habe ich vieles ausprobiert und bin auch auf Irrwege geraten. Wichtig war mir aber immer, eine Sensibilität der Bilder zu schaffen, eine Sensibilität der Farben. Dann kam für mich die Wende und ich begann reduziert und abstrahiert aus der Natur zu malen. Ich habe Steinblöcke reduziert, versucht sie in die Fläche zu bringen, aneinandergereihte Flächen haben mich fasziniert“, beschreibt Fend seinen Weitergang. Malerei sei eine Selbstausbeutung, sie sei schwer durchzuhalten. Hier im Land fehle das große Kunstverständnis. Die Menschen lebten sehr nach außen, definierten sich über Haus, Auto etc. Dietmar Fend war das Außen nie wichtig, sondern dass er immer bei sich selbst blieb, wie er sagt.

Faszinierende Sportler

Fasziniert hat den Künstler der Expressionismus. So schuf er in Blaugrautönen eine Serie mit Boxern, die k.o. gingen. „Im Prinzip war ich selbst damals genau in dieser Knock-out-Stimmung, ich habe eine ganze Serie gemacht über Sportler. Neben den Boxern haben mich auch Schwimmer fasziniert, die Luftblasen des Wassers. Die Boxer waren so reduziert, dass es nur noch um die Bewegung ging. Ich hatte damals den Drang etwas loszulassen“, erklärt Fend.

Dem Künstler geht es bei seinen Bildern um ein Formenbewusstsein. „Man sieht nur, was man sieht, das ist für mich die Basis. Ich brauche keine politischen Aussagen.“ Er habe sich immer um die Malerei bemüht, fing an mit Tuschestift zu arbeiten, zeichnete mit Tusche gewobene Linien beziehungsweise ein sehr sensibles Liniengewebe. Dort spielt das Technische eine große Rolle.

„Ich habe sieben Jahre lang ausschließlich diese Bilder gezeichnet. Es fasziniert mich, durch verschiedene Winkel zu verschiedenen Resultaten zu kommen. Das ist digital gar nicht möglich“, erklärt der Künstler.

Laut Fend führt gerade die Nichtperfektion zu einem ganz anderen Ergebnis. Durch die Veränderung der Winkel beim Zeichnen ergeben sich immer neue Variationen, die oft Ergebnisse erbringen, die nicht vorhersehbar sind. Auch für den Betrachter ändert sich, je nach Standort, das Muster: Es vibriert, es lebt! Faszinierend. yas

„Wichtig war mir, eine Sensibilität der Bilder zu schaffen, eine Sensibilität der Farben.“

Schon früh begann er, eigene Farben zu mischen.
Schon früh begann er, eigene Farben zu mischen.