Wurzeln in Hohenems, Erfolge in Wien

Vorarlberg / 29.04.2021 • 17:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Paul und Arnold Rosenthal (Mitte) mit ihrem Reitlehrer im Wiener Prater, 1912.
Paul und Arnold Rosenthal (Mitte) mit ihrem Reitlehrer im Wiener Prater, 1912.

Zum 165. Geburtstag von Arnold Rosenthal.

HOHENEMS Die VN-Heimat und das Jüdische Museum Hohenems präsentieren in ihrer Biografienreihe diesmal die Lebensgeschichte von Arnold Rosenthal, der am 1. Mai 1856 in Hohenems zur Welt kam. Er war der jüngste Sohn von Klara, einer geborenen Löwenberg, und Josef Rosenthal, der in Hohen­ems eine erfolgreiche Textilfabrik betrieben hatte. Dem Vorbild seines Vaters folgend, gründete Arnold 1892 in Wien eine eigene Baumwoll- und Tücherdruckfabrik, die auf seinen Namen lautete.

350 Silbergulden

Von einer Lehrzeit im englischen Manchester abgesehen, sammelte Arnold Rosenthal seine ersten Berufserfahrungen in der Textilfabrik „Gebrüder Rosenthal“, die 1841 von seinem Vater und dessen Bruder Philipp gegründet worden war. Im Alter von 31 Jahren heiratete er in Wien die 20-jährige Ottilie Hirsch, die in der Hauptstadt aufgewachsen war. Zu diesem freudigen Anlass schenkte Arnold als Teilhaber der Hohenemser Rosenthalfabrik der 350-köpfigen Belegschaft je einen „blanken Silbergulden“, wie einige Tage darauf übereinstimmend in mehreren Vorarlberger Zeitungen vermeldet und zur Nachahmung empfohlen wurde. In Hohenems hielt es Arnold in weiterer Folge aber nur mehr wenige Jahre. Einerseits hatte seine Gemahlin mehrmals auf eine Rückkehr nach Wien gedrängt, andererseits wurde er von den Miteigentümern der Fabrik, seinen Cousins und Brüdern, aus dem Unternehmen gedrängt und schließlich ausbezahlt. Wie Wolfgang Gasser im 2002 erschienen ersten Band der Museumspublikation „Rosenthals“ zusammenfasste, musste sich Arnold Rosenthal nun eine eigene Existenz aufbauen.

Übernahme und Neugründung

Zu diesem Zwecke kaufte er 1890 die „Grünfeld & Bloch Cottondruckfabrik“ und benannte diese nach seinem Umzug zwei Jahre später in „Arnold Rosenthal Cotton- und Tücherdruckfabrik“ um. In Wien zog er nun mit seiner Frau und den zwischenzeitlich in Hohenems geborenen Kindern Helene und Paul, in die Reichsratstraße Nr. 1 und somit ins Haus seiner Schwiegereltern. Die neue Firma, die sich in kurzer Zeit zu einem florierenden Unternehmen weiterentwickeln sollte, hatte zwar ihren Stammsitz in Böhmisch-Leipa (heute Česká Lípa), wo auch produziert wurde. Allerdings befand sich in Wien eine Zweigstelle, die von Arnold geleitet wurde. Während seine Geschäfte so gut liefen, dass sich Arnold in Baden bei Wien eine Sommervilla kaufen konnte, verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation des Hohenemser Stammsitzes seiner Verwandten. Bereits 1912 wurden die Produktion der Gebrüder Rosenthal in Vorarlberg eingestellt, 1922 schloss auch die Wiener Niederlassung, die drei Jahre zuvor in die Insolvenz geschlittert war. Arnolds Firma überstand hingegen zunächst die Folgen des Ersten Weltkriegs.

Versuchte Rückkehr

Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs versuchte Arnold gemeinsam mit seinem Sohn Paul, nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie in ihren Geburtsort zurückzukehren. Das Ansuchen musste 1919 jedoch in Hinblick auf das damals geltende Recht abgelehnt werden, was der Bürgermeister in einem Schreiben bedauerte. 1922 hatte sich die Rechtslage geändert, weshalb diesmal ein Brief aus Hohenems bei Arnold einlangte. Dieser entschied sich jedoch wiederum mit Blick auf das Fortkommen seines Betriebes gegen einen Umzug und blieb mit seiner Familie in Wien. Dort verstarb er schließlich im Alter von 74 Jahren am 14. September 1930. Zwei Tage später fand seine Beisetzung am Zentralfriedhof statt.

Arnolds Vermögen, das er zunächst an seine Hinterblieben vererbt hatte, wurde der Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 großteils entzogen. Die Rosenthals konnten Wien jedoch noch rechtzeitig verlassen, emigrierten in die USA und retteten damit wohl ihr Leben. 60 Jahre später fand das erste Treffen der Nachkommen jüdischer Familien aus Hohenems statt, an dem auch Arnolds Enkel Stephan, Mitbegründer der American Friends of the Jewish Museum Hohenems, teilnehmen sollte. An Arnold Rosenthal erinnert heute noch die am Beginn der Schweizer Straße gelegene und nach ihm benannte Villa, zu der er das Haus seines Vaters noch 1887 umbauen hatte lassen. Heute befindet sich darin das Büro des Musikfestivals „Schubertiade“. RAE

Rückseite der Villa Arnold Rosenthal in Hohenems, um 2007. JMH/3
Rückseite der Villa Arnold Rosenthal in Hohenems, um 2007. JMH/3
Arnold Rosenthal, 1925.
Arnold Rosenthal, 1925.