Deutschkurs am Handy

Vorarlberg / 29.04.2021 • 18:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Apfelernte vor Pandemie: Die Krise bietet laut Pires (r.) weniger Arbeit. Pires
Apfelernte vor Pandemie: Die Krise bietet laut Pires (r.) weniger Arbeit. Pires

Die Coronakrise schränkt die Integrationsarbeit mit Asylwerbern ein. Derzeit neun Covid19-Fälle.

Schwarzach Das Coronavirus hinterlässt überall seine Spuren, auch in der Flüchtlingsarbeit. Die Deutschkurse von Asylwerbern werden derzeit nur digital durchgeführt. Integrationstätigkeiten sind lediglich eingeschränkt möglich, erklärt Bernd Klisch, Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe in Vorarlberg. Margot Pires, Leiterin der Koordinationsstelle für Integration im Vorderland (ohne Feldkirch), spricht von einem extremen Rückschlag. Auch Infektionsfälle belasten die Flüchtlingsarbeit, wenngleich die durchschnittliche Infektionsrate in den Flüchtlingsheimen nie höher ist als jene der Gesamtbevölkerung.

Neun Coronafälle

Die Caritas betreut 90 Quartiere mit rund 1000 Flüchtlingen in Vorarlberg, rund 800 von ihnen warten derzeit auf ihren Asylbescheid, knapp 100 wurden negativ beschieden, ebensoviele sind bereits asylberechtigt. „Aktuell sind neun Flüchtlinge in vier Unterkünften an Covid19 erkrankt oder positiv getestet worden“, berichtet Klisch. Alle von ihnen befänden sich in Quarantäne, ebenso ihre Kontaktpersonen. Zusätzlich sind jene abgesondert, die Gemeinschaftsräume – Küche, Bad, WC – mit den Betroffenen teilen.

Kein Präsenzunterricht

Viel schwerer wiegen die Coronafolgen für die Integration. „Die Klienten haben nicht nur untereinander weniger Kontakt und weniger Besuchsmöglichkeiten“, sagt Klisch. Kurse finden nur online statt. Nur bei den Alphabetisierungskursen sei Präsenzunterricht unter strengen Auflagen möglich. Deutsch lernen Asylwerber via Messengerdienst. „Es haben sehr wenig eine gute IT-Ausstattung. Da ist es am besten, die Kurse via Handy zu organisieren“, sagt Klisch. „Es ist ein Deutschkurs mit vorgegebenen Teilnehmern, die anwesend sein müssen.“ Der Lernerfolg sei aber mit jenem im Präsenzunterricht nicht vergleichbar.

Auch die Integrationstätigkeiten sind lediglich eingeschränkt möglich. Asylwerber haben bekanntlich keinen Zugang zum Arbeitsmarkt und dürfen nur bestimmte Tätigkeiten ausüben, zum Beispiel gemeinnützige Arbeit für Land und Gemeinde. Im zweiten Lockdown seien diese Tätigkeiten generell eingestellt worden und derzeit nicht in vollem Umfang möglich, erzählt Klisch.

Integrationskoordinatorin Margot Pires berichtet von einer sinkenden Nachfrage. Neben gemeinnützigen Tätigkeiten können Asylwerber auch mittels Dienstleistungscheck bei Privatpersonen arbeiten. Die wenigen Aufträge, die es noch gegeben habe, vermittelte sie an Bleibeberechtigte. Für Asylwerber blieben keine Anfragen übrig. Die Nachfrage sei durch die Pandemie eingebrochen.

„Wir hinken hinterher“

Die Zahl der Asylwerber im Land hat sich in den vergangenen Monaten kaum geändert. Die meisten Neuankömmlinge – rund 60 Prozent – seien aus Syrien. „Sie bekommen relativ schnell Asyl“, erklärt der Leiter der Flüchtlingshilfe. Auf Grund der Coronakrise könnten sie allerdings die Zeit in der Grundversorgung nicht optimal nutzen, um sich für das Leben mit Bleiberecht vorzubereiten. „Je länger die Pandemie andauert, desto mehr merken wir, dass wir bei den Integrationsbemühungen hinterherhinken.“

Pires bekräftigt das: „Es gibt kein niederschwelliges Angebot.“ Weder die Wandergruppe dürfe unterwegs sein, noch das Sprachcafé stattfinden. Das Schlimme daran: „Irgendwie ist noch kein Ende in Sicht.“ VN-ebi

„Je länger die Pandemie andauert, desto mehr merken wir, dass wir hinterherhinken.“