Nach Zusperrbeschluss großer Frust an Lustenaus höheren Schulen

Vorarlberg / 27.04.2021 • 05:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach Zusperrbeschluss großer Frust an Lustenaus höheren Schulen
Lukas Amann und Tina Negovanovic besuchen die vierte Klasse an der HAK Lustenau. Ihre Anwesenheit an der Schule bleibt heuer sehr beschränkt. VN/HÄMMERL

Statt vorgesehenem Öffnungsschritt wieder Lockdown und Distance Learning an BG und HAK.

Lustenau “Es ist frustrierend. Kaum werden Lockerungen vom Ministerium verkündet, erwischt es genau uns wieder voll. ” Sarah March, 17, schüttelt den Kopf. Sie besucht die 7b in Lustenau. Dort sind sie 18 Schülerinnen und Schüler, jene Zahl, die nach Ministeriumsverordnung als Obergrenze für die Aufhebung des Schichtbetriebs gilt. Diesem wären sie deshalb gerade nicht entkommen. Aber immerhin wäre der Präsenzunterricht für alle weitergegangen. Jetzt wird auch damit nichts. “Was können wir dafür, dass die generelle Coronaentwicklung in Lustenau so ist, wie sie ist. Bei uns gab es keinen einzigen positiven Coronafall. Darauf nimmt man einfach keine Rücksicht”, beklagt die stellvertretende Schulsprecherin.

Sarah March besucht die 7b des Bundesgymnasiums Lustenau. Die SchülerInnen sehen sich als unschuldige Opfer der derzeitigen Coronaentwicklung in Lustenau. <span class="copyright">VN/Hämmerle</span>
Sarah March besucht die 7b des Bundesgymnasiums Lustenau. Die SchülerInnen sehen sich als unschuldige Opfer der derzeitigen Coronaentwicklung in Lustenau. VN/Hämmerle

Keine positiven Fälle

Dieser Argumentation schließt sich auch Direktorin Ulrike Fenkart an. ” Wir waren auf Kurs. Die 7a mit ihren zwölf Schülern hätte wieder als ganze Klasse zusammenkommen können. Wir Lehrer sind so depremiert wie die Schüler. Heute kommen viele von der Oberstufe noch einmal her, um Lernunterlagen zu holen. Dann ist für sie wieder für einige Zeit Schluss mit Präsenz.”

“Bei den durchgeführten Tests an unserer Schule gab es bei uns keinen einzigen positiven Fall.”

Ulrike Fenkart, Direktorin BG Lustenau

Gemeinsam ist Lehrern und Schülern am BG Lustenau: Sie fühlen sich als Opfer einer negative Coronaentwicklung, zu der sie nichts beigetragen haben. Vom neuen Schullockdown betroffen sind am BG Lustenau sechs Klassen. Wenigstens die zwei Maturaklassen zählen nicht dazu.

Ulrike Fenkart, Direktorin am BG Lustenau, verweist gerne auf das strenge Sicherheitskonzept an der Schule, das bisher gut funktioniert hat. <span class="copyright">VN/Hämmerle</span>
Ulrike Fenkart, Direktorin am BG Lustenau, verweist gerne auf das strenge Sicherheitskonzept an der Schule, das bisher gut funktioniert hat. VN/Hämmerle

Gut gerüstet

Schauplatzwechsel an die HAK/HAS in der Neudorfstraße. Dort entflieht Direktor Johann Scheffknecht kurzfristig dem tristen Coronaalltag. Gemeinsam mit drei Expertinnen und Experten bespricht er ein ökologisches Gartenprojekt auf der Grünfläche der Schule. “Wenn wir doch nur über solche Dinge reden und berichten könnten”, seufzt der Direktor, dessen Schule gerade wieder den ersten Platz beim Vorarlberger Schulpreis gewonnen hat. “Wir sind natürlich gerüstet, stellen uns dieser Herausforderung. Der Fernunterricht wird wieder gut funktionieren, obwohl er die Präsenz aller nicht ersetzen kann.”

Sie braucht die Lehrer

Genau das meint auch Siebtklässlerin Tina Negovanovic (17). “Ich bin alles andere als begeistert. Dieses Distace-Learning ist viel anstrengender als Unterricht in den Klassen. Ich brauche Lehrer, die mir in der Klasse sagen, was ich falsch mache. Im Hinblick auf die Matura im nächsten Jahr haben wir jetzt schon viel Stoff verpasst. Es wird noch mehr.”

Kollege Lukas Amann (17) stößt ins selbe Horn. “Ich kann das nicht nachvollziehen. Wir haben geimpfte Lehrer, werden regelmäßig getestet. Wir sind doch sicher hier. So hält man es ja auch in der Gastronomie, die weiterhin offen bleiben darf.” Maschinen könnten Lehrer niemals ersetzen, meint der Schüler.

Renate Burger leitet die Kantine an der HAK/HAS in Lustenau. Jetzt kommen wieder magere Zeiten auf sie zu. <span class="copyright">VN/Hämmerle</span>
Renate Burger leitet die Kantine an der HAK/HAS in Lustenau. Jetzt kommen wieder magere Zeiten auf sie zu. VN/Hämmerle

Auch Renate Burger, verantwortlich für die Schulkantine, bereitet die neueste Entwicklung alles andere als Freude. “Schon im Schichtbetrieb läuft viel weniger. Jetzt wieder gar nichts. Ich habe noch die Volks- und Mittelschüler vom Rotkreuz, die hier Mittag essen. Der Umsatzverlust im vergangenen Jahr beträgt rund 50 Prozent.” Ihr fehle auch der menschliche Kontakt mit den Erstklässlern. “Die habe ich heuer noch gar nicht richtig kennengelernt.”