Der Milchpilz, ein Bregenzer Wahrzeichen

Vorarlberg / 27.04.2021 • 16:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am Haupteingang zur Bregenzer Seeanlage steht der am 20. Juli 1953 ausgelieferte Milchpilz. Eigentümer ist die Vorarlberg Milch eGen. <span class="copyright">Milchpilz e.U.</span>
Am Haupteingang zur Bregenzer Seeanlage steht der am 20. Juli 1953 ausgelieferte Milchpilz. Eigentümer ist die Vorarlberg Milch eGen. Milchpilz e.U.

In den Fünfzigerjahren eine Neuheit, heute vermittelt der Milchpilz Nostalgiegefühle. Seit 2007 steht er unter Denkmalschutz.

Bregenz Normalerweise sind es historische Bauten und Brücken, imposante Kirchen und Kapellen, die das Bundesdenkmalamt unter Denkmalschutz stellt. In diesem Fall ist es eine weiß bemalte Holz-Fertigbau-Konstruktion mit einer ursprünglich flexiblen, wasserabweisenden Dachhaut. Rot mit weißen Punkten, wie es sich für einen Glückspilz gehört. Von ursprünglich 49 Milchpilzen gibt es heute noch sechs Standorte. Der Bregenzer Milchpilz ist der letzte seiner Art in Österreich.

In den 50er-Jahren

In den 1950er-Jahren gab es Alkohol erst mit 21 Jahren. In war, wer sich in Milchbars und Eisdielen traf. Ziel der Molkereien war es, zunehmend ihre Erzeugnisse verbrauchernah verkaufen zu können. Die Idee des Milchkiosks entstand. Das erste Kioskhäuschen in Fliegenpilzform wurde 1952 in Bayreuth als sogenannter„Milchverbrauchswer­ber“ präsentiert. Später ließ sich der Hersteller, die Hermann Waldner KG aus Wangen im Allgäu, den Entwurf und den Namen „Milchpilz“ gesetzlich schützen. Die Idee des Fliegenpilzes hatte Hermann Waldners Sohn Anton.

Milchpilze im Wandel der Zeit

Mit der Zeit veränderte sich die Farbe und Bespannung des Daches, sodass manches Exemplar mit einer Dachhaut aus Metall überzogen und danach in vergleichbarem Stil bemalt wurde. Milchpilze hatten ab Werk eine Gesamthöhe von rund vier Metern und eine Dachbreite von 4,60 Metern. Der ursprüngliche Pilz hatte vier Schiebefenster, eine Glastür, drei eingebaute Tische und vier Regale. Diverses zusätzliches Interieur wie ein Einbaukühlschrank und Heißwasserspeicher mit Waschbecken konnten hinzugekauft werden.

„Geschmacklose Reklame“

Den Behörden waren die fröhlichen Pilze jedoch ein Dorn im Auge. Die Württembergische Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege schrieb 1952 an die Geschäftsleitung von Waldner: „Die Gestaltung Ihrer Milchhäuschen in Pilzform halte ich für völlig abwegig. Die Ablehnung dieses Bauwerks, das besser nach Amerika passen würde, durch die Stadtbauämter ist in Ordnung. Ich glaube nicht, dass es eines Milchpilzes bedarf, um die Milchgetränke populär zu machen. Zuverlässige Bedienung und niedrige Preise werden mehr dazu betragen als geschmacklose Reklame.“

Der Beliebtheit der Pilze tat dies aber keinen Abbruch. Sie wurden nicht nur in Deutschland vertrieben, sondern europaweit nach Österreich, in die Schweiz, nach Italien, Frankreich, Belgien und Griechenland exportiert. Der letzte Pilz der Waldner KG trug die Nummer 49: Die Auslieferung erfolgte am 21. November 1958 nach Mannheim.

Bürgerproteste gegen Abbruch

In den 1990er-Jahren war der Bregenzer Milchpilz den Verkehrsplanern im Weg und sollte abgerissen werden. Nach heftigen Bürgerprotesten waren diese Pläne jedoch zügig vom Tisch. Man verlagerte den Kiosk an den heutigen Standort beim Bahnübergang. Seit 2007 steht der Bregenzer Milchpilz unter Denkmalschutz. mec

Der Milchpilz Bregenz ist der einzige, der heute noch dem ursprünglichen Zweck dient.
Der Milchpilz Bregenz ist der einzige, der heute noch dem ursprünglichen Zweck dient.