Taten statt Worte in Sachen Klimawandel

Vorarlberg / 30.04.2021 • 13:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christina Connert, Karoline Schirmer, Elmar Nöckl und Bürgermeister Wolfgang Matt legten Hand an und pflanzten Buchen, Ahornbäume und Douglasien im Stellawald.<span class="copyright">Stadt</span>
Christina Connert, Karoline Schirmer, Elmar Nöckl und Bürgermeister Wolfgang Matt legten Hand an und pflanzten Buchen, Ahornbäume und Douglasien im Stellawald.Stadt

Stadt Feldkirch sagt tritt ausgerufenem Klimanotstand mit Projekten und Aktionen entgegen.

Feldkirch Das Klima verändert sich nicht nur global, sondern auch in Feldkirch. Die Folgen sind schon heute spürbar. Neben dem Klimaschutz wird darum auch die Anpassung an den Klimawandel immer wichtiger. Das Land Vorarlberg und mehrere Gemeinden riefen unlängst den Klimanotstand aus. Die Stadt Feldkirch schloss sich diesem symbolischen Akt bewusst nicht an. Stattdessen möchte sie Taten sprechen lassen und Projekte umsetzen, die dem Klimawandel entgegenwirken. Das jüngste Beispiel ist die Baumpflanzaktion, die im Stellawald über der Schattenburg stattfand. Bürgermeister Wolfgang Matt und Mitarbeiter der städtischen Verwaltung legten selbst Hand an und pflanzten Buchen, Ahorne und Douglasien. Insgesamt werden acht Baumarten dem Schutzwald wieder seine angedachte Funktion geben.

Bürgermeister Wolfgang Matt packt tatkräftig beim Bäumepflanzen an.
Bürgermeister Wolfgang Matt packt tatkräftig beim Bäumepflanzen an.

Die Stadt verfügt über rund 1200 Hektar Forstflächen. Sie setzen sich zusammen aus Saminawald (845 Hektar), Ardetzenberg (115 Hektar), Steinwald (60 Hektar), Küblerwald (36 Hektar) und weiterem parzellierten Waldbesitz unter anderem in Amerlügen (55 Hektar). Allein im Jahr 2019 hat die Stadt rund 16.300 Bäume neu gesetzt, darunter Ahorne, Buchen, Douglasien, Eichen, Fichten, Hartriegel, Kiefern, Kirschbäume, Lärchen, Tannen und Walnussbäume. Immer öfter kommen tiefwurzelnde Baumarten zum Einsatz, die auch längere Trockenperioden besser überstehen.

Die Klimaerwärmung führt zu einer deutlichen Zunahme von heißen Tagen und immer längeren Hitzeperioden. Bäume im Siedlungsraum leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Aufenthaltsqualität in Freibereichen an heißen Tagen und können durch Beschattung die Temperatur in Innenräumen angenehm halten. Daher fördert die Stadt die Pflanzung von bestimmten heimischen Laubbaum-
arten im Siedlungsgebiet mit einem Kostenzuschuss (50 Prozent der Anschaffungskosten, maximal 200 Euro pro Baum). Infos unter www.feldkirch.at/leben/foerderungen-von-a-z/ bzw. umwelt@feldkirch.at oder Tel.: 05522/304-1451).

Forschungsprojekt Ardetzenberg

Nicht heimische Baumarten werden in Mitteleuropa bereits seit mehr als 200 Jahren angebaut. Die Motive dafür waren und sind in erster Linie die Steigerung der Holzproduktion und die Erhöhung der Resistenz gegen Schadorganismen. Angesichts der Gefährdung der Wälder durch die Erderwärmung wird das Pflanzen nicht heimischer Baumarten wieder diskutiert. Diesbezüglich beteiligen sich das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), das Land Vorarlberg und die Stadt Feldkirch am Projekt „Klimawandelanpassung in der Waldbewirtschaftung: Chancen und Risiken nicht heimischer Baumarten“ zur Untersuchung der Bedeutung nicht heimischer Baumarten im Klimawandel. Dazu wurde der Bezirk Feldkirch als für Vorarlberg repräsentative Pilotregion zu konkreten Untersuchungen vorhandener Gastbaumarten – insbesondere Douglasie, Robinie, Roteiche und Schwarznuss – vorgeschlagen. Eine Douglasienfläche am Ardetzenberg auf einem Mullbraunerde-Buchenwaldstandort steht zur Untersuchung dieser Waldflächen im Mittelpunkt. Beim Forschungsvorhaben handelt es sich um ein bundesweites Forschungsprojekt von BFW und dem Umweltbundesamt, das bis 2023 abgeschlossen sein soll.

Vom Forschungsprojekt ist auch der Stadtrat für Forst und Landwirtschaft, Rainer Keckeis, überzeugt: „Potenzielle Chancen und Risiken werden unter Betrachtung ökonomischer und waldbaulich-ökologischer Gesichtspunkte evaluiert. Für ausgewählte Standorte werden Anpassungsmaßnahmen und praktische Handlungsempfehlungen erarbeitet. Diese dienen den forstlichen Praktikern sowie den Naturschutzbeauftragten als Entscheidungsgrundlage für den Umgang mit den wichtigsten nicht heimischen Baumarten.“

Maßnahmen ausarbeiten

Kürzlich fand in der Arbeiterkammer der erste Workshop zur Klimawandelanpassung statt. Unterstützt wurde die Stadt von alpS, einem Ingenieur- und Beratungsunternehmen, das Betriebe, Kommunen und Länder in ihrer nachhaltigen Entwicklung und im Umgang mit Folgen, Chancen und Risiken des Klimawandels stärkt. Beim Workshop waren neben dem Bürgermeister Vertreter von Feuerwehr, Polizei, Wasserverband, der Lawinen- und Wildbachverbauung, den Stadtwerken und den Abteilungen Tiefbau, Bauhof, Forst sowie Stadtplanung und Umwelt mit dabei. Die Teilnehmer verorteten mittels Risikoanalyse noch nicht ausreichend berücksichtigte Naturgefahren, technische Risiken und Infrastrukturrisiken, um sie den zu erwartenden Klimafolgen gegenüberzustellen. Diese Folgen und Risiken bilden die Basis für die Ausarbeitung von Maßnahmen zur Klimaanpassung. Dies soll Anfang Juli in einem zweiten Workshop unter Beisein von etwa 40 Vertretern der unterschiedlichsten Interessengruppen stattfinden.