Geschichtliches Neuland

Vorarlberg / 27.04.2021 • 16:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die drei Historiker Michael Kasper, Stefan Stachniß und Christof Thöny bereiten die Geschichte von Bludenz auf.<span class="copyright">BI</span>
Die drei Historiker Michael Kasper, Stefan Stachniß und Christof Thöny bereiten die Geschichte von Bludenz auf.BI

„Stadtlabor Bludenz“ vermittelt Zugang zu historischen Ereignissen.

Bludenz Der Geschichtsverein Region Bludenz hat 2018 mit Unterstützung des Landes Vorarlberg das Projekt „Stadtlabor Bludenz“ gestartet. Das erklärte Ziel dabei war, Raum für neue Ideen für eine Zukunft des Stadtmuseums Bludenz zu entwickeln. Die Einrichtung des Stadtlabors ging auf eine Anregung von Dr. Andreas Rudigier, den Direktor des vorarlberg museums, zurück. „Die nunmehr fast zwei Jahrzehnte andauernden Bemühungen des Geschichtsvereins Region Bludenz um die Entwicklung eines zeitgemäßen Museumsbetriebs in der südlichsten Bezirkshauptstadt des Landes fanden auf diese Art und Weise eine Fortsetzung“, erklärt Projektleiter Christof Thöny. „Mit einem Stadtlabor wurde mit Blick auf Vorarlberg Neuland beschritten. Ähnliche Initiativen gab es allerdings bereits überregional, etwa in Frankfurt. Es ist dezidiert nicht das Ziel des Projekts, lediglich kurzfristige ‚Events‘ zu organisieren beziehungsweise billig zu einem neuen Stadtmuseum zu kommen. Vielmehr soll durch einen breiten und reflektierten Zugang ein zukunftweisender Weg beschritten werden“, so der engagierte Historiker.

Wie junge Menschen Bludenz sehen

Als wichtiger Schritt konnte in den vergangenen zwei Jahren die Webplattform stadtlabor.bludenz.at installiert werden, die weiterhin mit Inhalten befüllt werden soll. Außerdem wird das Angebot bestehen, verschiedenste Themen in kleineren Projekten zu bearbeiten und dadurch unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen: „Mit dem Aufbau von Kooperationen und Workshops sowie anderen Veranstaltungen werden insbesondere auch junge Menschen dazu animiert, ihren Blick auf die Stadt Bludenz einzubringen“, erläutert Christof Thoma eine der Zielsetzungen. Zudem wird zur Vermittlung von Geschichte und Geschichten aus Bludenz ein Podcast entwickelt, der in die Webseite des Stadtlabors integriert wird: „Auf zeitgemäße Art und Weise können nun auch in dieser Form interessante Themen aufbereitet werden.“ Die ersten Folgen werden im Laufe des Jahres umgesetzt.

Fokus auch auf die Senioren

Da sich vor allem auch zahlreiche Senioren sehr geschichtsinteressiert zeigen, ist eine Zeitschrift speziell für diese Altersgruppe geplant: „Um auch die Generation von Menschen zu erreichen, die nicht im Internet aktiv sind, ist für heuer die Konzeption einer Zeitschrift für ältere Menschen geplant. In ansprechender und gut lesbarer Form werden dabei interessante Themen aufbereitet“, so Christof Thöny. „Wir würden uns freuen, wenn von dieser Personengruppe auch Erinnerungen an die Stadt Bludenz eingebracht werden und somit uns geholfen wird, Örtlichkeiten und Personen auf historischen Fotografien zu identifizieren.“ Einen weiteren Aspekt bildet die Sammlung von lebensgeschichtlichen Interviews mit Zeitzeugen: „Diese möchten wir intensivieren. Geplant sind rund zwanzig Interviews. Derzeit gilt das Interesse natürlich immer noch jener Generation, welche die NS-Zeit und den Zweiten Weltkrieg noch bewusst als junge Erwachsene oder als Kinder miterlebt hat. Die videogestützten Interviews werden transkribiert und dem Stadtarchiv Bludenz einverleibt.“

Aufbau eines Fotoarchivs

Ein weiteres wichtiges Ziel ist der systematische Aufbau eines Fotoarchivs als Bestandteil des Stadtarchivs Bludenz. Hier gäbe es noch viel zu tun, denn eine kontinuierliche Sammlung des visuellen Erbes ist bislang nicht erfolgt. Zumindest konnten einzelne Sammlungen und Nachlässe übernommen und teilweise schon digitalisiert werden. Das Stadtlabor bietet zudem die Möglichkeit, anlassbezogen kleinere und größere Projekte in Form von Publikationen, Öffentlichkeitsarbeit, der Webseite, Veranstaltungen und Ausstellungen umzusetzen. Die Schwerpunkte dazu werden laufend erweitert. So kristallisiert sich aktuell anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Musikschule Bludenz eine schwerpunktmäßige Auseinandersetzung mit dem musikalischen Schaffen in der Stadt heraus. BI