„Ich bin eine Pionierin“

Vorarlberg / 12.05.2021 • 15:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Autorin Evelyn Brandt will mit ihrer Schreibbegeisterung anstecken.<span class="copyright">Bischof</span>
Autorin Evelyn Brandt will mit ihrer Schreibbegeisterung anstecken.Bischof

Große Nachfrage nach Online-Angebot der Autorin und Workshop-Leiterin Evelyn Brandt. Die Autorin im VN-Interview.

Feldkirch Evelyn Brandt ist eine erfolgreiche Autorin und Workshop-Leiterin für Kreatives und Autobiografisches Schreiben. Ihre Online-Kurse boomen, die Nachfrage ist sehr groß. Die VN-Heimat hat sich mit der vielseitigen Autorin zu einem Gespräch über Innovation in Zeiten der Pandemie getroffen.

Sie feiern Ihr 20-jähriges Schreibwerkstatt-Jubiläum für Kreatives und Autobiografisches Schreiben. Inwiefern hat sich Ihr Angebot in Zeiten von Corona verändert?

BRANDT Seit einem Jahr finden alle Schreibwerkstätten online statt. Im letzten Frühjahr habe ich ein virtuelles Klassenzimmer ohne Livestream kreiert, da fehlte allerdings der direkte Austausch. Danach aber – und bis jetzt – fanden und finden alle Seminare online via Zoom-Plattform statt. Das ersetzt auch nicht für alle die dynamische Energie der Präsenz, ist aber für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine gute Alternative – praktisch und zeitschonend.

In welcher Form finden die Online-Kurse statt?

BRANDT Eins zu eins – wie in der Präsenz: Einführen in das Schreibthema, musisches Aufwärmen, Schrei-
ben, Vorlesen, Text besprechen, Stilkunde. Nähe herzustellen im digitalen Setting, das ist ein ganz wichtiges Thema. Es beschäftigt mich fortwährend, mit welchen technischen und didaktischen Mitteln es bei dem jeweiligen Thema am besten gelingen kann.

Ist das Bedürfnis zum Festhalten eigener Erinnerungen in der Corona-Zeit gestiegen?

BRANDT Das kann ich ganz und gar nicht bestätigen. Menschen, die gerne schreiben, haben immer schon geschrieben und kommen schreib-erfahren in meine Seminare. Geändert hat sich vielmehr die Perspektive in der Literaturszene. Während bei uns vor einigen Jahren immer noch gebetsmühlenartig die Ansicht der Genieästhetik vertreten wurde, weicht sich diese rückwärtsgewandte und mit nichts zu rechtfertigende Haltung auf. Im deutschsprachigen Raum hat sich längst schon eine moderne und selbstbewusste Schreibbewegung etabliert.

Wie sieht es mit der Nachfrage aus?

BRANDT Ich bin in der glücklichen Lage, dass sich meine Schreibseminare in den letzten 20 Jahren so erfolgreich entwickelt haben, dass sie immer ausgebucht sind und deswegen seit Jahren zwei Gruppen pro Semester und Seminar geführt werden. Viele Teilnehmer sind Stammkunden. Ein auffallend starkes Interesse stelle ich in der Online-Lyrikwerkstatt fest, die besonders von Teilnehmern aus Deutschland und der Schweiz gebucht wird. Dieser Trend hängt eindeutig mit der Pandemie – mehr Zeit für Muße – und den technischen Möglichkeiten der grenzenlosen Digitalisierung zusammen.

Aus welchen Gründen nehmen Menschen an Ihren Workshops teil?

BRANDT So verschieden wie ihre Schreibstimmen und die Themen der Seminare sind, so unterschiedlich sind die Ziele. Aber es gibt Schwerpunkte. So wird Schreiben als Medium, Kraftquelle und individuelles Ausdrucksmittel erlebt, als Schreibqualifikation und -kompetenz, auch als Selbsterkenntnis und natürlich als Austausch unter Gleichgesinnten.

Sie sind vielseitig und innovativ. Was inspiriert Sie?

BRANDT Ich bin eine Pionierin mit Hang zur extremen Experimentier- und Lernfreude. Ich liebe die Kreativität und Vielfalt meiner Seminarteilnehmer, die Literatur, das Leben. Mich interessieren fortwährend neue Formate, Trends und Methoden des Unterrichtens. Im Herbst beginne ich zwei völlig neue Online-Formate: ein Schreibseminar, das ausschließlich auf Menschen zugeschnitten ist, die Erfahrung mit toxischen Beziehungen haben – sei es in der Ehe, Partnerschaft, im Elternhaus oder am Arbeitsplatz. Das zweite Seminar ist ein Online-Tagesseminar, in dem man ohne Aufwand ein E-Book mit Texten, Fotos, Filmen, Audios erstellen kann.

Haben Sie, wie viele andere Autoren, ebenfalls ein Lockdown-Tagebuch geführt?

BRANDT Nein. Ich schreibe sowieso täglich – ganz egal, was sich draußen abspielt. Allerdings habe ich im März meine Werkstatt-Gruppen zu einem Pandemie-Jahresrückblick angeleitet. Da sind interessante Texte und Gedichte entstanden. BI

Zur Person

Evelyn Brandt ist Schreibkünstlerin mit Leib und Seele. Vor 20 Jahren hat sie ihre Schreibwerkstatt gegründet.

Geboren 1952

Wohnort Feldkirch

Ausbildung Masterstudiengang ASFH Berlin, Kreatives und Biografisches Schreiben

Familie zwei Söhne, Achim und Laurin

Hobbys Literatur (Lyrik), Stand-up-Paddling, Skifahren, Reisen

Lieblingsautoren viele, aber oft Kleist

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