Schlechte Noten für Bundesregierung

Vorarlberg / 20.05.2021 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schlechte Noten für Bundesregierung
Mit Sebastian Kurz, Werner Kogler und Co. sind die Vorarlberger nicht wirklich zufrieden. APA

VN-Umfrage: Vorarlberger stellen Bundesregierung schlechtes Zeugnis aus. Bessere Noten für Landesregierung.

Schwarzach Als sich das Coronavirus seinen Weg in die Atemwege der Österreicher bahnte, musste die Regierung entschlossen handeln. Sie tat es zumindest in den Augen der Bevölkerung: Die Sympathiewerte von Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober schossen in die Höhe. Ein Jahr später sieht die Sache anders aus. Sei es wegen dem chaotischen Start bei den Impfungen oder wegen angekündigten und wieder abgesagten Lockerungen: die Vorarlberger stellen der Bundesregierung in der Pandemiebekämpfung kein gutes Zeugnis aus. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts von Edwin Berndt im Auftrag der VN zeigt, sind nur sieben Prozent der Befragten mit der Performance in Wien sehr zufrieden. Weitaus bessere Noten gibt es für die Landesregierung. 27 Prozent der Befragten geben an, sehr zufrieden mit der Pandemiebekämpfung des Landes zu sein.

Andere Wahrnehmung

Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle ist überzeugt: “Das Ergebnis zeigt eine Fehleinschätzung, die in Wien oft gemacht wird. Der Föderalismus wird von der Bevölkerung nämlich nicht als dysfunktional wahrgenommen.” Je näher die politische Ebene liegt, desto höher sind die Vertrauenswerte. “Die Politik ist greifbarer und kann auf regionale Besonderheiten eingehen. Man bewertet die Performance besser. Ich weiß nicht, ob es funktioniert hätte, wenn das Leiblachtal von Wien aus gesperrt worden wäre.” Natürlich scheitere der Föderalismus in manchen Punkten, zum Beispiel wenn es darum geht, Daten zu synchronisieren. Aber: “Wenn es um Maßnahmen geht und sie zu kommunizieren, ist die Akzeptanz im Land größer.” Die Modellregion spiele sicher auch eine Rolle. Wobei auch mit der Landesregierung nicht alle zufrieden sind.

Schlechte Noten für Bundesregierung

Bei den Unzufriedenen halten sich Wien und Bregenz die Waage: 24 Prozent der Befragten sind mit der Leistung der Bundesregierung unzufrieden, 22 Prozent mit jener der Landesregierung. Dazu kommen 32 Prozent (Bund) und 22 Prozent (Land), die weder unzufrieden noch zufrieden sind. Im Saldo ist der Unterschied jedoch eindeutig: Während die VN-Umfrage bei der Landesregierung ein Zufriedenheitssaldo von plus fünf errechnet, liegt es bei der Bundesregierung bei minus 19.

Unterschiedliche Parteibrille

Meinungsforscher Edwin Berndt unterstreicht Stainer-Hämmerles Analyse: “Die Arbeit der Landesregierung wird traditionell besser bewertet als jene in Wien.” Die Politikwissenschaftlerin macht auf einen Unterschied der Regierungsparteien aufmerksam. Während Anhänger der Grünen tendenziell unzufrieden sind, befürworten ÖVP-Sympathisanten die Leistung. Sie sind zu 68 Prozent mit der Landesregierung und 45 Prozent mit der Bundesregierung zufrieden; Grün-Sympathisanten jeweils zu 32 Prozent. “Hier stellt sich allerdings die Frage, womit sie unzufrieden sind. Mit der eigenen Rolle? Oder damit, dass Anschober gehen musste?”, fragt sich Stainer-Hämmerle. Selbst FPÖ-Sympathisanten stellen der schwarz-grünen Landesregierung mit 35 Prozent ein besseres Zeugnis aus.

Zufriedenheit Parteipräferenz

ÖVP 45 % sehr zufrieden oder zufrieden (Bund) bzw. 68 % (Land)

FPÖ 28 % bzw. 35 %

Grüne 32 % bzw. 32 %

SPÖ/Neos/Sonstige 34 % bzw. 41 %

Nach Geschlecht Frauen: 39 % bzw. 54 %. Männer: 35 % bzw. 44 %

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.