Zum Muttertag gab es eine Covidimpfung

Vorarlberg / 09.05.2021 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zum Muttertag gab es eine Covidimpfung
Doris (l.) und Carmen Berchtold hatten einen gemeinsamen Impftermin. VN/STIPLOVSEK

In der Impfstraße in Bezau war am Sonntag einiges los.

Bezau Das Geläut der Pfarrkirche ruft zur Morgenmesse. Es gibt an diesem Sonntag in Bezau aber auch einige Menschen, die dafür kein Gehör haben, und das aus gutem Grund. Sie sind im Sicherheitszentrum damit beschäftigt, alles für die Covid-19-Schutzimpfung vorzubereiten. 795 Personen sind angemeldet, am Montag kommen noch einmal 500 an die Reihe. Auffällig: Die Impfkandidaten werden immer jünger. Für Doris (53) und Carmen (23) Berchtold ist es ein ganz besonderer Tag. Mutter und Tochter haben die Impfeinladung just für den gleichen Termin erhalten. Beide Frauen sind froh, endlich an die Reihe zu kommen. „Ein tolles Muttertaggeschenk“, frohlockt Doris Berchtold und hofft mit der Impfung bald auf mehr Freiheiten.

Rudolf Rüscher lieferte die wertvolle Fracht in die Impfstraße nach Bezau.
Rudolf Rüscher lieferte die wertvolle Fracht in die Impfstraße nach Bezau.

Kurz vor neun trifft Impfkoordinator Rudolf Rüscher mit dem begehrten Vakzin ein. Der Andelsbucher Gemeindearzt hat Impfstoff von Biontech/Pfizer im Gepäck. Die Impfstraße in Bezau ist seit dem 21. März in Betrieb. „Anfangs haben wir 300 bis 400 Personen geimpft“, erzählt Rüscher. Seit es genug Impfstoff gibt, sind auch in Bezau die Zahlen gestiegen. Statt nur noch am Sonntag, wird jetzt bei Bedarf auch am Montagvormittag geimpft. Gut 6000 Impfungen wurden bislang verabreicht. Ende des Monats, schätzt Rudolf Rüscher, ist die 10.000er Marke erreicht. Wegen des Impfstoffmangels hätten viele lange zugewartet. „Eine Impfung war einfach zu weit weg.“ Inzwischen sei die Impfbereitschaft deutlich gestiegen. „Alle, die sich vormerken ließen, sind froh, an die Reihe zu kommen“, berichtet der Arzt, der auch betont: „Wir müssen jede Erkrankung verhindern.“ Rüscher verweist auf die Langzeitfolgen, die eine schwere Covid-19-Infektion nach sich ziehen kann. In seiner Praxis sieht er schon zahlreiche Patienten mit Long-Covid-Symptomen.

Aufwendige Vorbereitung

Die Impfvorbereitungen nehmen Zeit in Anspruch. Vier Mitarbeiterinnen sind mit dem Aufziehen der Spritzen beschäftigt. Es ist eine heikle Aufgabe, denn aus jedem Fläschchen soll möglichst viel herausgeholt werden. Gearbeitet wird in zwei Schichten. Jeweils vier Ärztinnen und Ärzte machen Impfdienst. Dazu kommen noch acht bis zehn Rotkreuz-Mitarbeitende, die für eine geregelte An- und Abmeldung sorgen. An ärztlichem Personal stehen Rudolf Rüscher 13 Kolleginnen und Kollegen aus dem Bregenzerwald sowie 15 Externe zur Verfügung. Auch Carmen Berti und Larisa Herczeg schieben Dienst. Beide Frauen sind auch Mütter, doch sie nehmen den Einsatz gelassen. „So haben die Kinder genug Zeit für den Kuchen“, bemerkt Carmen Berti schmunzelnd. Die Schicht dauert bis 14 Uhr, dann gehört die Zeit der Familie.

Ernst Kaufmann ließ sich von Carmen Berti den ersten Stich setzen.
Ernst Kaufmann ließ sich von Carmen Berti den ersten Stich setzen.

Lange vor dem offiziellen Impfstart um 10 Uhr stehen die ersten Impfwilligen bereit. Ernst Kaufmann (51) ist einer von ihnen. Er steht schon seit Jänner auf der Warteliste. Jetzt ist er froh, dass es geklappt hat. Doris und Carmen Berchtold sind ebenfalls zeitig zur Stelle, um sich den ersten Stich setzen zu lassen. „Gottseidank“, sagt sie, während Larisa Herczeg das Serum injiziert. Als Grenzgängerin ist Carmen Berchtold zusätzlich erleichtert über die Impfung. Alle Beteiligten geben ihr Bestes. Rudolf Rüscher spricht von einer großen Motivation auch bei seinen Mitarbeitenden. „Alle sind sich einig, dass es etwas Wertvolles ist, was wir da tun.“ Bislang gingen die Impfungen ohne gesundheitliche Zwischenfälle über die Bühne. Immer wieder einmal gebraucht wird die Back-up-Liste, weil Impfkandidaten nicht erscheinen. Schwierigkeiten, die Termine kurzfristig aufzufüllen, gab es laut Rüscher jedoch keine. „Die Leute kommen gerne.“

Das Aufziehen der Spritzen erfordert viel Fingerspitzengefühl.
Das Aufziehen der Spritzen erfordert viel Fingerspitzengefühl.