Zahlen, die noch hoffen lassen

Vorarlberg / 28.04.2021 • 20:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Im Bregenzerwald gilt auf öffentlichen Plätzen bereits Maskenpflicht.VN/Paulitsch
Im Bregenzerwald gilt auf öffentlichen Plätzen bereits Maskenpflicht.VN/Paulitsch

Immer mehr Infektionen in Vorarlberg. Entwicklung in Spitälern überrascht jedoch.

Schwarzach Vorarlberg entwickelt sich zum Corona-Hotspot. Nicht nur in Österreich, sondern auch im Bodenseeraum. Die Inzidenz bestätigter Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche ist auf 252 gestiegen. Im Bezirk Bregenz beträgt sie 301. Gleichzeitig überwiegt sowohl österreichweit Entspannung. Hier ist die Inzidenz auf 168 gesunken. Auch im Bodenseeraum geht sie zurück. In der Schweiz werden bereits Großveranstaltungen ab dem Sommer geplant. Im benachbarten Kanton St. Gallen sowie in Liechtenstein und den deutschen Regionen Oberallgäu, Ravensburg und Bodenseekreis liegt der Wert bei 150 bis 160. In Lindau – wo noch Lockdown herrscht – geht sie Richtung 100. 

Die Entwicklung in Vorarlberg wirkt alarmierend. Gesundheitsexperte Armin Fidler, der das Land berät, betont jedoch, dass man nicht auf die Fallzahlen starre. Entscheidend sei auch, wie viele Menschen erkranken. „Im Moment haben wir noch keinen Grund zur Sorge.“ Tatsächlich gibt es eine überraschende Entwicklung: Seit einigen Wochen werden in den Spitälern nicht nur insgesamt, sondern auch auf den Intensivstationen ähnlich viele Corona-Patienten verzeichnet. Gestern handelte es sich um 36 beziehungsweise acht.

Bisher sind Fachleute davon ausgegangen, dass sich ein Infektionsgeschehen mit zweiwöchiger Verzögerung ziemlich genau in den Spitälern abbildet. Das ist nicht mehr so sicher. Möglicher Grund laut Fidler: „Es infizieren sich Jüngere, bei denen weniger klinische Fälle zu erwarten sind.“ Ältere seien zunehmend geschützt. „Das hat mit der Impfung zu tun.“ Gesundheitsökonom und Mathematiker Martin Halla warnt jedoch: „Alles ist immer auch von Zufälligkeiten getrieben.“ Und: „Von Herdenimmunität hat noch kein Epidemiologe gesprochen.“

Gleichzeitig stärkt das Prognosekonsortium des Gesundheitsministeriums die Zuversicht: Rechnete es zuletzt mit bis zu 16 Intensivpatienten Anfang Mai in Vorarlberg, so geht es nun von bis zu zwölf Mitte Mai aus. 

„Wir fahren nicht im Dunkeln“, betont Fidler: „Wenn notwendig, ist das Land bereit, auf die Bremse zu steigen. Im Moment sehen wir keine Notwendigkeit.“ Man dürfe nicht vergessen, dass man mit offenen Gasthäusern auch zu Testungen komme. Da ist noch Potenzial. So werden laut Fidler mehr Infektionen bei Mitarbeitern im Lebensmittelhandel festgestellt, die keinen Kundenkontakt haben und daher bisher zum Teil nicht getestet wurden.

Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer bleibt besorgt: „Wenn man sich die Zahlen ansieht und die Inzidenz weiter steigt, dann reden wir bald nicht mehr über eine Rote Zone in Lustenau, dann muss man landesweit reagieren.“ JOH

„Von Herdenimmunität hat noch kein Epidemiologe gesprochen.“

Zahlen, die noch hoffen lassen